Auch unter Bambergs Kreuzfahrtgruppen hat es sich schon herumgesprochen: Die Obere Brücke ist wieder offen. Doch das Vergnügen ist nicht ungetrübt: Während die Passanten die Brücke zurückerobern, mehren sich im Rathaus schon wieder die Sorgenfalten. Zum Beispiel in der "aktuellen Stunde" in der letzten Stadtratssitzung. Bürger-Block-Stadtrat Norbert Tscherner nutzte die Fragestunde, um eine Art Donnerwetter loszulassen. Der gelernte Tiefbauer, der schon die mangelnde Abdichtung des östlichen Brückenwiderlagers angeprangert hatte, kritisiert nun auch den Einbau der großen Gehwegplatten auf der Westseite der Brücke. Und auch Baureferent Thomas Beese scheint beim Thema Obere Brücke eher "wenig amüsiert": Er beschreibt das Verhältnis zum ausführenden Bauunternehmen als "spannungsgeladen".

Ortstermin am Freitag auf der domseitigen Auffahrt zum Brückenrathaus. Drei Arbeiter sind damit beschäftigt, den eisenbewehrten Betonbelag herauszubrechen, der unter dem zur Seite geräumten Pflastersteinen zum Vorschein kommt. Zwischen den zu verlegenden Granitplatten und einem dichten, offenbar unter starker Spannung stehendem Bündel von etwa 20 Leitungen und Rohren kommt nur eine hauchdünne Schicht von Beton. "Viel zu wenig, um zu verhindern dass die Rohre durch künftige Verkehrsbelastungen beschädigt werden", schimpft Stadtrat Tscherner.

Er sieht bereits den nächsten Bauskandal auf die Stadt zurollen. "Die Platten liegen teils direkt auf den Rohren auf. In kürzester Zeit werden die Rohre durch die Last vom Lieferverkehr und von Rettungswagen gequetscht und brüchig. Dann dringt Regenwasser in das Gewölbe und man hätte sich die Baumaßnahme ebenso gut sparen können", fürchtet Tscherner. Er fragt: "Wofür haben wir eigentlich ein Bauamt?"


Beese sieht kein Problem

Auf Nachfrage weist Baureferent Thomas Beese die Vorwürfe zurück. Von Pfusch könne keine Rede sein. Er spricht stattdessen von einem Kompromiss. Wegen der begrenzten maximalen Höhe des Aufbaus über den Leitungen könne man die Stärke der schützenden Betonschicht nicht beliebig vermehren. Aber Beese ist zuversichtlich, dass die Brücke und der neue Brückenbelag den auftretenden Belastungen standhalten werden. "Es handelt sich ja nicht um eine für den Straßenverkehr freigegebene Brücke." Auch eine Durchfeuchtung der westlichen Brückenbögen fürchtet der Baureferent nicht: Es gibt eine Flüssigabdichtung unter den Rohren.

Wie immer man die widerspüchlichen Einschätzungen bewertet - vom Glück verfolgt ist die Sanierung der Oberen Brücke bislang nicht. Nachdem die Stadtverwaltung noch im Fühling stark unter Druck gestanden war, weil sie vergessen hatte, Anwohner und Gewerbetreibende über die anstehende Baumaßnahme mit wochenlanger Vollsperrung zu informieren, sorgten während der Bauphase zuerst der Regen und dann der Mangel an Bauarbeitern für Verzögerungen und Schlagzeilen.

Wenn Baureferent Beese nun von einem "spannungsgeladenem Verhältnis zur Baufirma und von schwieriger Kommunikation" redet, dann spricht das Bände über die Risiken und Nebenwirkungen eines Projekts, das als Abdichtung einer Gewölbebrücke technisch nur geringe Anforderungen stellte.

Nicht ganz unbelastet ist nach den unliebsamen Erfahrungen mit der Löwen- und der Kettenbrücke die Frage nach den Kosten. Zwar bewegt sich die Obere Brücke mit der bisher bekannten Größenordnung von 500 000 Euro in einer anderen Kostenliga als die aus dem Ruder gelaufenen Neubauvorhaben. Dennoch wird man im Stadtrat auch hier genau hinsehen.


Mehrkosten für Bauzäune

Dass es Mehrkosten gibt, zeichnet sich immerhin bereits ab. Man müsse mit höheren Kosten als veranschlagt rechnen - für die verlängerte Abdichtung an der Obstmarkt-Seite, die wegen des Anliegerwunsches mehrfach erfolgte Freigabe des Durchgangs, für das vielfache Umsetzen der Bauzäune, schließlich für die vielfältigen Baustelleninformationen. "Da sich die Zahlen täglich ändern", will Beese aber keine genauen Angaben machen. Immerhin verfüge die Stadt über einen gewissen Spielraum, da die Ausschreibung ein günstigeres Ergebnis erbracht habe als der im Haushalt veranschlagte Posten.
Wann wird die Brücke fertig sein? Auch hier kann die Stadt derzeit nicht mit einem konkreten Termin aufwarten, abgesehen von dem absoluten Limit zum Start der Sandkerwa am 25. August. Nach der Plattenverlegung sind u.a. noch Abdichtungsarbeiten an den seitlichen Brüstungen zu erledigen. Außerdem muss das Stützgerüst unter dem östlichen Brückenbogen entfernt werden. Deshalb soll die Brücke am 4. und 5. August noch ein letztes Mal vollständig gesperrt werden.