Das Smartphone ist jetzt auch im Museum "salonfähig". Wer im Vogelsaal des Bamberger Naturkundemuseums auf sein Handy starrt, dem sollte man kein Desinteresse an den Exponaten unterstellen, sondern das genaue Gegenteil: ein gesteigertes Interesse daran, das Gesehene zu vertiefen.

Das gelingt mit der neuen Smartphone App "ExpoNat", die eine virtuelle Führung durch den Vogelsaal bietet: mit geschriebenen und gesprochenen Texten, Videos, 3-D-Aufnahmen und vielem anderen mehr. Vergangene Woche wurde die App offiziell vorgestellt.


Akropolis und Louvre

Die gespeicherten Inhalte seien so zahlreich und vielfältig, dass man einen ganzen Tag brauchen würde, um an insgesamt 70 Stationen alle Informationen abzurufen, sagt Entwickler Eric Dobat. Das Bamberger Museum ist mit "ExpoNat" ein Vorreiter in Bayern und in Deutschland und steht damit auf einer Stufe mit der Akropolis in Athen und dem Louvre in Paris. Die nächsten Häuser, die in Bayern über "ExpoNat" erschlossen werden, sind die Naturkundemuseen in Eichstätt, Nördlingen und Bayreuth. "Gut, dass nicht alles in München stattfindet, sondern dass hier einmal Bamberg Vorreiter sein darf", freute sich Ingo Krüger, Geschäftsführender Vorstand der Bayerischen Sparkassenstiftung, die finanzielle Unterstützung geleistet hat.

Eva Natzer, wissenschaftliche Geschäftsführerin der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, sprach bei der Eröffnungsveranstaltung von internationalen Bestrebungen, Sammlungen zu digitalisieren und Forschern weltweit zur Verfügung zu stellen. Die App sei dazu ein erster Schritt.

"Wir erleben gerade das Verschmelzen der analogen und virtuellen Welt", stellte Ingo Krüger fest. Er spielte mit diesem Satz auf das neue Computerspiel "Pokemon go" an, das virtuelle Monster in die reale Umgebung setzt. "Die scharfe Trennung zwischen beiden Welten wird aufgehoben werden." Wer jüngere Zielgruppen erreichen wolle, komme an dieser Tatsache nicht vorbei.

Für Astrid Pellengahr von der Landesstelle der nichtstaatlichen Museen handelt es sich nicht etwa um eine "Technik der Zukunft", sondern um die "Technik der Gegenwart". 80 Prozent aller Museumsbesucher trügen ein Smartphone bei sich. "Wenn wir da nicht mitmachen, verlieren wir die jüngeren Generationen als Museumsbesucher". Nach der Einführung der App werde es darum gehen, sie offensiv zu vermarkten. Die Landesstelle habe zu diesem Zweck bereits ein neues Projekt ins Leben gerufen mit dem Titel "Digitale Strategien für Museen".

Kann sich Museumsleiter Mäuser von "ExpoNat" eine schnelle Steigerung der Besucherzahlen erwarten? Er hofft es. Von den 6,5 Millionen Tagestouristen, die jährlich nach Bamberg kommen, "wünschen wir uns nur ein halbes Prozent", sagt er. Er setzt große Hoffnung auf die englischsprachige Version der App, die noch im Laufe dieses Jahres herauskommen wird.