Bis ihr am nächsten Montag das Abrissunternehmen den Rest gibt, wird sie noch viel auszuhalten haben. Die Mainflutbrücke im Zuge der Bundesstraße 279 nahe des Kieswerks zwischen Baunach und Breitengüßbach ist für die Dauer von zwei Wochen ein Versuchskaninchen.

Die Spannbetonbrücke wird gezielt geschwächt - und zwar dort, wo sie am empfindlichsten ist. Erforscht werden soll das veränderte Tragverhalten. Je neun Spannkabel aus Stahl verlaufen in den beiden Längsträgern.
Sechs davon werden in mehreren Brückenfeldern nach und nach durchtrennt. 65 Sensoren überwachen, wie sich die Schwächung auswirkt.

"Es gilt auch zu prüfen, inwiefern Bauwerksmonitoring auf die Verkehrssicherheit Einfluss nehmen kann", sagt Jacob Müller vom Büro Pötzl Ingenieure aus Coburg, das diesen Belastungstest durchführt.


65 Sensoren

Ein Teil der Sensoren wurde schon bei einem 2013 begonnenen und 2016 abgeschlossenen Forschungsprojekt eingebaut. 30 neue kamen jetzt dazu. Sie erfassen unter anderem auch, wie sich Temperaturschwankungen auf das Schwingungsverhalten der Brücke auswirken.

Was den Versuch so besonders macht, ist die "kontrollierte Schädigung eines Bauwerks unter dynamischer Fahrzeugüberfahrung", erläutert Müller. Vor nicht allzu langer Zeit hat die Technische Universität München an einer alten Saale-Brücke bei Hammelburg auch einen Belastungstest durchgeführt, aber mit anderem Ziel. Bei diesem Experiment wurden die Brückenfelder so lange belastet, bis der Beton brach - unter einer Einwirkung von bis zu 300 Tonnen Gewicht.



Jakob Müller: "Das, was wir hier ausprobieren, wurde so bisher noch nicht gemacht." Ein Bagger, der zusammen mit einem Betonklotz, den er vor sich her trägt, rund 20 Tonnen wiegt, befährt die Brücke wieder und wieder. "Am Ende werden es um die 500 Überfahrten gewesen sein."

Den Beschleunigungs- und Dehnungssensoren bleibt keine Reaktion der zunehmend geschwächten Brücke verborgen. Alle Messergebnisse laufen in einem Bürocontainer im Rechner zusammen.


Abriss ab 11. September

Seit dem 23. Juli ist die rund 150 Meter lange Behelfsumfahrung in Betrieb. Die ersten Vorarbeiten für die Belastungstests begannen am 28. August. Am 11. September beginnt der Brückenabriss.

Insgesamt wird das Staatliche Bauamt Bamberg in den kommenden Jahren drei Brücken der Bundesstraße 279 südlich von Baunach erneuern. Die erste ist die Mainflutbrücke über die Flutmulde in Höhe des Kieswerks. Für diesen ersten Bauabschnitt sind eineinhalb Jahre vorgesehen. Die geschätzten Kosten liegen bei rund 3,2 Millionen Euro.