Wo die Liebe hinfällt, kann man sich nicht aussuchen. Und doch ist das unter den Bamberger Gärtnern im 19. Jahrhundert Pflicht: "Es gab einen geschlossenen Heiratszirkel", erzählt Hubertus Habel, Direktor des Gärtner- und Häckermuseums.

Das bedeutet: Die Bamberger Gärtner müssen nicht nur untereinander heiraten, sie müssen sogar innerhalb ihres Gebiets bleiben. "Wenn einer der unteren Gärtner ein Mädel der oberen Gärtner heiraten wollte oder andersherum, gab es für den jungen Mann schon mal Prügel von den Verwandten seiner Herzdame." Sie wollen ihre wertvollen Grundstücke in der Familie halten - und keiner auch nur einen Teil seines Grunds durch die damals geltende Erbregelung an einen Gärtner aus "feindlichem Gebiet" verlieren.

Doch wie kommt es zu diesen Grenzen innerhalb einer Berufsgruppe? Die es noch dazu nicht von jeher gibt? "Seit dem 17. Jahrhundert sind die Gärtner nachweisbar immer gemeinsam für ihre Interessen eingetreten", weiß der Experte. Zuerst organisieren sie sich in einer Zunft, ein Teil der Gärtner wird entsprechend der geografischen Lage seiner Grundstücke an der Regnitz als Untere Gärtnerei bezeichnet und gehört zu dem Gebiet, das dem bischöflichen Stadtherrn unterstellt ist. Die sogenannte Obere Gärtnerei gehört geografisch und rechtlich zur Immunität St. Gangolf mit eigener Pfarrei und Gericht und liegt damit außerhalb des Zugriffs des Bischofs. Die Grenze zwischen der oberen und unteren Gärtnerstadt bilden Tränkgasse, Letzengasse, Spitalstraße und Klosterstraße.

Als die Zünfte als Organisationsform aussterben, gründen die Gärtner am 11. Mai 1863 den Gärtnerverein. "Zweck war einerseits die Ausbildung junger Gärtner und andererseits, die religiösen Bräuche und Traditionen hochzuhalten", weiß Hubertus Habel. Zunächst habe das Miteinander gut funktioniert, doch nach 15 Jahren ist Schluss mit der Freundschaft: "Der Konkurrenzdruck wuchs, als zur Blütezeit der Gärtnerkultur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts knapp 390 Betriebe in einem Gebiet von 1,5 Quadratkilometern um ihr Auskommen wirtschaften mussten."

Da erinnern sich die Gärtner der Unteren Gärtnerei, dass Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts ihr Gebiet zugunsten des Bereichs der Oberen Gärtnerei verkleinert worden war, was ihrem Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, Aufschwung gibt.

Es brodelt gewaltig in der Gartenstadt, 1887 läuft das Fass über: "Vereinbart war, dass die Residenz des Gärtnervereins alle fünf Jahre zwischen dem Stammlokal der Oberen Gärtnerei in der Brauerei Mohrenpeter und dem der Unteren in der Brauerei Großkopf wechselt", berichtet der Stadtkenner. "Nachdem sich die oberen Gärtner weigerten, diesen Turnus einzuhalten, spaltete sich der Verein und am 3. März 1887 wurde der Untere Gärtnerverein gegründet."


Getrennte Wege

Die Obere Gärtnerei sieht sich als Rechtsnachfolger des gemeinsamen Gärtnervereins und übernimmt die bis dahin gemeinsame Schutzpatronin, die heilige Maria Magdalena. Schutzpatron der Unteren Gärtnerei wird der heilige Sebastian. Die Vereine treten von nun an getrennt auf, persönliche Bindungen sind ausdrücklich unerwünscht. "Man gönnte dem Nachbarn das Schwarze unter den Fingernägeln nicht", beschreibt Hubertus Habel. Aber Liebe kennt keine Vereinsgrenzen.

"Einmal schickte ein junger Gärtner aus dem Unteren Gärtnerverein einen Postillon d'Amour mit einem Strauß zu einem Mädchen aus dem Oberen Gärtnerverein", erzählt der Stadtkenner. "Der Vater des Mädchens war natürlich gegen diese Verbindung, passte den Boten ab, wickelte die Blumen aus und stattdessen Brennnesseln ins Papier."

Das junge Mädchen sei darüber zuerst konsterniert gewesen, doch sie sei ihrem Herzen gefolgt und habe den jungen Mann allen Widrigkeiten zum Trotz erhört! Ein glücklicher Ausgang, der sich auf die Gärtner übertragen lässt: Heute sind die Streitigkeiten längst vergessen. Beide Gärtnervereine arbeiten Hand in Hand.

Türen in die Bamberger Geschichte öffnen wir dieses Jahr mit unserem Adventskalender im FT. Die einzelnen Folgen entstammen dem Buch "Was Bamberg prägte", das im Verlag Bast Medien in Kooperation mit dem Fränkischen Tag erschienen ist. Es hat 192 Seiten, kostet 14,90 Euro (ISBN: 978-3-946581-21-5) und ist erhältlich in der Geschäftsstelle des FT, in Buchhandlungen und online unter www.bast-medien.de. Am 15. Dezember um 18 Uhr laden wir zur Buchvorstellung mit Eva-Maria Bast ins Verlagsgebäude, Gutenbergstraße 1, Bamberg, ein. red