Landkreis Bamberg
Unklarheit und Verwirrung

Chaos-Kommunikation: Corona-Tests plötzlich kostenpflichtig - lokale Teststelle zieht Reißleine

Die Einführung kostenpflichtiger Corona-Tests hat viele Teststellen in Franken überrascht. Wegen unklarer Bedingungen hat ein Testzentrum im Kreis Bamberg bis auf Weiteres geschlossen.
Corona-Tests plötzlich kostenpflichtig: Fränkische Teststellen werden von Neuerung teils überrascht
Weil bis Mitte der Woche nicht klar war, ob die Corona-Schnelltests vom Bund über Juni hinaus finanziert werden, ist das Testzentrum in Scheßlitz (Kreis Bamberg) vorübergehend geschlossen. Foto: Matthias Hoch / Fränkischer Tag (Archivbild)
  • Neuregelung bei Corona-Tests: Drei Euro Zuzahlung bei Bürgertests seit Donnerstag (30. Juni 2022)
  • Viele Corona-Bürgertestzentren in Bayern wurden von kurzfristiger Änderung überrascht
  • Wegen Ungewissheit: Testzentrum im Kreis Bamberg bis auf Weiteres geschlossen

Seit Donnerstag (30. Juni 2022) wird bei einem Corona-Bürgertest in Deutschland in den meisten Fällen ein Eigenanteil von drei Euro fällig. Der Bund erstattet den Zentren einen Großteil der Kosten. Nachdem jedoch alle Bundesländer die Co-Finanzierung abgelehnt hatten, sind die Tests nun nicht mehr generell kostenlos. Aufseiten der Teststellen-Betreiber sorgt die Änderung der Verordnung teils für Verwirrung.

Kostenpflichtige Corona-Tests: Testzentrum im Kreis Bamberg wegen Ungewissheit vorerst geschlossen

Aufgrund von Ungewissheit bei der Finanzierung zogen Teststellen mancherorts sogar kurzfristig die Reißleine. 

So ist das Testzentrum Scheßlitz (Landkreis Bamberg) etwa bis auf Weiteres geschlossen. Der Grund: "Weil bis Mitte dieser Woche nicht klar war, ob die Corona-Schnelltests vom Bund über den Monat Juni hinaus finanziert werden, muss die Gemeinnützige Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg (GKG) den Betrieb der Teststation in Scheßlitz vorübergehend aussetzen", heißt es vonseiten der Betreiber. 

Aufgrund der "lang unklaren Situation" hätten sich Mitarbeiter anders orientiert oder seien an anderer Stelle eingeplant worden. Die Betreiber des Testzentrums sähen einer schnellen Wiedereröffnung entgegen und arbeiteten "mit Hochdruck" daran, die Teststelle personell wieder besetzen zu können. "Wir werden umgehend kommunizieren, sobald die Reaktivierung der Abstrichstelle erfolgt und entsprechende Testungen wieder durchgeführt werden", betont die Geschäftsführung der GKG Bamberg.

Bayerisches Gesundheitsministerium bemängelt: "Verordnung erst in allerletzter Minute veröffentlicht"

Seit Donnerstag (30. Juni) gilt die neue Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, der entsprechend die sogenannten "Bürgertests" an Teststellen und in Apotheken nur noch für bestimmte Personengruppen frei verfügbar sind.

Für viele Corona-Bürgertestzentren in Bayern kam das überraschend - sie wussten offenbar nichts von den neuen Finanzierungsregeln.

"Es ist nicht auszuschließen, dass aufgrund der kurzfristigen Veröffentlichung durch den Bund Teststationen nicht wussten, dass bereits ab heute Änderungen in der Testverordnung in Kraft getreten sind", sagte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums am Donnerstag auf Anfrage in München. "Dass der Bund die neue Verordnung trotz eindringlicher Mahnungen der Länder erst in allerletzter Minute veröffentlicht und somit bis zum Schluss die Detailregelungen offen lässt, ist inakzeptabel".

