Es ist eine jener Nachrichten, die man sich in Bamberg gerne ersparte hätte: Ein 24-jähriger Mann wurde wegen des Verdachts einer Mitgliedschaft in einer islamistischen Organisation am Dienstag verhaftet. Er lebte nach Informationen dieser Redaktion seit vergangenem Sommer in einer großen Bamberger Gemeinschaftsunterkunft. Dabei handelte es sich nicht um das Rückführungszentrum, das bekanntlich ausschließlich von Flüchtlingen aus Westbalkanländern bewohnt wird.

Gegenüber anderen Bewohnern soll sich der Verdächtige als Mitglied des "Islamischen Staats" (IS) bezeichnet haben. Doch genau dieser Vorwurf scheint nicht zuzutreffen, wie Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch auf unsere Nachfrage sagte: "Es handelt sich bei dem Mann nicht um ein Mitglied des sogenannten IS." Jedoch einer anderen islamistische Vereinigung, die laut der Ermittlungsbehörde das Assad-Regime stürzen und ebenso wie der IS einen islamischen Staat auf Grundlage der Scharia errichten will.


Kontakt zur Führung gehalten?

Die Staatsanwaltschaft Bamberg hatte Anfang April einen konkreten Hinweis auf den Beschuldigten bekommen und einen Durchsuchungsbeschluss erlassen: Beamte der oberfränkischen Kriminalpolizei mit Zentralaufgaben hatten am Dienstag die Wohnung des Beschuldigten in der Asylbewerberunterkunft durchsucht. Laut Oberstaatsanwalt Rosenbusch wurden bei dem Mann keine Waffen, jedoch aber Bilder gefunden, auf denen er mit Kriegswaffen zu sehen ist.

Da sich der Verdacht über die Mitgliedschaft in einer militanten islamistischen Organisation in Folge der Ermittlungen erhärtete, beantragte die Staatsanwaltschaft noch am selben Tag Haftbefehl wegen des Vorwurfs einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Der 24-Jährige befindet sich in der Justizvollzugsanstalt.

Es besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht, dass sich der Mann an Schusswaffen ausbilden ließ und für die Organisation in seinem Heimatland gegen das Assad-Regime gekämpft hatte. Er habe nach seiner Ausreise aus Syrien Kontakt zur Führung der Organisation gehalten und plante offenbar, wieder in sein Heimatland zurückzukehren.

Ob der Beschuldigte in Deutschland Straftaten geplant haben könnte, dazu wollte sich Oberstaatsanwalt Rosenbusch am Mittwoch mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Auch nicht dazu, ob es sich bei dem mutmaßlichen Islamisten um eine Einzelperson in Bamberg handelt oder ob in diesem Zusammenhang möglicherweise noch gegen andere Personen ermittelt wird.

Der Haftbefehl fuße in erster Linie auf der Mitgliedschaft des Mannes in einer islamistischen Vereinigung, so Rosenbusch. Was gegen eine größere Dimension des Falls spricht: Das bayerische Innenministerium verwies auf Nachfrage unserer Zeitung auf die Staatsanwaltschaft, die federführend ermittelt.


OB dankt den Ermittlungsbehörden

Der verhaftete Mann ist einer von derzeit 580 syrischen Staatsbürgern, die in zwölf Bamberger Unterkünften untergebracht sind. Anders als in anderen Städten wuchs die Zahl der Kriegsflüchtlinge in Bamberg seit vergangenen Sommer nicht mehr, denn mit der Eröffnung des Balkanzentrums fanden keine Zuweisungen mehr statt.
Auch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) erfuhr erst am Mittwochnachmittag von der Verhaftung und den Vorwürfen der Bamberger Staatsanwaltschaft. In einer ersten Stellungnahme sagte er, dass die Nachricht im Bamberger Rathaus große Besorgnis ausgelöst habe. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung sei ein hohes Gut. Es gebe allen Grund wachsam zu sein und man müsse alles tun, dass die Sicherheit gewährleistet ist.

Starke bedankte sich bei den Ermittlungsbehörden für ihr umsichtiges Vorgehen und die schnelle Reaktion. Gleichzeitig warnte das Stadtoberhaupt davor, nun in Hysterie zu verfallen und alle Asylbewerber unter Generalverdacht zu stellen. Nach allem was bekannt sei, handele es sich bisher nur um einen Einzelfall.