Zwei Jahre nach einem hart umkämpften Bürgerentscheid liegt das frühere Muna-Gelände weiterhin im Dornröschenschlaf. Dass hier kein Gewerbepark entstehen soll, hat im November 2018 eine deutliche Mehrheit der Bamberger entschieden. Dass stattdessen der Bannwald wachsen und ein neues Naturschutzgebiet entstehen sollen, hat der Stadtrat vor einem Jahr beschlossen. Und die Stadt hat vor und nach dem Bürgerentscheid immer wieder deutlich gemacht, dass sie das Gelände auch weiterhin kaufen und zum Teil entwickeln möchte - mit breiter Bürgerbeteiligung.

An diesen Absichten konnte auch die Corona-Pandemie nichts ändern. "Die Gespräche zum Erwerb eines Großteils des ehemaligen Muna-Areals zwischen Bima und Stadt wurden in 2020 fortgesetzt", sagt die städtische Pressesprecherin Judith Weingart. Und es hört sich so an, als ob die Verhandlungen kurz vor der Zielgeraden angekommen wären: Aktuell stelle die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima) alle für den Kaufvertrag relevanten Unterlagen, wie Leitungsnetze oder Altlastengutachten zusammen. "Im Falle der Muna sind dies relativ viele Unterlagen, was zum einen mit der Größe der Fläche und zum anderen mit der früheren, intensiven militärischen Nutzung zusammenhängt", erläutert Weingart.

Im nächsten Schritt folge die Übersendung eines Kaufvertragsentwurfes an die Stadt. Schließlich sollen die Inhalte endgültig ausverhandelt, ein Notartermin vereinbart und der Kaufvertrag in den zuständigen Stadtratsgremien beraten werden.

Es geht um 100 Hektar

Allerdings wurden vor kurzem wieder Gerüchte laut, wonach der Bund nun auch fürs Muna-Gelände Eigenbedarf angemeldet hat. "Der Bundesforst hat mitgeteilt, dass ein Teil des Geländes als Ausgleichsflächen für den bevorstehenden Bahnausbau benötigt wird. Es handelt sich vor allem um Flächen im südlichen Bereich", bestätigt Judith Weingart auf entsprechende Nachfrage. Ein Erwerb dieser Flächen wäre nach Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen dennoch möglich. Nach derzeitigem Kenntnisstand könne die Stadt Bamberg aktuell rund 100 Hektar kaufen. Und was würde das kosten? "Hierzu ist zwischen den Parteien Verschwiegenheit vereinbart", erklärt die Pressesprecherin.

Die Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" sieht keine Eile in Sachen Muna-Kauf. Allerdings beklagt sie Tatenlosigkeit und fordert "konkretes Handeln für einen ernst gemeinten Klimaneustart". Denn in den zwei Jahren seit dem Bürgerentscheid seien weder Maßnahmen zum Schutz der Natur ergriffen, noch mit den Bürgern Ideen für die Muna diskutiert worden. "Wir befürchten, dass die Stadt auf Zeit spielt und das Thema Schutz des Waldes auf dem Gebiet der Muna in Vergessenheit gerät", sagt Volker Braun von der Bürgerinitiative. Es sei an der Zeit, "dass endlich Taten folgen, um die grüne Lunge Bambergs zu erhalten".

Im September 2019 waren aus den Reihen der Bürgerinitiative Anträge auf Schutzgebiete zum Erhalt des Waldes "auf der Muna" gestellt worden. Es sollten bestimmte Flächen als Bannwald, als zusätzliches Naturschutzgebiet und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden - und dies unabhängig davon, wer Eigentümer ist. Im November 2019 wurden diese Anträge im Konversionssenat behandelt. Es folgte ein Beschluss, in dem eine Erweiterung von Naturschutzgebieten in Aussicht gestellt und eine Ausweisung von Bannwald empfohlen wurde.

Erfreut nahm die BI nach den Kommunalwahlen 2020 zur Kenntnis, dass in einem Kooperationspapier von Grünes Bamberg, ÖDP, Volt und SPD auch Bannwald, Landschafts- und Naturschutzgebiete auf dem Muna-Gelände eine Rolle spielten. Doch dann habe sich herausgestellt, "dass die Verwaltung der Stadt Bamberg bislang keine konkreten Schritte unternommen hatte, um die Unterschutzstellung der geforderten Flächen zu forcieren".

Mit Verweis auf den Stadtratsbeschluss zum "Klimaneustart" im Oktober merkt Astrid Kohl-Zahner für die Bürgerinitiative an: "Wenn es dem Bamberger Stadtrat und dem Oberbürgermeister wirklich ernst ist, für Bamberg den Klimaneustart anzugehen, dann ist es höchste Zeit, den Worten zur Unterschutzstellung wichtiger Natur- und Waldflächen im Hauptsmoorwald auch Taten folgen zu lassen."

Den Vorwurf der Tatenlosigkeit will die städtische Pressestelle aber nicht so stehen lassen: Die Stadtspitze habe sich bereits bei der zuständigen Regierung von Oberfranken für eine schnellstmögliche Ausweisung eines Naturschutzgebietes eingesetzt.