Es ist eine merkwürdige Entdeckung, die Wolfgang Grader macht. Auf der Löwenbrücke, die der grüne Stadtrat häufig auf dem Weg zum Bahnhof überquert, sind seit längerer Zeit weiße Kabelbinder auf der vollen Länge des Geländers angebracht. Nachdem die Plastikbänder auf den ersten Blick keinen erkennbaren Nutzen haben, nutzt Grader in einer öffentlichen Stadtratssitzung die Gelegenheit, auf die Befestigungen aufmerksam zu machen.

Er fragt: "Sind das hier Aufhängevorrichtungen für die Werbung des nächsten Stadtmarketingevents? Ist es Mikrokunst im öffentlichen Raum oder eine Aufhängevorrichtung, damit die Brücke nicht in sich zusammenfällt?" Dass keiner der im ironischen Unterton formulierten Sätze zutrifft, am ehesten vielleicht noch der letzte, zeigt sich erst kurze Zeit später im Bausenat. Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung berichtet Baureferent Thomas Beese über den Stand eines Streits zwischen der Stadt und den Lichtplanern der Brücke und einer Firma, die die Beleuchtung montiert hat.

Die Kabelbinder sind dabei nur ein Hilfsmittel, das zur Beweissicherung dient. Man könnte auch sagen, sie bewahren ein Elend davor, endgültig das Zeitliche zu segnen.

Aber der Reihe nach: Wer den breiten Fußweg auf der Löwenbrücke benutzt, dem wird, wie Wolfgang Grader, erst einmal nichts auffallen. Erst der Blick auf die Außenseite des Geländers offenbart das Problem, um das es hier geht: Dort zieht sich ein schmutzig grauer Schlauch auf voller Länge die Brücke entlang. Die Kabelbinder halten das offensichtlich ausgeleierte Gebilde fest, damit es nicht noch weiter durchhängt und womöglich in die Regnitz fällt.


Von Abdeckplatten ummantelt

Es gibt Insider im Rathaus, die beim Anblick der Geländeraußenseite der Löwenbrücke einen dicken Hals bekommen. Seit der Abnahme der Brücke im Oktober 2011, also mittlerweile seit sechs Jahren, geht es zwischen der Stadt und den Lichtplanern, hin und her. Streitpunkt ist der durchhängende Schlauch, der ursprünglich ein von durchsichten Abdeckgläsern ummantelter Lichtkörper war. Doch weil der Kleber, der dieses Konstrukt zusammenhalten sollte, den rauen Bamberger Gegebenheiten offenbar nicht lange standhielt, wurde das Geländeraußenlicht der Löwenbrücke schnell zum Symbol der Vergänglichkeit.

"Es musste ja unbedingt schön sein", ärgert sich Peter Neller (CSU) über die selbstgesetzten Ansprüche, die durch eine nachhaltige Pannenkonstruktion nun konterkariert werden. Der CSU-Stadtrat würde rückblickend gerne auf die nächtliche Betonung der Geländerkonturen verzichten. Stellt man Nutzen und Kosten dieser Beleuchtung gegenüber, ist das Ergebnis ernüchternd. Denn das Licht, das "einen Haufen Geld" gekostet hat, hat nach einer Information aus dem Rathaus seit vier Jahren nicht mehr geleuchtet. "Und niemandem ist es aufgefallen", sagt Neller.

Jetzt ist guter Rat teuer. Die Stadt, die die Sanierung des Lichtspiels immerhin mit stolzen 36 000 Euro beziffert, besteht auf einer funktionstüchtigen Ausführung. Die beiden betroffenen Unternehmen bestreiten, einen Fehler gemacht zu haben. Ob es zu einem Vergleich kommt, wie er jetzt angeboten wurde? Das steht in den gewissermaßen ewig leuchtenden Sternen über der Brücke.

Kommentar des Autors:

Keine Kontrolle

Ein Licht, das schon nach wenigen Wochen für immer erlischt, ist ein teueres Leuchtfeuer, um nicht zu sagen ein Strohfeuer.

Es erinnert an die nie funktionstüchtigen Poller im Sand und die überflüssigen Aussichtsplattformen im Erbapark.

Für Beton, Stahl und Elektronik ist offenbar immer Geld da. Die öffentliche Hand lässt sich von findigen Geschäftsleuten Unsinn aufschwatzen, den kaum einer braucht, der in manchen Fällen Pannen geradezu heraufbeschwört.

Hier versagen Kontrolle und gesunder Menschenverstand. Welcher private Bauherr würde sich so einen Klotz ans Bein binden?

Selbst wenn die Konstruktionen funktionieren, fallen in wenigen Jahren doch hohe Unterhaltskosten an.