Der Unfall, der sich vergangene Woche an der Kreuzung Berliner Ring/Memmelsdorfer Straße ereignete, lenkt den Blick auf die Rotlicht-Blitzer im Stadtgebiet. Bei dem Zusammenstoß war einer der Unfallbeteiligten mit seinem Pkw gegen einen Masten gefahren, an dem einer von zwei verbliebenen stationär angebrachten Messgeräten angebracht ist.

Nun kam heraus: Das Gerät blitzt schon lange nicht mehr. Deshalb haben die Techniker der Stadtwerke, die den kaputten Pfosten nach dem Unfall austauschen mussten, den Starenkasten erst gar nicht mehr auf den neuen Pfosten gesetzt. "Das wäre ja albern", sagt Stadtwerke-Sprecher Jan Giersberg.

Was viele Verkehrsteilnehmer nicht wussten, höchstens ahnten: Seit fünf Jahren schon befand sich in dem alten Gehäuse kein Gerät mehr, das den unvernünftigen Autofahrer, der meint, noch bei Rot über die Ampel rasen zu müssen, blitzt.
Zu teuer ist das dem Freistaat Bayern, der für die Rotlicht-Überwachung zuständig ist.

Im Jahr 2010 hätte der Kasten von analoge auf digitale Technik umgestellt werden müssen. Mehrer tausend Euro hätte eine solche Umstellung gekostet, bestätigt Paul Freudensprung, Leiter der zuständigen Verkehrspolizei Bamberg.

Früher war es so, dass wöchentlich ein Beamter die Filme aus dem Kasten entnehmen musste. Die
neue Technik hätte zwar Arbeit erspart, doch datenschutzrechtlich müsse das alles streng überwacht werden, zusätzlich kämen im laufenden Betrieb hohe Kosten bei der Wartung zusammen. Das müssten Spezialisten übernehmen. Der Freistaat setzt in der Fläche daher nicht mehr auf stationäre Blitzer.


Blitzer an der Siechenkreuzung

Nur weil der Kasten leer war, konnten die Stadtwerke das Gerät einfach verschwinden lassen. Dabei war die Überwachung mal sehr gefragt: Die Kreuzung Memmelsdorfer Straße gilt als eine der meist befahrenen und gefährlichsten Kreuzungen im gesamten Stadtgebiet.

Deshalb habe man hier auch einen Rotlicht-Blitzer angebracht, heißt es bei der Polizei. Nun verbleibt nur noch das Exemplar an der Siechenkreuzung (Ottokirche). Doch auch dort gilt dasselbe: Der Kasten ist leer. Es blitzt schon lange nicht mehr.


Polizei kontrolliert mobil

"Die Geräte sind nur stehen geblieben, weil es einen bestimmten Aufwand erfordert hätte, sie abzubauen", erklärt Polizist Freudensprung.

Das bestätigt auch Claus Reinhardt, Sprecher des Baureferats. Zuständig für die Ampelanlagen ist grundsätzlich der Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt (EBB), der beim Baureferat angesiedelt ist. Man sei übereingekommen, dass, wenn etwas an der Ampelanlage zu reparieren sei, man auch den Blitzer endgültig einmotten würde.

Das sei eben jetzt am Berliner Ring geschehen. An der Siechenkreuzung bleibt der Starenkasten dagegen noch ein wenig stehen. Was manch ein Verkehrsteilnehmer nun gelassen hinnehmen wird, weiß er doch jetzt, dass das Gerät außer Betrieb ist.

Doch setzt die Polizei auch weiterhin auf die Überwachung an gefährlichen Kreuzungen: Mobil werde inzwischen kontrolliert, macht Freudensprung deutlich. Mit Gerät oder auch ohne. Denn vor Gericht reiche es aus, wenn ein Polizist einen Rotlicht-Verstoß bezeugen würde. Dann lieber anhalten und die Rotphase abwarten.