"Wir gedenken der unschuldigen Opfer von Hass, Gewalt und Rücksichtslosigkeit in Berlin, Aleppo und anderswo. Die Kerzen erinnern an sie. Wir sind durch unsere Anteilnahme mit ihnen als Menschen verbunden."

So beginnt der Text auf einem Blatt Papier, das seit einigen Tagen beim Widerstandsmahnmal am Harmoniegarten liegt. Daneben stehen ein paar Grablichter, die inzwischen ausgebrannt sind. Wer bis zum Ende liest, stößt auf die Willy-Aron-Gesellschaft als Verfasser. Jenen Verein also, auf dessen Initiative ganz wesentlich die Gedenkstätte zurückgeht.



Mit dem Leben bezahlt

Sie will am Beispiel von drei bekannten Bamberger Nazi-Opfern an alle erinnern, die ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlt haben. Das Mahnmal ist aus Sicht des Vereinsvorstands der richtige Ort, um an die Tragödie in Syrien und die kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit zu erinnern und an die Menschen zu appellieren, das massenhafte Sterben nicht einfach hinzunehmen.

"Wenn wir etwas aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus gelernt haben, dann das: Wo Unrecht und Gewalt beginnen, müssen wir Widerstand leisten und dürfen uns nicht in unserer Verunsicherung und Angst auf uns selbst zurückziehen und passiv zusehen", antwortete Daniel Manthey, der Erste Vorsitzende der Willy-Aron-Gesellschaft, auf Anfrage der Lokalredaktion. Es sei die Idee seiner Vorstandskollegin Mechthildis Bocksch gewesen, zu Weihnachten am Mahnmal so ein Signal zu setzen: Es könne "nicht sein, dass wir angesichts des zunehmenden Hasses in der Gesellschaft, angesichts des Terrors und angesichts der weltweiten Kriege und Krisen immer mehr Angst haben, uns als Gesellschaft immer mehr verunsichern lassen", so Manthey. Es müsse die Menschen doch "interessieren, was außerhalb Deutschlands und Europas geschieht".



"Zivilisierte Verachtung für Hass und Gewalt"

Der dreiköpfige Vorstand der Willy-Aron-Gesellschaft, dem noch Andreas Ullmann angehört, möchte seinen dezenten Appell als Zeichen einer ",zivilisierten Verachtung' für Hass, Gewalt und Rücksichtslosigkeit" verstanden wissen; eine offene, demokratische Gesellschaft müsse dazu die Kraft aufbringen, statt sich in Ängsten zu verlieren, gibt Manthay zu verstehen: Gerade die Deutschen wüssten doch aus ihrer eigenen Geschichte, dass "Terrorregime auf tönernen Füßen stehen und eigentlich schwach sind, weil sie keine Zukunft haben. Die ,Erfolge' sind schrecklich, weil sie unschuldigen Menschen den Tod bringen, doch sie sind auch kurzfristig und vordergründig".



Menschenverachtende Politik

Geht es nach der Willy-Aron-Gesellschaft, dann soll sich auch die Politik von der Stellungnahme im Harmoniegarten angesprochen fühlen. Versuche, das "Flüchtlingsproblem" auf dem Verwaltungswege zu lösen , und populistische Agitation gegen Kriegsflüchtlinge verhelfe bei der nächsten Wahl vielleicht zu mehr Stimmen, bereite auf lange Sicht aber den Weg für eine menschenverachtende Politik.