Judith Weingart übernimmt zum 1. Oktober das Amt für Bürgerbeteiligung und Presse der Stadt Bamberg. Ihre Vorgängerin Ulrike Siebenhaar war zuvor an die Spitze des Kulturreferats gewechselt. Weingart setzte sich in einer öffentlichen Ausschreibung mit mehrstufigem Auswahlverfahren gegen 81 Mitbewerber durch.

OB reagiert auf Kritik

Teile der Bamberger Grünen kritisierten gestern nach der Sitzung des Personalsenats die "Art der Besetzung": Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) habe "mit einer Eilverfügung vollendete Tatsachen geschaffen. Dem Personalsenat als zuständigem und demokratisch gewähltem Gremium wurde das lediglich zur Kenntnis gegeben", kritisiert die Personalsenatssprecherin der Grünen, Karin Einwag, in einer Mitteilung. "Das darf so keinesfalls nochmal vorkommen", fügt Grünen-Stadtrat Michael Schmitt hinzu.

Weingart habe "mehrere Eisen im Feuer für eine Veränderung Ihrer beruflichen Existenz" gehabt, erklärt der OB auf Nachfrage. "In diesem Fall war eine besondere Eile gegeben", die eine Eilverfügung rechtfertige. Denn die Auswahl Weingarts womöglich erst bei der nächsten Vollversammlung des Stadtrats am 30. September zu behandeln und sie zum 1. Oktober einzustellen, wäre laut Starke unzumutbar gewesen. Dies wäre passiert, hätte der Personalrat gestern nicht zugestimmt.

Aus den 82 Bewerbern seien neun zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden - vor einem Gremium aus Personalreferent, Personalamt, Personalrat und der bisherigen Amtsleiterin Siebenhaar. Vier Bewerber wurden zu einem zweiten Auswahlgespräch geladen, das vom OB und dem Zweiten Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg) geführt wurde.

Starke sei beeindruckt gewesen, wie gut sich Weingart vorbereitet habe. So habe sie sich etwa in die Haushaltsbeschlüsse der vergangenen Jahre dezidiert eingelesen und gute Fragen gestellt. "Frau Weingart hat unser Vertrauen verdient." Ohne die Zustimmung Glüsenkamps hätte er die Einstellung keinesfalls befürwortet, betont Starke.

"Ich halte die Besetzung für richtig, es ist eine gute Kandidatin gewählt worden", stimmt der Grüne Bürgermeister Glüsenkmap auf Nachfrage zu. Besonders in der Aufgabe der Bürgerbeteiligung könne mit Weingarts Kompetenz viel erreicht werden. Zur Kritik seiner Parteikollegen möchte er sich nicht äußern.

Die sei voreilig veröffentlicht worden, sagt Fraktionsvorsitzende Ulrike Sänger: "Man hätte vor der Pressemitteilung miteinander reden sollen." Trotzdem stünden die Parteimitglieder zur vorgebrachten Kritik - die sich allerdings nur um das Verfahren und nicht um die Person drehe. Das betonen auch die Kritikführer Einwag und Schmitt, die "die neue Stelleninhaberin auch nicht für den unglücklichen Prozess ihrer Einstellung verantwortlich machen", wie es in der Mitteilung heißt.

Die 53 Jahre alte Kommunikationsmanagerin und Politologin Judith Weingart kommt aus der Nähe von Boppard am Rhein (Rheinland-Pfalz) und lebt seit ihrem Studium an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Zuletzt hat sie fast 25 Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen beim Playmobil-Hersteller "geobra" in Zirndorf gearbeitet. "Nach einer Zeit als selbstständige PR-Frau freue ich mich jetzt auf die Mitarbeit in einem tollen erfahrenen Team", sagt Weingart. "Gleichzeitig habe ich Respekt vor der Vielfalt der Aufgaben dieses Amtes."