Möglicherweise handele es sich um "eine irgendwann zugestandene Übergangslösung, die vielleicht in Vergessenheit geraten ist. Oder Gewohnheitsnutzung, geduldet - wie auch immer". Ganz genau weiß man es im städtischen Baureferat nicht mehr, was zu der ziemlich einmaligen Situation an der Kettenbrücke geführt hat. Deshalb klingt obiger Erklärungsversuch von Claus Reinhardt, dem Sprecher von Baureferent Thomas Beese, so vage.

Fest steht: Dort, wo die Hauptwachstraße auf die Kettenbrücke trifft und Lift und Treppe hinunter zum Kanal führen, gibt es ein gar nicht so kleines Stück öffentlichen Raums, das nur wenigen Menschen zugänglich ist. Die Fläche liegt hinter einem Tor und einer Art Kiosk, der einem nicht mehr bestehenden Bamberger Bus-Unternehmen einmal als Reisebüro diente. Das kaum einsehbare Gelände ist laut Reinhardt etwa doppelt so groß wie die öffentliche Verkehrsfläche und soll dieser in naher Zukunft wieder zugeschlagen werden.

Im Haushalt 2017 steht zunächst Geld für das Aufplanen der Fläche bereit. Die Untersuchungen sollen Aufschluss geben über die Kosten, die eine Umgestaltung des öffentlichen Raums an dieser prominenten Stelle mit sich bringen dürfte, sagt Reinhardt.

Es sei nicht mit dem Verlegen des aus der Fußgängerzone bekannte Pflasters getan. Vorher müsse die Stützmauer aus Sandstein hergerichtet werden. Dass sie zumindest in Teilen sanierungsbedürftig ist, sei den Fachleuten bekannt. Näheren Aufschluss über den Zustand der historischen Uferbefestigung, die an dieser Stelle noch aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert stammt und ein eingetragenes Baudenkmal ist, erwartet man von den bevorstehenden Untersuchungen.

Unabhängig davon, wann die Schmuddelecke an der Kettenbrücke tatsächlich bereinigt werden wird: Dem neuen Plätzchen hat man im Rathaus schon zwei Aufgaben zugedacht.

Zum Einen soll es Standort für ein Denkmal werden, das der Bamberger Bildhauer Robert Bauer-Haderlein 1955 für die Kettenbrücke geschaffen hat (siehe nebenstehenden Beitrag). Bis zum Bau der heutigen Brücke stand die Skulptur jenseits des Kanals, nahe dem sogenannten Hechtfischerhaus. Seit 2009/2010 lagert sie in einem städtischen Depot.

Zum Anderen möchte die Verwaltung an der Nahtstelle von Hauptwachstraße und Kettenbrücke etwas gegen den unbestrittenen Mangel an innerstädtischen Fahrradparkplätzen tun. Laut Claus Reinhardt sollen Stellplätze für Zweiräder aller Art geschaffen werden.

Auch wenn es noch Zukunftsmusik ist, wollten wir vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), Kreisverband Bamberg, wissen, wie er zu dieser Idee steht. Der Standort am Rand der Fußgängerzone sei grundsätzlich gut, antwortete Vorstandsmitglied Michael Schilling. Einschränkend gibt er zu bedenken: "Wenn das aber eine ,dunkle Ecke' wird, ist die Akzeptanz wegen Diebstahl- und Vandalismusgefahr sicher geringer als an öffentlich einsehbareren Plätzen."

Noch ein Aspekt sollte aus Sicht des ADFC bei den Planungen bedacht werden: Viele Radfahrer würden für schnelle Erledigungen lieber ihr Fahrrad direkt vor dem Laden, dem Marktstand oder dem Café parken. Zahlreiche dezentrale Fahrradparkplätze innerhalb der Fußgängerzone seien in jedem Fall unerlässlich.