Nur 24 Stunden nach dem Überfall arbeitet das Opfer wieder in der Tankstelle an der Hallstadter Straße. Autos werden vollgetankt, die Waschstraße läuft. Kunden trinken Kaffee. Die Angestellte wirkt keineswegs geschockt. "Das darf man nicht an sich ranlassen", sagt die 50-Jährige, die am Mittwoch gegen 11.40 Uhr im Auto von einer Unbekannten ausgeraubt wurde. Die Kriminalpolizei fahndet auch am Donnerstag auf Hochtouren nach der Täterin.

Was genau passiert war, schildert die Tankstellenleiterin inFranken.de aus ihrer Sicht: Am Mittwoch gegen Mittag will sie die Einnahmen der Tankstelle zur Bank bringen. Mit dem Pkw steht sie neben der Tankstelle, um in die Hallstadter Straße abzubiegen. Da bemerkt sie die Radfahrerin. "Die Dame hat wild gestikuliert. Ich dachte, sie fühlt sich bedrängt, da ich weit in der Straße stand."

Sie geht davon aus, dass es eine Frau war. Das Verhalten habe dafür gesprochen. Das genaue Alter könne sie nicht schätzen, denn die Täterin war maskiert.
Viel habe sie kurz vor dem Überfall nicht erkennen können, sagt die Tankstellenleiterin. Dann geht alles ganz schnell: Die Unbekannte reißt die Beifahrertür auf, sprüht Reizgas in das Auto, schnappt sich die Tageseinnahmen und eine Geldbörse und flüchtet mit dem Fahrrad die Hallstadter Straße entlang stadtauswärts.

Die 50-Jährige bleibt im Auto zurück. "Die Augen haben getränt." Doch habe sie Glück gehabt, so schlimm sei die Beeinträchtigung nicht gewesen, sagt sie am Donnerstag. Lesen habe sie zwar kurzzeitig nicht mehr können, Verletzungen sind jedoch keine geblieben. Die Frau kam trotzdem ambulant in die Klinik.

Spuren sind am Tag danach noch vorhanden: Ihr Auto sei durch das Pfefferspray "total versaut". Alles weitere lässt das Opfer nicht an sich ran: "Ich arbeite schon einige Jahre in der Tankstelle, da denke ich nicht drüber nach." Es sei für sie zwar der erste Vorfall dieser Art gewesen, doch würden Angestellte von Tankstellen generell auf solche Ernstfälle geschult. Nun werde man auch für die Tankstelle an der Hallstadter Straße weitere Sicherheitsvorkehrungen treffen.


Insiderwissen gehabt?

Das Wenige, das sie von der Täterin wahrgenommen hat, kommt ihr nicht bekannt vor. Dennoch glaubt die 50-Jährige nicht, dass die Begegnung an der Kreuzung mit der Radfahrerin ein Zufall war: Sie hat den Eindruck, dass bei der Täterin Insiderwissen vorhanden war.

Die Räuberin konnte mit der Beute fliehen. Offensichtlich ist ihr dabei jedoch ein Missgeschick passiert. Sie verlor den Großteil des Geldes bei ihrer Flucht - es soll sich um mehrere Tausend Euro gehandelt haben. Die Polizei konnte das Geld im Umfeld der Hallstadter Straße sicherstellen. Und sucht weiter nach der flüchtigen Frau. Laut Angaben des Polizeipräsidiums Oberfranken am Donnerstag laufen die Ermittlungen weiter. Mehr war nicht zu erfahren.

Die Kriminalpolizei Bamberg nimmt weiter Zeugenhinweise unter 0951/9129491 entgegen.