„Mit der hohen Standortzufriedenheit der Wirtschaft nimmt der Landkreis Bamberg erneut eine Spitzenposition in Deutschland ein.“ Das sei nach den Worten von Josef Rother von der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung mbH (GEFAK) das "sehr erfreuliche Ergebnis" der fünften Unternehmensbefragung des Fachbereiches Wirtschaftsförderung, so das Landratsamt Bamberg.

Die nicht anonymisierten Aussagen der Unternehmen zeigten auf, dass rund 70 Prozent der Befragten kurzfristig Arbeitskräftebedarf hätten. Jedes vierte Unternehmen habe angegeben, dass es Gewerbeflächen brauche.

Rund 90 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister waren der Einladung der Wirtschaftsförderung des Landkreises Bamberg zum 2. Wirtschaftsgipfel in den Kulturboden in Hallstadt gefolgt.

„Mit den Daten über fast zwei Jahrzehnte haben Sie beste Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Wirtschaftsförderung. Mit dieser Konsequenz werden in fast keiner Region die Bedarfe und Herausforderungen der Wirtschaft abgefragt“, stellte Josef Rother von der GEFAK, beim  2. Wirtschaftsgipfel in den Kulturboden in Hallstadt die Ergebnisse vor und analysierte vor allem sogenannte „Wachstumsschmerzen“ der Wirtschaft: fehlende Arbeitskräfte und Auszubildende, Breitband- und Mobilfunkversorgung und Gewerbeflächen. Herausforderungen also, die von vielen Beteiligten gemeinsam angegangen werden müssen.

Ein Rat Rothers: „Bringen Sie ,Pioniere‘, die sich in Zukunftsfeldern bereits engagieren, mit Unternehmen zusammen, die in der Umfrage angegeben haben, sich hier stärker engagieren zu wollen.“ Über 37 Prozent der insgesamt 1081 befragten Landkreisunternehmen hätten sich von Januar bis Ende März an der Umfrage beteiligt.

Die Unternehmerschaft zeige insgesamt eine hohe Gesamtzufriedenheit am Standort. Positiv bewerten die Unternehmen demnach insbesondere die überregionale und örtliche Straßenanbindung des Landkreises. Auch die vorhandene Lebensqualität sowie das Schulangebot und die Kinderbetreuungsangebote würden gut bewertet. Als größte Engpassfaktoren würden die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften, bezahlbarem Wohnraum und Gewerbeflächen genannt.

Das Ergebnis der Befragung zeige außerdem, dass die Wirtschaft im Landkreis bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen sei. Rund ein Drittel der Unternehmen gebe Verbesserungen bei der IT-Kompetenz der Mitarbeitenden, im Bereich Telearbeit und beim Datenschutz/IT-Sicherheit an. Die positive Stimmung spiegle sich auch in der Bereitschaft wider, neues Personal einzustellen (68 Prozent).

Zudem plane über die Hälfte der Unternehmen neue Dienstleistungen, Produkte und Prozesse einzuführen. Rund 47 Prozent wollen demzufolge ihren Standort modernisieren und in Instandsetzungen investieren. 

Die Unternehmensbefragung zeige aber auch, dass in Folge der Pandemie nahezu 90 Prozent der Betriebe mit gestiegenen Einkaufspreisen konfrontiert seien, rund zwei Drittel mit dem Ausfall von Mitarbeitenden zu kämpfen hätten und rund 65 Prozent logistische Engpässe verzeichnen würden.

Größte Herausforderungen für den Wirtschaftsraum in den kommenden Jahren stellen der Umfrage zufolge die hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen und -immobilien, über ein Viertel der befragten Betriebe habe hier Bedarf angegeben, sowie der hohe Arbeitskräftebedarf dar. Insgesamt sei ein deutlicher Rückgang bei den Auszubildenden zu verzeichnen, seit 2017 um fast 19 Prozent.

Besonders betroffen seien die Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten. Als Hauptgründe für die Stellenbesetzungsprobleme wurden demnach die mangelnde fachliche und persönliche Eignung der Bewerberinnen und Bewerber sowie die zu hohen Gehaltsvorstellungen und die unzureichende Bekanntheit des Berufsbildes genannt.

Über zwei Drittel der befragten Betriebe investieren laut Behörde bereits in Weiterbildungsmaßnahmen ihres Personals und beschäftigen bereits ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Fragen zu Maßnahmen zur betrieblichen Nachhaltigkeit zeige, dass dieses Thema bereits in vielen Betrieben Einzug gehalten habe.

Über 40 Prozent der Betriebe hätten bereits Maßnahmen zur eigenen Energieerzeugung ergriffen, rund ein Drittel hätten ihren Fuhrpark auf Elektromobilität umgestellt und über 45 % arbeiteten an der energetischen Optimierung.