Was hat ein Abendessen mit Wolfgang Metzner (SPD), dem Dritten Bürgermeister der Stadt Bamberg, mit einem Festival in der Lagarde-Kaserne zu tun? Erst mal wenig, könnte man meinen, doch geht es bei dem geplanten Festival um die Belebung der ehemaligen US-Kaserne an der Weißenburgstraße. Schon einmal hatte es im vergangenen Jahr ein Kulturereignis am Gate 1 gegeben. Dieses Mal soll es an einem anderen Teil, Ecke Zollnerstraße, in noch größeren Ausmaßen stattfinden.


Kosten: 100.000 Euro

Auf rund 15.000 Quadratmetern plant das 30-köpfige Team von "kontakt - Das Kulturfestival" ein viertägiges Festival, das Bamberger und Studenten, Familien und Nachtschwärmer, die Stadt mit der ehemaligen Kaserne zusammen bringen will.

Die gigantische Wiederbelebung des Gebiets vom 26. bis 29. Mai wird zwar ausschließlich ehrenamtlich organisiert, dennoch hat das Ganze seinen Preis: Kosten fallen für die Künstler, für Wasser und Strom an, denn die Ex-Kaserne ist von der zentralen Versorgung abgekoppelt. Insgesamt müssen die Macher rund 100.000 Euro in die Hand nehmen.

Und da kommt der Dritte Bürgermeister ins Spiel: Denn bei einer im Internet gestarteten Crowdfunding-Aktion wollen die Ehrenamtlichen bis zu 5000 Euro an Spenden sammeln. Als kleinen Anreiz gibt es das Abendessen mit Metzner (für schlappe 150 Euro kocht er bei sich zu Hause). Wer weniger Geld ausgeben will, der kann dennoch einen der Stadtoberen "buchen": Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) bietet sich bei einer Spende von 70 Euro als Stadtführer an.

Er unterstütze das Bemühen gerne, betont Bürgermeister Lange, der sich immer wieder am "Runden Tisch Kultur" der Stadt mit dem Kontakt-Team austauscht. Das zeigt: Die Kreativität der Organisatoren hat bereits in der Vergangenheit großen Anklang gefunden. So belebten die Macher das alte Hallenbad, die ehemalige Maisel-Brauerei und im vergangenen Jahr kamen an mehreren Tagen über 17.000 Besucher in die Lagarde-Kaserne. Für ihr Engagement haben die Initiatoren 2015 den mit 6000 Euro dotierten Kulturförderpreis der Stadt Bamberg erhalten. Der Kultursenat schraubte für das Festival außerdem die städtische Förderung auf 15.000 Euro hoch.


Kulturraum ermöglichen

Ein großes Team ist für das Festival nötig. Anja Lubosch, eine der Organisatorinnen, sagt: "Wir brauchen noch jede Menge Helfer!" Schon im Vorfeld hat das "kontakt"-Team einiges zu tun: Bauzäune werden aufgestellt, Löcher überbaut, Decken und Wände entfernt - das Festival könnte somit auf dem ehemaligen US-Gelände zeigen, wie ein Kulturquartier aussehen könnte.

Das Ziel des Projekts geht in diese Richtung: Bamberg durch innovative Kulturangebote zu beleben. Da es aus Sicht der Macher in der Domstadt keine Plattform und keine Räume für die alternative und freie Kunstszene gibt, wollen sie neue Möglichkeiten aufzeigen. Deshalb wandelt das Festival seit 2012 verschiedenste Leerstände in Kulturräume und Veranstaltungsflächen um.


Lagarde als Kulturquartier?

Das Interesse der Stadt ist vorhanden. "Es gibt Überlegungen, dass man dort ein Kulturquartier schafft", sagt Bürgermeister Lange. Dazu brauche es unter anderem tragfähige Betriebskonzepte. Anregungen könnte das Kontakt-Team liefern. Vielleicht wäre ein E-Werk, wie es in Erlangen erfolgreich betrieben wird, in einer der Hallen eine Option. Doch sind Fragen offen: Wann kommt die Stadt an das Gelände ran? Wie wird es gestaltet? Gerade auf der Lagarde prallen einige Interessen aufeinander: Es soll Platz für die Wirtschaft, aber auch Wohnraum geschaffen werden. Wie und ob ein Kulturquartier dazu passt, darüber müsse der Stadtrat diskutieren. Im Juni sollen dem Kultursenat Belebungsmöglichkeiten vorgestellt werden.


Idee "kontakt - Das Kulturfestival" ist eine Projektgruppe des Vereins AStA Bamberg. Das Team verfolgt seit mehr als zehn Jahren das Ziel, Kunst und Kultur einem breiten Publikum mitten in Bamberg anzubieten und damit einen Raum für Begegnung zu schaffen. Künstler aus den verschiedensten Bereichen haben die Möglichkeit, sich zu präsentieren und durch Ausstellungen, Lesungen, Theaterstücke und Konzerte das Festival zu formen. Wichtig ist den ehrenamtlichen Veranstaltern dabei, dass alle Programmpunkte des mehrtägigen Kulturfestivals kostenlos sind.

Termin Vom 26. bis 29. Mai finden Lesungen, Konzerte und Workshops in der Lagarde-Kaserne statt. Unter dem Motto "aufbrechen" soll es vor allem um Tanz, Theater und Perfomance gehen. Veranstaltungsort werden Gebäude und Freiflächen sein: Alte Schreinerei, Schlosserei und Klempnerei sowie Post- und Turnhalle. Mehr zum Programm und zum Helferplan. Im Vorfeld wird es am 7. Mai (13 Uhr, Gate 1, Weißenburgstraße) einen "Up-Cycling"-Tag geben. An diesem können Besucher das Festival-Gelände mitgestalten.

Spenden Mehr zum Crowdfunding (läuft bis zum 16. Mai)