Es sind tief sitzende Ängste, die die Pläne für die Ottostraße ausgelöst haben. Glaubt man den Protestschreiben, die die Stadtverwaltung erreicht haben, weckt die Vorstellung einer Moschee im Haingebiet Sorgen wegen der dort beheimateten Kindergärten und über eine allgemeine Abwertung des Haingebiets.

Dabei ist eine solche Glaubensstätte in Bamberg nichts Neues. Wie bei den bestehenden Einrichtungen in der Coburger, der Lichtenhaide- und in der Gönnerstraße wären auch mitten im Haingebiet weder Minarett und Kuppel zu erwarten, noch würde ein Muezzin zum Gebet rufen, wenn sich die geplante Anmietung des Erdgeschosses durch den arabischen Kulturverein umsetzen ließe. Im Gegenteil: Von außen wird das islamische Kulturzentrum, von dem Horst-Peter Müller von der EM Immobilien GmbH spricht, wie ein Bürogebäude aussehen.

Auch an der Notwendigkeit für neue Gebetsräume in Bamberg scheint kein Zweifel zu sein: Der starke Zuzug syrischer Flüchtlinge nach Bamberg hat die arabisch-muslimische Gemeinde auf annähernd 1000 Menschen anwachsen lassen, Tendenz weiter steigend. Bei den Freitagsgebeten in der Gönnerstraße platzen die zwei Gebetsräume regelmäßig aus allen Nähten.


Streit landet bei Gericht

Das Tauziehen um das so genannte Heroldhaus ist freilich nur vor dem Hintergrund mehrerer Prozesse zu verstehen, in die sich die neuen Eigentümer des sechsstöckigen Gebäudes und die Stadt Bamberg verstrickt haben. Müller und seine Mitinhaber wollen ihre ursprünglichen Pläne für 32 Hotelzimmer und 14 Stadtappartements der Veränderungssperre der Stadt zum Trotz langfristig verwirklichen. Die Stadt verfolgt nach eigener Darstellung das Ziel, Wohnraum zu erhalten und eine alte Bausünde aus der Welt zu schaffen. Wäre Müller bereit, Stockwerke wegzunehmen, sei man zu manchen Zugeständnissen bereit, erklärte kürzlich Bambergs OB Andreas Starke (SPD).

Doch nach einer Einigung durch den Abbruchbagger sieht es derzeit nicht aus. Im Gegenteil: Horst-Peter Müller drängt schon deshalb nach einer schnellen Umsetzung seines Änderungsantrages, weil er die durch den Leerstand aufgelaufenen Verluste, angeblich bereits 420 000 Euro, nicht ungebremst weiter anwachsen lassen will. Und auch das Baurecht scheint dem Unternehmer Recht zu geben, wenn er die angestrebte Zwischennutzung für den arabischen Kulturverein nun zusätzlich forciert.

In einem Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt, wirft er der Stadt Verzögerungstaktik vor. Er weiß: Die Baunutzungsverordnung für allgemeine Wohngebiete schließt religiöse Nutzungen ausdrücklich nicht aus. Ginge es nach Müller, würden die Muslime bereits das Ende des Ramadan am Samstag, 16. Juni, in der Ottostraße feiern. "Wir werden uns bemühen, dass die arabische Gemeinde ihr Fest im Heroldhaus ausrichten kann - unabhängig von der Genehmigung der Moschee durch das Bauamt", kündigt er an.


Monate können vergehen

Freilich: Baureferent Thomas Beese ist sich nicht so sicher, dass es gelingt, "die hierfür erforderlichen Nachweise in so kurzer Zeit zu erbringen". Im übrigen werde Müllers Antrag "den ganz normalen Geschäftsgang" gehen. Sobald er vollständig bearbeitungsfähig und mitsamt eines Mietvertrags vorliege, würden die betroffenen Fachämter gehört. Erst dann könne der Bausenat entscheiden. Wann das sein wird, das ließ der Baureferent trotz unserer Frage wohlweislich im Dunkeln. Möglich, dass auf diese Weise viele Monate vergehen.

Grundsätzlich scheint jedoch auch der Stadtrat anzuerkennen, dass dem Eigentümer auf Dauer weder sein Baurecht noch den Muslimen geeignete Räumlichkeiten zu verweigern sind. "Der Islam ist ein Teil unserer Gesellschaft. Er hat die gleichen Rechte, Räumlichkeiten für religiöse Zwecke zu nutzen wie jede andere Gemeinschaft auch ", sagt Klaus Stieringer, Chef der SPD-Stadtratsfraktion. Wie OB Starke ist er der Meinung, dass eine Genehmigung in erster Linie davon abhängig gemacht werden muss, dass die erforderlichen Auflagen erfüllt werdeb. "Der Antrag darf nicht schlechter, aber auch nicht besser behandelt werden als jeder andere auch."

Aus diesem Grund würde Helmut Müller (CSU) die Entscheidung am liebsten ganz der Verwaltung überlassen. Sie müsse das Baurecht anwenden. Der Fraktionschef äußert den Verdacht, dass die Investoren mit der Zwischennutzung in erster Linie ihre ursprünglichen Hotelpläne befördern wollten. Als selbst im Hain wohnender Stadtrat stellt er die Frage, ob dieses Gebiet wirklich der richtige Ort für eine neue Moschee sei.

Ursula Sowa von den Grünen sieht das anders: "Der Hain ist an dieser Stelle der ideale Standort für solche Gebetsräume", sagt sie mit Blick auf eine möglichst gute Durchmischung in der Stadt. Dieser Meinung ist auch Christiane Laaser (GAL): Wer sich den Wünschen entgegenstelle, nehme in Kauf, dass sich die islamischen Gläubigen nicht akzeptiert fühlten und in Privatwohnungen und Hinterhofmoscheen ausweichen.