"Wir ermitteln weiterhin", sagte am Montag leitender Oberstaatsanwalt Bardo Backert. Mehr Informationen gibt es momentan nicht von der Bamberger Staatsanwaltschaft zu den Ermittlungen im Missbrauchs-Skandal am Klinikum Bamberg. In Ruhe will man das offenbar umfangreiche Beweismaterial auswerten.

Vor allem geht es dabei wohl um unzählige Fotos, die die Ermittler auf den Rechnern des Mediziners zu Hause und in der Klinik gefunden hatten. Die Bilder sollen dokumentieren, wie sich der 48-Jährige an Frauen vergeht, nachdem er sie innerhalb einer fingierten Studie betäubt hatte.

Momentan ist von vier Fällen die Rede, in denen der Arzt Frauen sexuell missbraucht und vergewaltigt haben soll. Befürchtet wird, dass noch mehr Fälle dazu kommen könnten.

Auf der Telefon-Hotline, die das Klinikum eingerichtet hat, haben sich laut Kliniksprecherin Brigitte Dippold bis Montagnachmittag sechs Frauen gemeldet, die möglicherweise auch Opfer des Mediziners geworden sein könnten. "Wir sind froh, wenn sich betroffene Frauen melden", betonte Brigitte Dippold auch am Montag. Man wolle für die Patienten da sein. Die Hotline mit der Nummer 0951/5030 ist weiter eingerichtet.

Der inzwischen entlassene leitende Arzt der Klinik der Gefäßchirurgie sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Offen ist, wie lange die Ermittlungen noch andauern. Die Identifikation geschädigter Frauen ist offenbar nicht einfach, da auf den Bildern nur teilweise die Gesichter der Opfer zu erkennen sind.


Die Chronologie des Missbrauchs-Skandals:

- Ende Juli erstattet eine 26-jährige Medizinstudentin Anzeige gegen den leitenden Arzt der Klinik für Gefäßchirurgie des Klinikums Bamberg. Zunächst geht es um den Verdacht einer gefährlichen Körperverletzung. Der Arzt soll der jungen Frau innerhalb einer vermeintlichen Studie ein Beruhigungsmittel gegen ihren Willen gespritzt haben.

- Am 18. August stellen Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Bamberg Datenträger auf Rechnern des Mediziners sicher. Der Durchsuchungsbefehl basiert auf dem Verdacht, dass der 48-Jährige die Frau sexuell missbraucht haben könnte. Die Ermittler finden zahlreiche Bilder auf den Computern des Arztes. Die Fotos sollen zeigen, wie sich der Mediziner an den Frauen sexuell vergeht. Die Fotos hat der Beschuldigte selbst gemacht.

- 20. August: Kripobeamte nehmen den Arzt am Morgen fest. Vorher hat die Staatsanwaltschaft Bamberg die Krankenhausleitung über die Ermittlungen gegen den leitenden Mediziner informiert. Der Vorwurf lautet: sexueller Missbrauch in einem und Vergewaltigung in drei Fällen.

- Am Nachmittag des 20. August informiert die Klinikleitung in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz die Öffentlichkeit über den Fall. Kurz vorher geht eine gemeinsame Presseerklärung von Kripo und Staatsanwaltschaft raus. Der beschuldigte Arzt wird um 14 Uhr dem Haftrichter vorgeführt. Es herrscht große Betroffenheit. Mitarbeiter sind geschockt, als sie von den möglichen Taten des leitenden Arztes erfahren.

- Die Klinikleitung betont am selben Tag, dass die Taten des Mediziners alle außerhalb der Regeldienstzeit geschehen sind. Der Arzt soll sein Opfer zu einer vermeintlichen Krampfadernstudie abends ins Klinikum bestellt haben. Eine solche Studie sei laut Krankenhausleitung aber nirgends registriert.

- Das Klinikum richtet noch am 20. August einen Krisenstab ein. Der Arzt wird freigestellt. Auch eine Hotline wird unter 0951/5030 eingerichtet. Klinik und Ermittler fürchten, dass es noch viele Opfer mehr geben könnte. Die Krankenhausleitung will zur vollständigen Aufklärung des Falls beitragen.

- Am 21. August ist der Fall auch in den überregionalen Medien angekommen. Das Klinikum gibt bekannt, dass der Stiftungsrat der Sozialstiftung Bamberg am Freitag, 22. August, über die Entlassung des leitenden Arztes beraten will.

- Am 22. August stimmt morgens der Stiftungsrat in einer Sondersitzung der außerordentlichen Kündigung des leitenden Arztes der Klinik für Gefäßchirurgie zu.

- Bis zum 25. August melden sich auf der Telefon-Hotline des Klinikums Bamberg sechs Frauen, die möglicherweise auch Opfer des Arztes sind. Die Staatsanwaltschaft gibt keine weiteren Auskünfte. Man wolle in Ruhe das umfangreiche Beweismaterial auswerten.