Änderung bei Corona-Bürgertests: BRK fordert Kostenübernahme durch den Freistaat

"Wir Länder hatten und haben damit kaum Puffer, die neuen Regelungen angemessen umzusetzen und den Bürgerinnen und Bürgern verständlich zu kommunizieren", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

Das Bayerische Rote Kreuz forderte deshalb umgehend die Übernahme der Drei-Euro-Kostenbeteiligung für Corona-Bürgertests durch den Freistaat. "Wir erwarten, dass Bayern die Eigenbeteiligung übernimmt", sagte Sohrab Taheri, Sprecher des Bayerischen Roten Kreuz der Deutschen Presse-Agentur in München. Die Verantwortung für die vollkommen unzureichende neue Testverordnung liege zwar beim Bund, es sei aber nun an Bayern gelegen, hier schnell zu handeln.

Dem pflichten die Grünen bei. "Die kostenlosen Bürgertests sind für mich ein ganz entscheidendes Werkzeug, um die Pandemie zu kontrollieren", sagte Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen am Freitag in München. Sie sei davon überzeugt, dass flächendeckende Tests überall kostenlos zur Verfügung stehen müssten. Daher müsse die Staatsregierung für kostenlose Bürgertests in Bayern sorgen und die Nachweispflichten beenden.

Taheri: "Diese Hürden werden wir noch schmerzlich bereuen"

"Die neue Testverordnung ist eher eine Testverhinderungsverordnung", betonte BRK-Sprecher Taheri. Die Regelungen seien derart unverständlich und würden solch hohe Hürden aufbauen, dass sich nun noch weniger Menschen testen ließen als bisher. "Diese Hürden werden wir noch schmerzlich bereuen." Zugleich werde über die Eigenbeteiligung nun der Corona-Test zu einer sozialen Frage. Nicht jeder könne sich regelmäßige Tests leisten.

"Der Bund hat entschieden, diese Gebühr einzuführen und muss dazu auch stehen. Diese Kosten an die Länder abzuwälzen, wird der gesamtgesellschaftlichen Herausforderung durch die Pandemie nicht gerecht", betonte dagegen Holetschek. Er kündigte an, die seit diesem Donnerstag geltende neue Corona-Teststrategie bei der Sondersitzung der Gesundheitsminister (GMK) am Freitag thematisieren zu wollen.

"Wir Länder schultern bereits einen beträchtlichen Teil der finanziellen Last, die die Pandemie verursacht. Für Quarantäne und Isolation hat der Freistaat seit Beginn der Pandemie mehr als 200 Millionen Euro in die Hand genommen", sagte Holetschek. Allein in Bayern seien für die Tests in Schulen und Kitas rund 700 Millionen Euro ausgegeben worden. "Auch bei den Tests von Beschäftigten übernehmen wir Kosten. Dahingehend ist das Stimmungsbild unter den Ländern parteiübergreifend einhellig - aus gutem Grund."

Selbsttest zu Hause statt Besuch in der Teststelle?

Holetschek sprach sich erneut für eine möglichst bürgernahe Umsetzung der neuen Teststrategie mit so wenig Bürokratie wie möglich aus. Menschen mit Behinderung und pflegende Angehörige sollen auch weiterhin kostenlose Tests erhalten, brauchen aber einen Nachweis.

Allen Personen, die nun für einen Test drei Euro zahlen müssten, empfahl Holetschek die Nutzung der deutlich günstigeren Selbsttests. "Es geht ja vor allem um Menschen, die eine Veranstaltung im Innenraum besuchen möchten, die Kontakt haben zu Menschen mit hohem Risiko sowie Menschen, deren Warn-App ausschlägt. Da für diese Gruppen keine Testpflicht herrscht, sind Selbsttests eine gute Alternative. Sie sind schon ab unter einem Euro je Test erhältlich."

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