Linedance gilt bei vielen Menschen als klassischer Country-Tanzstil und scheint genauso zur Wildwestszene zu gehören wie Spucknapf und Lasso-Werfen. Den Mitgliedern der Bamberger Tanzgruppe "Peirons" war diese Zuordnung zu "einseitig", deshalb erweiterten sie ihr Repertoire. Wenn die 28 Mitglieder des Vereins in Reih und Glied Aufstellung nehmen, schallt statt klassischen amerikanischen Liedern schon mal das Programm der aktuellen Radiocharts durch den Raum.

Dann schwingen "Damen und Herren gehobenen Alters", wie es das Mitglied Klaus ausdrückt, fröhlich das Tanzbein zu "Counting Stars" von One Republic, genau wie zu Mambo- oder Rumbarhythmen.

Die Gründerin der Truppe, Karin Ronke, erklärt die Musikauswahl so: "Wenn mir ein Lied gut gefällt, übernehme ich das.
Da ist nicht die Frage, ob es ein Countrysong ist, sondern ob der Titel schön ist." Dabei orientiert sich die Hobby-Kursleiterin unter anderem an den internationalen "Linedance-Charts", die regelmäßig eine Top Ten der beliebtesten Choreografien herausbringt. In ihrer Auswahl ist die 57-Jährige allerdings "nicht fixiert auf diese Liste": Der Tanz zu dem Hit-Erfolg "Blurred Lines" von Robin Thicke hat ohne eine solche Platzierung "einfach gut gefallen" und wurde prompt in das Repertoire aufgenommen. Wegen dieser offenen Art der Musikauswahl wird der Stil der "Peirons" auch als "Modern Linedance" bezeichnet.

Nicht nur durch die Musikauswahl, sondern auch durch den Namen der Gruppe wollten sich die Bamberger Linedancer von den Countrytänzern absetzen. So entschieden sich die beiden Gründerinnen des Vereins Ruth und Karin für eine Kombination ihrer beiden Nachnamen - das Ergebnis: "Peirons - Linedance Bamberg".

Statt sich komplett von der anderen Szene zu trennen, soll "die Linedance-Gemeinschaft" laut Ronke lieber "eine Lösung für die Divergenz zwischen Country-Vertretern und Modern Linedancern finden", immerhin seien es am Ende die Gemeinsamkeiten, die verbinden. Eine solche Gemeinsamkeit ist der Tanz an sich, der sich aus etwa 100 Grundformen aufbaut.

Gemeinschaft im Vordergrund

Linedance ist in erster Linie ein Gruppentanz, der sich dadurch auszeichnet, dass alle Schritte durch den Einzelnen und ohne Partner ausgeführt werden. Dabei ergibt sich erst in der Summe der Tänzer das typische Bild synchroner Bewegungen, die auf Linien verlaufen.

Durch die Eigenständigkeit der einzelnen Gruppenmitglieder eignet sich Linedance auch für Sportbegeisterte ohne Tanzpartner. So wie die 52-jährige Kristine schon seit knapp drei Jahren mit dabei ist, weil sie "einen Mann hat, der nicht gerne tanzt".

Letztendlich kommen aber die einzeln getanzten Elemente zu einem Gesamtwerk zusammen, man will schließlich "gemeinsam tanzen", wie Kursleiterin Karin Ronke betont. Dieser "Teamgeist" ist den Mitgliedern der Gruppe besonders wichtig. Klaus meint: "Es ist ein gutes Gefühl, wenn man von den anderen mitgetragen wird."

Da ist es für den 57-Jährigen auch nicht weiter schlimm, dass er der "Hahn im Korb", wie ihn seine Kolleginnen durchaus liebevoll nennen, ist. Im Gegenteil, durch das "kollegiale Miteinander" hat der einzige Mann der Gruppe "keine Berührungsängste unter den Damen". Dennoch merken die Frauen an, dass sie sich über männliche Verstärkung in ihren Reihen freuen würden.

Tanz überwindet Grenzen

Die Tänzer wünschen sich aber auch, dass ihr Sport generell bekannter wird: Bei einem Besuch in Großbritannien konnten sich die "Peirons" schon selbst davon überzeugen, wie groß und anerkannt die englische Tanzszene ist. Besonders beeindruckend war für die Bamberger damals, dass sie teilweise dieselben Tänze wie das internationale Publikum beherrschten und so gemeinsam mit Fremden tanzen konnten.

Ein Grund dafür ist unter anderem, dass die oberfränkische Gruppe mit englischen Kommandos arbeitet. Immer in Achter-Schritten setzt sich aus diesen Kommandos, die mithilfe von Bögen erlernt werden, der Tanz zusammen.

Diese in den Formularen aufgeführten Schritte werden zunächst "trocken", also ohne Musik, geübt. Danach sitzen sie meist aus dem Effeff und sind immer abrufbar. Denn anders als beim Squaredance werden beim eigentlichen Tanzen keine Kommandos mehr gegeben. Ziel des Kurses ist es, auf diese Weise zwei neue Tänze pro Monat zu erlernen.

Dafür ist laut der Teamleiterin durchaus "ein bisschen Heimarbeit erforderlich". Die Mitglieder sehen diese "Hausaufgaben" allerdings durchaus positiv: "Man tut etwas für Körper und Geist", meint die 60-jährige Ulli.

Ein schweißtreibendes Hobby

Neben der erforderlichen Konzentration ist Linedance nämlich letztendlich eine Sportart. "Wir schwitzen immer ganz schön. Und haben alle mittlerweile ganz schöne Oberschenkelmuskeln", erzählt Ronke schmunzelnd. Worauf Klaus lachend ergänzt, dass Tanzen "eine der besten Übungen gegen das Altern" ist.

Auch junge Verstärkung für das Team würde die Tänzer freuen, da laut Trainerin Karin Ronke "Jüngere die sportlichen Anforderungen besser umsetzen können". Trotz durchaus schweißtreibender, sportlicher Betätigung nehmen die "Peirons" allerdings nicht an Wettbewerben teil - der Spaß steht für die Hobbytänzer im Vordergrund. Karin Ronke verspricht sogar: "Wer einmal Blut geleckt hat, hört nicht mehr auf!"

Bei den "Peirons" handelt es sich um eine eigenständige Ortsgruppe des Rohrbacher Linedance-Vereins "Cookie and the crumbs". Bis zum 7. Januar 2014 können Anmeldungen für die Kurse der "Peirons" auf der Homepage getätigt werden. Für alle Mitglieder wird ein Versicherungsbetrag von 25 Euro fällig.