"Ich denke, wir sind jetzt auf einem guten Weg." Dompfarrer Gerhard Förch spricht diesen Satz auffallend langsam aus. Ganz so, als ob er sich jedes Wort überlegt, um nur ja keinen falschen Zungenschlag hinein zu bringen. Jetzt, wo frühere Irritationen ausgeräumt wären, sei es "wichtig, dass niemand Öl ins Feuer gießt".

Man spürt förmlich die Sorge des Geistlichen, dass auf dem Weg hin zu Lüpertz-Fenstern für die Kirche St Elisabeth nur ja kein neues Hindernis, etwa in Form einer möglicherweise unbedachten Äußerung, entsteht.


Klärendes Acht-Augen-Gespräch

Die Missverständnisse von Ende Oktober, die zu einem Beinahe-Eklat mit dem Künstler Markus Lüpertz führten, scheinen ausgeräumt.
Ein kürzlich stattgefundenes Acht-Augen-Gespräch hat sie wohl aus dem Weg geschafft.

Das hört man jedenfalls aus dem Kreis der Teilnehmer: Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) für die Stadt Bamberg, der das Gotteshaus im Sand gehört, sowie Dompfarrer Förch und Norbert Jung, Referent für Kunst und Kultur in der Erzdiözese Bamberg, für die katholische Kirche.
Sie nutzt die uralte, in ihrem Kern gotische Elisabethenkirche für besondere Gottesdienste.

"Das Ziel war nie umstritten", sagt Hipelius. Von einem so namhaften Künstler wie Lüpertz gestaltete Fenster könnten dem alten Kirchlein zu neuer Aufmerksamkeit verhelfen. Eine "Predigt in Glas" mit Szenen aus dem Leben und Wirken der Kirchenpatronin Elisabeth von Thüringen schwebt den Initiatoren vor.

Den Berliner Bildhauer und Professor selbst reizt die Aufgabe sehr. Seit Mai 2009 steht sein "Apoll" in einer Mauernische vor dem Gotteshaus; Skulptur und Fenster sollen eines Tages ein Gesamtkunstwerk bilden.

Nach der Unterredung scheinen neben dem Ziel auch die Zuständigkeiten auf dem Weg dahin klarer verteilt. Man hat festgelegt, dass beim Bürgermeister und beim Dompfarrer jeweils die Fäden zusammenlaufen "und nicht mehr über drei bis vier Schienen mit den dann möglichen Missverständnissen", so Hipelius.
So will er als erstes die Details der anstehenden Innensanierung klären, sowohl intern als auch mit der Denkmalpflege. Dieses Gespräch soll gleich im Januar stattfinden.

In Gerhard Förch hat der Bürgermeister und Kulturreferent einen Ansprechpartner, den er, wie er betont, kennt und schätzt. Deshalb ist er sicher: Gemeinsam werde man das Vorhaben "in aller Ruhe und Sachlichkeit" voran bringen. Zu Ende bringen wird es Hipelius nicht: Er hört Ende April 2014 auf. Bis dahin möchte er aber wenigstens für klare Absprachen sorgen.

An denen fehlte es offensichtlich, als sich Vertreter der Fenster-Initiative am 29. Oktober mit dem städtischen Stiftungsreferenten Bertram Felix in der Kirche trafen. Das merkte auch der eigens angereiste Bildhauer Lüpertz schnell und verließ vorzeitig den gemeinsamen Ortstermin.

Das Pressegespräch, das anschließend anberaumt war, fand ohne den Künstler statt und mit zutiefst frustrierten Vertretern der Fenster-Initiative. Sie wiesen Felix die Hauptschuld an der verkorksten Veranstaltung zu, weil dieser sehr selbstbewusst das Mitspracherecht der Kommune reklamiert und zur Überraschung der anderen Teilnehmer neue, eigene Vorstellungen formuliert hatte.

Inzwischen haben sich angeblich auf beiden Seiten die Wogen geglättet. Die Initiative hat Lüpertz bzw. seinem Galeristen bereits einen schriftlichen Auftrag für acht Fenster erteilt. Einen Vertrag gibt es aber noch nicht, wie auf Anfrage Christoph Gatz, einer der Mitinitiatoren aus der Gemeinde St. Elisabeth sagt. So lange der nicht vorliegt, seien die Kosten noch offen, so Gatz.

Ein Fenster für den Anfang
Grob geht man von einem mittleren fünfstelligen Betrag je Fenster aus. Weshalb auch Förch ankündigt: "Wir fangen mit einem Fenster an." Dass die Finanzierung ausschließlich über Spenden und privatem Geld erfolgen muss, stand von Anfang an fest: Die Kommune beteiligt sich nicht.

Wie schnell weitere Fenster realisiert werden, wird von der Spendenbereitschaft abhängen. Gatz geht davon aus, dass der Geldfluss steigt, wenn es die Entwürfe gibt und die Leute sehen, wofür sie spenden.

Allen, die schon vorher einen Eindruck von Lüpertz' Glasarbeiten haben wollen, empfehlen die Initiatoren einen Besuch der Andreas-Kapelle in Köln. Sie schwärmen geradezu von dem Fenster-Zyklus, die der Bildhauer zum Thema Schöpfung und Erlösung für das romanische Gotteshaus geschaffen hat.

Für St. Elisabeth wünschen sich die Auftraggeber Szenen aus dem Leben der Kirchenpatronin jenseits der althergebrachten Ikonographie. Eine fünfköpfige Gruppe aus der Elisabethen-Gemeinde, der mehrere Theologen angehören, hat ein Papier als Grundlage für einen von Lüpertz erwünschten Dialog erarbeitet und macht ihm Vorschläge, "an die er sich halten kann oder nicht" (Gatz).