Weitblick ist für Georg Lunz wichtig - kein Wunder also, dass sein für das Interview gewählter Lieblingsplatz am Hochbehälter oberhalb von Pödeldorf liegt. Der Blick reicht dort nach Melkendorf, auch die drei Windräder des Bürgerwindparks Litzendorf-Hohenellern sind zu sehen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, ist der 58-Jährige bei seinen Spaziergängen zu den aussichtsreichen Plätzen auch mit Familienhündin Cleopatra unterwegs.

Mit der Anhöhe am Wasserhaus verbindet der Direktkandidat der Grünen im Stimmkreis Bamberg-Land Erinnerungen an seine Kindheit: "Früher bin ich mit meinem Opa hier raufgegangen, hier oben haben wir uns ausgeruht", sagt der heute dreifache Vater.

Seine Großeltern hatten eine kleine Landwirtschaft, ein Feld lag hier oben und Georg Lunz packte mit an und bekam so früh Natureindrücke, die er heute längst verändert sieht: "Es gibt keine Feldlerchen mehr", stellt Lunz etwa fest. Nur ein kleines Beispiel, weshalb er sich bei den Grünen engagiert.

"Wir haben eine super Truppe. Wir streiten - aber um den sinnvolleren Weg." Weitblick sieht er in der Öko-Partei mehr als in anderen Parteien, denn: "Es geht uns nicht um den Selbstzweck." So sähen allein die Grünen die Notwendigkeit, endlich aus der Braunkohle auszusteigen.

Lunz verdeutlicht auch seine Position bei der Landwirtschaft: "Ich sehe die Bauern nicht als Täter, ich sehe sie als Opfer der Agrarpolitik." Er spricht von falscher Subventionierung. Vielmehr müssten die Parameter so gestellt werden, dass die Landwirte vernünftig ihre Lebensmittel herstellen könnten und dafür einen vernünftigen Preis bekommen.

"Ich sehe mich als christlichen Menschen", erklärt Lunz an seinem Lieblingsplatz. Er wolle für Gerechtigkeit, Frieden und für die Bewahrung der Schöpfung eintreten. Diesen Weitblick hat sich Lunz in seiner Zeit geholt, als er sich in der Christlichen Arbeiterjugend engagiert und dabei auch Länder in Afrika besucht hatte.

Lunz will mit einer besseren Sozial- und Finanzpolitik die Schere zwischen Reich und Arm nicht weiter auseinander gehen lassen. Beim Thema Asyl findet er, dass die Menschen, die da sind, integriert und nicht kriminalisiert werden sollten.

Gründer des Festivals

Außerdem steht er für eine saubere Energiepolitik. So gründete er das Live-Earth-Festival in Litzendorf. Das Konzert gegen Klimawandel und für ein besseres Leben fand heuer bereits zum zwölften Mal statt.

Mit Blick auf die drei Windräder über Tiefenellern ist für ihn bereits ein Erfolg gelungen: Als Koordinator der lokalen Agenda 21 und Leiter des Arbeitskreises CO2-Reduzierung hat sich Lunz dafür stark gemacht: "Die Windräder produzieren eineinhalb mal so viel Strom, als wir in Litzendorf brauchen", sagt er.

Lunz kämpfte auch (erfolgreich) gegen die Mobilfunkmasten oben am Wasserhaus über Pödeldorf, die aus seiner Sicht zu nah an der Wohnbebauung waren. Es gehe ihm dabei um eine menschenverträgliche Aufstellung.

Seit 22 Jahren setzt er sich für die Grünen im Gemeinderat ein. "Ich bin ein Teamworker", sagt Lunz, bezieht dies auf die politische Arbeit, aber auch auf seine Firma, die inzwischen 30 Mitarbeiter hat. Der selbstständige Malermeister und Baubiologe setzt auch in seinem Beruf auf ökologische Bauweise. "Menschen sollten nicht krank werden - das ist das Wichtigste!"