Auch die Sieger müssen ihre Pläne noch einmal gründlich überarbeiten, wenn sie bei der Realisierung des neuen Wohnquartiers in Hallstadts Mitte zum Zuge kommen wollen. Das verdeutlichte Reinhard Zingler, Vorstand des Bauherrn Joseph-Stifung, der am Donnerstag in Hallstadt die Gewinner des Architektenwettbewerbs bekannt gab.

Mit ihren Entwürfen überzeugten der Bamberger Architekt Christoph Gatz und Kurt Weber vom Büro Diezinger Architekten aus Eichstätt die Jury dennoch gleichermaßen. Beide teilen sich den ersten Platz und haben nun gute Chancen, das Quartier mit etwa 20 bis 30 barrierefreien Wohnungen auf einem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück an der Pfarrer-Wachter-Straße, in unmittelbarer Nähe der künftigen Marktscheune, zu bauen.
Im Rennen ist theoretisch auch noch der Drittplatzierte des Wettbewerbs, Johannes Müller vom Kulmbacher Büro H2M.

Das Projekt in Hallstadt ist eines von zehn in ganz Bayern innerhalb des Modellvorhabens "Innerstädtische Wohnquartiere (IQ)", wie Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin ausführte. Ziel von IQ sei es, "die Attraktivität zentraler Wohnanlagen für alle Generationen - mit dem Schwerpunkt Familien mit Kindern" zu steigern und so zur Belebung der Innenstädte beizutragen. Sie betonte, dass der mit Mitteln des Freistaats geförderte Wohnraum in Hallstadt vor allem "für Haushalte, die sich am Markt nicht mit angemessenem Wohnraum versorgen können", bestimmt sei.

Nachholbedarf vorhanden

Diese soziale Komponente strich auch Zingler heraus. Man wolle nicht im Hinblick darauf bauen, was der freie Markt an Mieten hergebe, sondern wünsche vielmehr eine Mietpreisbegrenzung. Der soziale Wohnungsbau sei leider in den letzten Jahren vernachlässigt worden. Nun gebe es Nachholbedarf, auch in Hallstadt. 1,2 Millionen Euro aus der Wohnungsbauförderung seien eine "nennenswerte Größenordnung, die es ermöglicht, dieses Vorhaben auf den Weg zu bringen." Die Gesamtkosten bezifferte der Vorstand der Joseph-Stiftung auf etwa 2,9 Millionen Euro.

Die Joseph-Stiftung hoffe, noch in diesem Jahr die planerische Seite zum Abschluss zu bringen. Bei einem Baubeginn im Frühjahr 2014 könnten die Wohnungen dann bis Mitte 2015 fertig gestellt sein. Auch Bürgermeister Markus Zirkel (SPD) hatte zuvor die soziale Verpflichtung der Stadt Hallstadt betont. Der Wettbewerb und das neue Projekt seien dabei "eine Initialzündung für den Wohnungsbau in Hallstadt".

Dreiseithof als soziale Wohnform

"Soziales Bauen in Hallstadt ist an dieser Stelle wunderbar verknüpft mit der Entwicklung von Hallstadts neuer Mitte", schloss Zingler seine Vorrede ab und gab die Gewinner bekannt. Bei Platz drei (Johannes Müller, H2M, Kulmbach) beeindruckte die Jury vor allem, dass der Entwurf "die Typologie des Dreiseithofes als soziale Wohnform aufgreift und auf die Aufgabenstellung des familienfreundlichen Wohnens hin transformiert." Die Arbeit überzeuge im Umgang mit dem Ort und dem öffentlichen Raum, wiese aber auch Schwächen in der architektonischen Ausprägung auf, heißt es in der Jury-Begründung. Als Schwächen werden darin unter anderem der hohe Versiegelungsgrad und der architektonische Ausdruck der Fassaden genannt.

Lob und Tadel gab es auch für die beiden Siegerentwürfe. Kurt Weber (Diezinger Architekten, Eichstätt), so das Urteil der Jury, gelinge es, "mit einem geschickt in die Tiefe des Grundstücks entwickelten Cluster aus dem Bautypus Haus mit Satteldach ein Stück Innenstadt neu zu interpretieren, das in Dichte, Ausformung und architektonischer Haltung schlüssig aus dem historischen Stadtkern hergeleitet ist." Abstriche gab es, weil "das hohe Freiflächenpotenzial nicht ausgenutzt wird" und der relativ hohe Erschließungsaufwand der "Notwendigkeit einer sehr wirtschaftlichen Lösung" widerspreche.

Entscheidung fällt bald

Der Bamberger Architekt Christoph Gatz, der ebenfalls auf den ersten Platz gesetzt wurde, überzeugte die Jury damit, "auf schlüssige Weise die neuen Baukörper in die bestehende Struktur Hallstadts zu intergrieren." Die offenen Struktur zum nördlich liegenden Park trage erheblich zur Qualitätssteigerung der neuen Bebauung bei. Kritisch merkte die Jury an, dass die Barrierefreiheit teilweise eingeschränkt sei. Nicht optimal sei auch die Ringerschließung und die Positionierung des mittleren der Gebäude.

Zingler kündigte an, dass die Joseph-Stiftung in den nächsten Wochen noch intensive Gespräche mit den Preisträgern führen werde, da auf alle Fälle noch Überarbeitungen nötig seien. Innerhalb der nächsten drei Monate wolle dann der Vorstand aber eine Entscheidung treffen, wer das Bauvorhaben realisieren kann.