Diese Ordensschwestern stehen fest auf dem Boden der Jetztzeit. Sind im Jahr 2017 verankert ohne rückwärtsgewandte Frömmelei. Das wird schnell deutlich im Gespräch mit ihnen, so quicklebendig und kernig wirken sie im Montanahaus am Friedrichsbrunnen.

Zum Generalkapitel der Dillinger Franziskanerinnen sind die Schwestern Ann Marie Friedrichs, Paulit Kannampuzha, Mercy Elamkunnapazuha, Sueli Rubens Sendra und Flavia de Brito aus den USA, aus Indien und Brasilien nach Bamberg gereist. Allesamt Provinzoberinnen, durften die Ordensfrauen und etliche ihrer Mitschwestern bei diesem im sechsjährigen Turnus stattfindenden Ereignis nicht fehlen. Zumal Neuwahlen der Ordensleitung anstanden. Wiedergewählt wurde als Generaloberin Roswitha Heinrich aus der Provinz Maria Medingen, eine der drei deutschen Ordensprovinzen. Bamberg und Regens Wagner zählen dazu.

Für Schwester Roswitha ist also die zweite Amtszeit angebrochen, in der sie in schwieriger Zeit den 1241 in Dillingen an der Donau entstandenen Frauenorden im Geist des heiligen Franziskus von Assisi in die Zukunft führen will. 655 Schwestern gehören derzeit zu den sieben personell und finanziell selbständigen Provinzen. Novizinnen gibt es nur in Indien. Und der Altersdurchschnitt der deutschen und amerikanischen Dillinger Franziskanerinnen liegt bei über 70 Jahren. In Brasilien und Indien bei 65 und 46 Jahren. Doch die Generaloberin lässt sich nicht beirren: "Gott führt uns auch in dieser Zeit", betont sie und bekommt Rückendeckung von Schwester Sueli: "Wir verlieren die Hoffnung nicht, Gott begleitet uns jetzt seit über 700 Jahren, warum sollte er es nicht weitermachen?"


Auf einem Pulverfass

Und eine gehörige Portion Gottvertrauen brauchen gerade die Inderinnen und Brasilianerinnen angesichts der politischen Rücksichtslosigkeiten, denen Christen in ihren Ländern ausgesetzt sind. Die Franziskanerinnen im Norden Indiens leben auf einem Pulverfass, das jederzeit explodieren kann. Denn gewaltsame Konflikte zwischen Hindus, Muslimen und Christen machen ein unbeschwertes Wirken in ihren Schulen, Gesundheits- und Sozialstationen, Mädchenprojekten fast unmöglich.

"Christen werden diskriminiert, obwohl alle guten Institutionen von ihnen sind", berichtet Schwester Mercy. Die Regierung von Premierminister Narendra Modi vertrete eine Politik, in deren Zentrum der Hinduismus stehe. Mehr als 80 Prozent der indischen Milliardenbevölkerung seien Hindus. "Wir gehen mit jedem Menschen freundlich und höflich um, das entspricht unserem franziskanischen Geist", weist Schwester Mercy darauf hin, dass alle Ordenseinrichtungen offen sind für Menschen jeder Religion. So schätze die einfache Bevölkerung - gleich ob Hindu, Muslim oder Christ - den Einsatz der Schwestern gerade für die Armen. Und für Frauen: "Es ist gefährlich, in Indien Frauen durch Sozialarbeit zu fördern, wir werden deswegen bedroht, obwohl wir keinen Anlass geben!"

Und Brasilien? Dieses große lateinamerikanische Land, das gern als das katholischste der Welt bezeichnet wird? Die Schwestern Sueli und Flavia können darüber nur bitter lächeln. "90 Prozent Katholiken war einmal, jetzt sind evangelikale Sekten auf dem Vormarsch und verdrängen die katholische Kirche."

Zwar werde ihr Engagement für Arme und Entrechtete angesichts enormer sozialer Gegensätze weithin anerkannt. Doch die Regierung kümmere sich keinen Deut um die Proteste der Bischöfe gegen Korruption, Gewalt, hohe Arbeitslosigkeit. Der Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro mit Papst Franziskus "war ein wunderschönes Ereignis, hat aber nichts an der Lage in Brasilien geändert", beklagen die Ordensfrauen. Ihre Schulen und Kinderkrippen in den Favelas bekämen weiterhin keine Unterstützung durch die Regierung.

Paradiesisch mutet da an, was Schwester Ann Marie aus Amerika erzählt: "Die Politik ist offen für uns, wir werden unterstützt, akzeptiert und respektiert" - bei der Arbeit in Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen. Generaloberin Roswitha weiß, dass die Zukunft nur durch einen verstärkten Einsatz der Laien gemeistert werden kann. Dass das Wirken der Dillinger Franziskanerinnen in Indien und Brasilien auch von der Aufmerksamkeit in Deutschland abhängt. Von Spendenbereitschaft, Bewusstseinsbildung, von der Durchsetzungskraft des franziskanischen Charismas. "Frieden stiften, Gewaltlosigkeit, Einfachheit des Lebensstils, Schöpfungsverantwortung, Gerechtigkeit macht dieses Charisma aus", listet Schwester Roswitha auf. Die Bamberger Provinzoberin Martina Schmidt ergänzt um das Wörtchen "Mut"...


Neue Generalleitung

Das Generalkapitel der Dillinger Franziskanerinnen wählte während seiner Versammlung im Klemens-Fink-Zentrum am Babenbergerring eine neue Leitung für die kommenden sechs Jahre. Wiedergewählt wurde als Generaloberin Sr. Roswitha Heinrich aus der Provinz Maria Medingen. Generalvikarin wurde Sr. Elisabeth Schneider (Provinz Areia, Brasilien), sie stammt aus dem Erzbistum Bamberg. Generalrätinnen wurden: Sr. Paulit Kannampuzha (Provinz Indien), Sr. Friederike Müller (Provinz Bamberg) und Sr. Bernadette Gevich (Provinz Regens Wagner).