Die Frage, ob 600 Meter asphaltierter Wirtschaftsweg bei Kreuzschuh 3,0 oder 3,5 Meter breiter werden sollen, beschäftigte den Stegauracher Gemeinderat mehr als eine Stunde lang. Am Ende standen zwei Abstimmungen. Unklar ist aber, ob die Beschlüsse - und wenn ja, welche - Auswirkungen auf die Flurbereinigung in und um Kreuzschuh haben werden.

Der umstrittene Weg ist Teil eines geplanten Ringes von etwa viereinhalb Kilometern Wirtschaftswegen rund um den Ort. Große landwirtschaftliche Fahrzeuge, die dadurch aus Kreuzschuh selbst ferngehalten werden, wie Michael Ullwer vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) ausführte. Die Teilnehmer der Flurbereinigung haben das geplante neue Wegenetz über fast fünf Jahre hinweg in 15 öffentlichen Vorstandssitzungen und in Abstimmung mit 40 Behörden entwickelt und ein entsprechendes Planfeststellungsverfahren erfolgreich durchgeführt, so Ullwer weiter.

Bei der abschließenden Anhörung im August versagte nun Bürgermeister Stengel (CSU) als Vertreter der Gemeinde dem Vorhaben die Zustimmung. Nach eigenen Bekunden habe er eine Forderung des Vertreters Landwirtschaftsamtes (AELF) aufgegriffen, der für Wegbreiten von 3,50 Meter plädiert hatte. Stengels Hintergedanke: Nach Abschluss der Flurbereinigung und Dorferneuerung soll die Gemeinde die öffentlichen Wege übernehmen. Da sie auch für deren Unterhalt aufkommen muss, fürchtet Stengel erhöhte Folgekosten für die Gemeinde, wenn die Wege nur drei Meter breit sind. Bei einem einen halben Meter breiteren Weg würden die schweren Fahrzeuge seltener über die Ränder fahren und dadurch weniger Abbruchschäden verursachen - wodurch der Gemeinde weniger Kosten entstünden. Deshalb habe er der vorgelegten Planung nicht zugestimmt und wolle nun erst einmal die Meinung des Gemeinderates einholen, sagte Stengel.

ALE-Planer Ullwer erläuterte noch einmal das Verfahren. Zum einen habe sich die Teilnehmergemeinschaft (TG) für eine Wegbreite von drei Metern entschieden, weil ein 3,50-Meter-Ausbau den vorgegeben Kostenrahmen sprengen würde. Zum anderen sei es ein Kompromiss mit dem Naturschutz, um die Flächenversiegelung möglichst gering zu halten. Drei Meter Breite entsprächen auch den gesetzlichen Vorgaben. Es habe darüber schon vor dem abschließenden Anhörungstermin im August einen breiten Konsens und keine weiteren Einwände gegeben.

Stengel betonte erneut, er habe der vorgelegten Planung angesichts der drohenden Unterhaltskosten nicht zustimmen können - zumindest nicht ohne einen entsprechenden Beschluss des Gemeinderats, "damit sich keiner später über hohe Unterhaltskosten beschweren kann". Die Mehrkosten für einen breiteren Ausbau müsse möglicherweise die Gemeinde übernehmen, sagte Stengel auf Nachfrage von Thilo Wagner (FL-ÜWG). Es gehe aber nur um 200 Meter.

Daraufhin entspann sich eine ausführliche Diskussion im Gremium, obwohl Bernd Fricke (Grüne) dafür plädierte, der Planung sofort zuzustimmen. Schließlich hätten hier Fachleute und ehrenamtlich Engagierte über Jahre hinweg einen Kompromiss erarbeitet "und am Schluss kommt der Bürgermeister und will alles umwerfen". Verständnis für die Bedenken des Bürgermeisters äußerten Matthäus Metzner und Werner Waßmann (beide FL-ÜWG). Günther Litzlfelder (CSU) sah zwar die Entscheidung eines demokratischen Gremiums, hielt aber drei Meter Breite ebenfalls für "heutzutage nicht mehr angebracht". Das ALE würde der technischen Entwicklung in der Landwirtschaft zehn Jahre hinterherhinken.

Wagner und Heinrich Schubert (BNL) wollten vom ALE-Vertreter wissen, ob es Erfahrungswerte über die unterschiedliche Haltbarkeit von Wegen mit drei Meter und 3,50 Meter Breite gebe. Laut Ullwer sind 3,50 Meter nach einer bundesweiten Richtlinie nur bei "intensiver Nutzung" vorgegeben. Schubert merkte dazu an: "Wenn einer in der Mitte fährt, sind auch drei Meter kein Problem. Wenn er ausweichen muss, fährt er auch bei 3,50 in den Schotter. Es bringt also nicht viel."

Manfred Hofmann (CSU) aus Kreuzschuh betonte, die TG habe vor allem die Kosten im Auge behalten müssen. Ewald Burkhard (FL-ÜWG), ebenfalls aus Kreuzschuh, meinte, er habe erst jetzt erfahren, dass es nur um 200 Meter gehe. Wenn die Gemeinde die Mehrkosten übernehme, sei das für die TG okay. Ullwer erklärte, dass es nicht um 200, sondern um 605 Meter gehe. Er führte auch aus, dass im Falle einer Verbreiterung das ganze Anhörungsverfahren neu aufgelegt werden müsse. Dies könne den im kommenden Frühjahr geplanten Baubeginn um ein Jahr verzögern und auch zum Wegfall von Fördergeldern führen.

Letzteres bewog Burkhard und Hofmann schließlich dazu, den Beschlussvorschlag, der sich für einen 3,50-Meter-Ausbau aussprach, nicht mitzutragen. Damit wurde dieses Anliegen des Bürgermeisters mit 7:8 Stimmen abgelehnt. Offen ist nun noch, ob die Gemeinde die Wege nach Abschluss der Flurbereinigung übernehmen will. Ein Antrag der Grünen, der vorgelegten Planung und einer späteren Übernahme zuzustimmen, wurde ebenfalls abgelehnt (6:9 Stimmen). Laut Ullwer müsste in dem Fall, dass die Gemeinde die Wege nicht übernimmt, die TG auch nach Abschluss der Flurbereinigung bestehen bleiben und als Besitzer fungieren. Für den Unterhalt sei aber entsprechend der Ausbauqualität dennoch die Gemeinde verantwortlich.