Nicht nur für Kinder sind Büchereien und Bibliotheken ein Sehnsuchtsort. Massen von Lesematerial, Bilderbücher, Filme und Spiele - gerade die Stadt- und Gemeindebüchereien bieten hier mittlerweile so einiges. Für Unverständnis sorgt daher die aktuelle Schließung aufgrund der Corona-Regelungen. Vor allem, dass zuletzt auch kein "Click & Collect", also das Abholen zuvor bestellter Medien, erlaubt war. Doch zumindest diesbezüglich gibt es nun frohe Kunde aus dem Landtag: "Click & collect ist jetzt auch wieder in Büchereien möglich", teilte MdL Holger Dremel (CSU) am Mittwoch aus München mit. Immerhin waren von der aktuellen Situation alle 1767 Büchereien in ganz Bayern betroffen.

"Büchereien und Bibliotheken sind Bildungsorte und momentan wichtiger denn je. Wer sich Bücher, Hörspiele, DVDs, Zeitschriften und Spiele ausleiht, kann die langweilige und zermürbende Zeit zu Hause viel besser überbrücken." Melanie Schmitt von der Stadtbücherei Baunach ist alles andere als glücklich über die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung, die Bibliotheken und Büchereien seit Mitte Dezember komplett geschlossen zu halten. "Jeden Tag rufen uns verzweifelte Eltern an, weil sie gerne ihre Kinder sinnvoll beschäftigen möchten - anstatt sie nur vor den Fernseher oder Computer zu setzen. Besonders für Familien und sozial schwächere Bürger sind Büchereien jetzt unbedingt notwendig, denn Bücher - vor allem Bilderbücher - sind nicht günstig. Bildung und sinnvolle Beschäftigung während der Pandemie muss weiterhin für jeden möglich sein und darf keine Frage der finanziellen Möglichkeiten werden."

Bücherschrank als Alternative

Diese Argumente sind nicht nur aus Baunach zu hören. Gerade die bis vor kurzem noch nicht erlaubte Abholung bestellter Medien war in vielen Büchereien Thema. "Auch wir werden Click & Collect sofort wieder anbieten", heißt es vonseiten der Stadtbücherei St. Kilian aus Hallstadt. Als kleine Alternative gab bzw. gibt es hier immerhin den Bücherschrank im Stadtpark.

Auch im benachbarten Breitengüßbach existiert ein solcher, er steht momentan in Unteroberndorf. Viele Büchereien sind zudem bei der Onleihe mit dabei, ermöglichen also das Ausleihen von Medien digital, zum Beispiel für E-Book-Reader. Gerade bei Kinderliteratur und Bilderbüchern ist das aber schwierig.

"Click & Collect sollte dringend auch für städtische Büchereien möglich sein. Es gibt keine einsehbare Logik, warum dies bei gewerblichen Buchhandlungen möglich ist, aber für städtische Büchereien nicht. Gerade in der Zeit des Lockdowns haben immer mehr Familien und insbesondere Kinder die Freude am Lesen wiederentdeckt. Das ist sehr positiv und sollte unterstützt anstatt ausgebremst werden." Auch Baunachs Bürgermeister Tobias Roppelt unterstützt die Bestrebungen der städtischen Bücherei, schnellstmöglich wieder zu öffnen beziehungsweise ein Alternativangebot machen zu können.

Konzepte dafür wurden bereits im Rahmen des ersten Lockdowns entwickelt und hinterher verfeinert. Wie genau das ablaufen könnte, erklärt Melanie Schmitt: "Das Hygienekonzept der Stadtbücherei Baunach ist komplett kontaktfrei. Im Onlinekatalog werden die Medien ausgewählt und vorbestellt. Die hauptamtlichen Büchereimitarbeiterinnen bearbeiten die Bestellung und suchen alles aus den Regalen heraus. Am nächsten Ausleihtag können die Medien abgeholt werden. Der große Hof des Bürgerhauses eignet sich hervorragend als Eingangsbereich, jeder kann sich im Abstand von zwei Metern an den Markierungen anstellen. Im großen Foyer im Innenbereich stehen dann Tische mit Kisten. Die Kartons wurden mit der jeweiligen Lesernummer beschriftet und mit der Bestellung bestückt. Ein gesonderter Tisch steht für die Rückgabe bereit. Jeder Leser tritt nun einzeln in das Foyer, tätigt seine Rückgabe, begibt sich anschließend zu seiner Kiste und nimmt die Bestellung heraus. Der Ausgang zur Brauereigasse rundet das Einbahnstraßensystem ab. Das strengstens auf die AHA-Regeln geachtet wird, ist selbstverständlich. Daher beobachtet eine Mitarbeiterin während der Ausleihe von der Galerie das Geschehen und greift, falls notwendig, ein."

Fantasie und Kreativität fördern

Die Büchereien sind also vorbereitet. Damit auch wieder eine Ausleihe möglich wurde, schaltete man auch den Landtagsabgeordneten Holger Dremel ein. Dremel äußert sich auf Nachfrage zur aktuellen Situation: "Mir ist bewusst, dass gerade in der letzten Zeit immer mehr Familien und vor allem Kinder wieder mehr lesen. Dies muss unbedingt unterstützt werden, da Kinder dadurch in ihrer Fantasie und Kreativität gefördert werden und Lesen nachweislich den Wortschatz vergrößert. Und gerade unsere Büchereien mit ihren vielen Ehrenamtlichen leisten hier einen enormen Bildungsbeitrag. Sicherlich sind für den Einzelnen die einschneidenden Maßnahmen schwer nachvollziehbar, sie sollen jedoch der Eindämmung der Corona-Pandemie, insbesondere dem Schutz von Leben und Gesundheit und der Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems dienen."

Großer Vertrauensvorschuss

Erleichtert über die nun wieder mögliche kontaktlose Ausleihe zeigt man sich auch bei der Stadtbücherei Bamberg. "Die Logistik, die dahinter steckt, macht uns viel Arbeit. Aber wir sind überglücklich, dass wir das den Menschen wieder anbieten dürfen. Und wir haben hier fertige Konzepte, um das sofort umzusetzen.Und es ist ein unheimlicher Bedarf da", berichtet Büchereileiterin Christiane Weiß. Die Erlaubnis für "Click & Collect" sei mit einem großen Vertrauensvorschuss verbunden: "Wir werden ihn erfüllen!" Hier handele es sich um einen Dienst am Menschen - gerade für Alleinstehende und für die Familien. Weiß abschließend: "Wir sind dankbar, dass wir wieder dürfen." (Infos zu Click & Collect in der Stadtbücherei Bamberg auf: https://stadtbuecherei-bamberg.de/2021/01/21/library-to-go-abholservice/)

Bücher und der Zugang zu Bildung sollten nicht hintenanstehen müssen - und so forderte auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick noch am Montag Änderungen - und unterstützt die Aktion "Click & Collect" des St. Michaelsbundes, der viele öffentliche Büchereien in Bayern berät.