Erste Lektion: "Grüß Gott" sagen. Eine "Grundform der Höflichkeit" gehört in der Lehre dazu, nicht nur für Schreinermeister Riza Seven aus Burgwindheim. Um seinen Tisch - ein Holztisch versteht sich - haben sich Handwerksmeister versammelt, die etwas zum Thema "Holz und Handwerk und Steigerwald" beitragen wollen.
Schreiner- und Zimmermeister, die für ihren Beruf einstehen, und dafür, "wie umfangreich, wie wertvoll" eine Ausbildung im Holz-Handwerk sein kann. Auch, weil es in einer Lehre mehr als Fachwissen zu lernen gibt.

Von Donnerstag bis Samstag in dieser Woche stellen sich sieben Handwerksbetriebe im Steigerwald-Zentrum vor. Ihre Botschaft: Ein Handwerksberuf mit Holz ist nachhaltig, nicht nur das Material an sich. Zimmerer und Schreiner sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Auch die Holzbau-Quote in Deutschland wächst. Einmal im Jahr veröffentlicht die Berufsorganisation Holzbau Deutschland einen Lagebericht. Bei den Wohngebäuden liegt der bundesweite Anteil von Holzbauten bei 15,2 Prozent. Bayern folgt mit 19 Prozent auf dem zweiten Rang hinter Baden-Württemberg, wo laut Statistik fast jedes vierte neue Wohngebäude mit Holz gebaut wird. Auch die Zahl der Lehrlinge im Holz-Handwerk sei der Berufsorganisation zufolge bundesweit angestiegen.

In Oberfranken ist die Anzahl der Schreiner und Zimmerer nahezu konstant geblieben, teilt die Handwerkskammer mit. Im Vergleich zu 2010 - 87 Zimmerer, 208 Schreiner in Ausbildung - meldet die Handwerkskammer für 2014 insgesamt 87 Zimmerer und 201 Schreiner in Ausbildung. Im Bamberger Landkreis waren das 2014 von insgesamt 748 Auszubildenden 15 Lehrlinge im Zimmerer- und 19 im Schreinerhandwerk.


Mehr als gute Schulnoten

In der Realität einen Lehrling zu finden "wird immer schwieriger", sagt Schreinermeister Matthias Kirchner aus Zeil. Auch das Holzbau-Unternehmen PMP aus Donnersdorf hat jahrelang ausgebildet. Aber "in den letzten drei Jahren haben wir keine Zimmerleute mehr gefunden", sagt Karl-Heinz Pfuhlmann. Vor allem die "guten Leute" sind schwierig zu kriegen, ergänzt Georg Stöcklein seinen Kollegen, der ihm gegenübersitzt. Mit der Nachfrage am Holzbau steigen auch die Anforderungen. Für eine Ausbildung im Holz-Handwerk gehört "Grips dazu", sagen die Lehrmeister und meinen damit nicht zwingend Schulnoten.

Denn "auch schlechte Schüler können gute Handwerker werden", sagt Kirchner. Eine Grundvoraussetzung sei Ehrgeiz: "Ich will Zimmerer werden", das zu hören sei der erste Schritt. Schließlich sei Zimmerer oder Schreiner "ein Beruf, zu dem man sich berufen fühlt", sagt Hermann Krebs. "Ich kenne keinen Zimmerer, der im Nachhinein sagt, die Ausbildung war ein Fehler", meint er. "Und ich kenne keinen arbeitslosen Schreiner." In seinen Augen ist eine Lehre zum Beispiel auch ein guter Einstieg auf dem Weg zum Architekten oder Bauingenieur: "Einen besseren Statiker gibt es nicht."


Schreiner unter den Top Ten

Die Männer möchten langfristig Werbung für ihre Berufe machen, nicht nur für das kommende Ausbildungsjahr - und auch für Frauen. "Wir als Meister müssen mit der Zeit gehen", fordert Riza Seven und entkräftet den Spruch "Lehrjahre sind keine Herrenjahre".

Ja, Respekt gegenüber seinem Vorgesetzten gehört dazu. Aber die Handwerker wollen die Jugendlichen nicht nur anstellen, sondern erreichen. Vielleicht mit dem Duft von frisch gehobeltem Kiefernholz, mit Werken, die sie am Abend fertig in der Hand halten können, und mit Fachwissen.

Pfuhlmann meint, dass es im ersten Moment vielleicht abschreckt, wenn man direkt mit dem Chef zusammenarbeitet. Dabei sei gerade das ein Vorteil, den eine Ausbildung in einem kleineren Betrieb hat: "Herrn Bosch oder Michelin lernen die Auszubildenden wohl nie kennen", sagt Norbert Leicht. "Wir setzen uns auch mal mit unseren Lehrlingen hin und lernen", verspricht Krebs, oder sie bieten ihnen an "komm am Samstag rein und bau' dir was", meint Seven.

Die Handwerksmeister brennen darauf, die Wertschätzung des Handwerkes voranzutreiben. Immerhin: Unter die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe schafft es das Schreinerhandwerk in Oberfranken (Platz 8; Zimmerhandwerk Platz 16). Vielleicht geht es in den nächsten Jahren ja weiter nach oben.