Es ist wie immer in den letzten Jahren ein dickes Buch geworden, das neue Programm der Bamberger Symphoniker, reich dokumentiert und künstlerisch inhaltsschwer. Hält man den gewichtigen Band in Händen, so verbietet sich der Gedanke an Einschränkungen aufgrund viraler Umstände. Alles normal also? Nein, so ganz dann doch nicht, aber beim Termin mit Orchesterintendant Rudolf Marcus Axt zeigt sich, dass die Symphoniker mehr als nur einen Plan A haben, um ihr Publikum halbwegs ungeschoren durch pandemische Zeiten zu lotsen. Auffallend häufig ist im Gespräch von Treue die Rede, diesem so altmodisch wirkenden Begriff, dessen Wert jetzt aber aktueller denn je ist.

Wer oft genug mit den Bambergern in vollen Häusern gastiert hat, weiß, was ein Treueverhältnis ist, denn es beruht auf Langfristigkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen. Und so kommen sie alle wieder, die Stars der Branche, egal ob sie dirigieren, singen oder spielen. Nennen wir nur die Ehrendirigenten Herbert Blomstedt und Christoph Eschenbach, die Allroundkünstlerin Barbara Hannigan oder die Instrumentalisten Sol Gabetta (Violoncello), Gidon Kremer (Violine) sowie Mitsuko Uchida und Andras Schiff von der Pianistenzunft. Nicht zu vergessen die Porträtkünstlerin der Saison, Patricia Kopatschinskaja, eine vor allem der Moderne zugewandte Geigerin.

Treue Abonnentenschar

Treu scheint gemäß vieler Rückmeldungen auch die große Abonnentenschar zu sein, obwohl jedem klar sein muss, dass die restliche Saison und vielleicht auch der Beginn der nächsten nicht ohne gewisse Provisorien zu meistern ist (Besetzungsreduzierung, Terminverdoppelung plus Publikumsteilung o.ä.). Verloren geht nichts, verspricht der Intendant, aber manches wird halt nachgeholt oder leicht verändert angeboten. Der weltweit renommierte, Gustav Mahler gewidmete Dirigierwettbewerb im Juli soll übrigens unbedingt "gerettet" werden, denn aufgrund des Auswahlmodus und der prominenten Jurybesetzung ist eine Verschiebung kaum denkbar.

Als Motto prangt auf dem Programm-Cover die 75 als Jubiläumszahl, und dafür hat man sich auch ein besonderes Schmankerl ausgedacht. Das "Festliche Symphoniekonzert", mit dem am 20. März 1946 das "Bamberger Tonkünstlerorchester" sein Debüt gab, wird genau 75 Jahre später mit identischem Programm wiederholt! Allerdings nicht in Bambergs "großem Zentralsaal", wie es seinerzeit auf dem Programmzettel stand ...

Tanz als Schwerpunkt

Ein wichtiger Saisonschwerpunkt ist dem Tanz gewidmet, denn unter diesem Begriff - quasi ein Zweitmotto - finden sich zahlreiche symphonische Werke rubriziert, deren Entstehung sich der Tanzmusik verdankt, zumal der böhmischen. Unter den weiteren Formaten (wie "Club Symphony", "Jazz Symphony", Familienkonzerte oder die Auftritte an Silvester und zum Fasching) ragt ein sommerliches Ereignis besonders hervor: das als Geschenk an die Bamberger verstandene Open-Air-Konzert am 24. Juli mit Chefdirigent Jakub Hrusa. Es soll die Stadt flächendeckend an geeigneten Orten musikalisch erschließen und in einer Freiluft-Überraschung mit beliebten Klassiker-Highlights enden. Das Saisonprogramm erscheint demnächst, Frankens Klassikgemeinde darf sich darauf freuen - und ab 11. Mai fleißig buchen.