"Das Ende ist erreicht!" Mit diesen Worten beginnt ein langer Facebook-Beitrag, in dem der Bamberger Verein "Franz Kafka" (Künstlerischer Arbeitskreiskreis für kulturellen Antrieb) begründet, warum er das Festival "FK:K" in Bamberg nicht weiterführt. Die Verfasser - die Vorsitzenden Felix Forsbach und Jérémie Gnaedig - seien frustriert über "fehlenden Mut" und die "Kunstfeindlichkeit der Stadt Bamberg". Sie nennen eine Reihe vorgeschlagener Projekte, die am "mangelnden Mut" der Verwaltung gescheitert seien. Und sie nennen auch Personen.

Neben der neuen Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar, von der sich der Verein mehr erhofft hatte, steht vor allem eine Personalie im Fadenkreuz: "Das Problem hat einen Namen: Bertram Felix", heißt es in dem Post.

"Viele gut durchdachte Projekte scheitern an seinem Schreibtisch", sagt Forsbach. Denn Felix ist nicht nur Kämmerer, sondern auch Leiter des Immobilien-Managements der Stadt - "und hat dadurch eine unglaubliche Machtfülle". So sei der Vorschlag, einen Club im stadteigenen Gebäude Jäckstraße 76 zu etablieren, "mit der Begründung abgeschmettert worden, dass die Stadt es als Lagergebäude nutzt", gibt Forsbach ein Beispiel. "Als wir drin waren, standen da zehn Tische und ein paar Stühle vom Clavius-Gymnasium, während es saniert wurde. Die hätten wir in wenigen Stunden weggeräumt."

Die Vorwürfe

Neben weiteren Beispielen stört Forsbach und Gnaedig aber vor allem, dass ihr Konzept für eine drei- bis fünfjährige Zwischennutzung des Kesselhauses mit der kurzgefassten Begründung "Danke, aber wir haben kein Geld" abgelehnt wurde. Lage und Ort des Kesselhauses seien ideal für ein zeitgenössisches Kunstkonzept. "Was uns dabei wütend macht, ist dass wir noch nie konkret gefragt wurden, was unsere Ideen zur Finanzierung des Kesselhauses sind. Dabei gibt es dazu Vorarbeiten, die vor allem externe Förderungen vorsehen."

Franz Kafka organisierte bisher vier Mal das "FK:K-Festival" im Kesselhaus - mit Erfolg und Echo auch in der bundesweiten Presse, etwa der Taz und der SZ. Die Organisation des diesjährigen Festivals habe 68 000 Euro gekostet. 5000 Euro sollen noch von der Stadt kommen. "4000 Euro haben wir mit Eintrittskarten verdient, den Rest über Förderungen vom Bund, der Stadt Nürnberg und aus internationalen Töpfe organisiert", rechnet Forsbach vor.

Was ihn ärgert: "Eine Experten-Jury in Berlin sagt: ,Wir finden es gut und wichtig, was ihr macht und fördern das.' Aber die Weltkulturerbestadt sagt ,nö'." Durch externe Förderungen wollte der Verein auch sein Kesselhaus-Konzept finanzieren. Durch das Subsidiaritätsprinzip braucht es jedoch auch einen Anteil der Stadt, um nationale und EU-Fördermittel abzuschöpfen. Wie im genannten Beispiel könne so mit wenig Investition viel erreicht werden.

Das sagt die Kulturreferentin

"Die Veranstaltungen von Franz Kafka sind großartig", sagt Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar. "Und die Förderkulisse, die der Verein aufgebaut hat, ist beeindruckend. Ich würde mich freuen, wenn er weitermacht." Allerdings würden die Förderungen eben nicht alle Kosten abdecken und dienten nur als Anschubfinanzierung. Siebenhaar möchte lieber langfristig Kulturräume etablieren, die sich wirtschaftlich tragen. Und da in der derzeitigen finanziellen Lage nicht zwei gleichzeitig aufgebaut werden könnten, setze man zunächst auf die Posthalle auf der Lagarde-Kaserne. Zudem sei in dem Konzept von Forsbach und Gnaedig jeweils eine Stelle für die beiden Vereinsvorsitzenden vorgesehen. "In der momentanen Lage, wo wir besonders beim Personal sparen müssen, können wir nicht zwei neue Stellen schaffen", sagt Siebenhaar.

Das Argument, dass Projektförderungen nur Anschubfinanzierung sind, sei zwar richtig, so Forsbach. "Aber es zeigt auch, dass die Verantwortlichen kein Verständnis dafür haben, wie der Kulturbetrieb funktioniert." So könnten etwa im Kesselhaus nach Ablauf der Finanzierung neue Ideen entwickelt und dafür neue Förderungen generiert werden.

Franz Kafka vertrete die Auffassung, dass im Kulturbereich mehr ausprobiert werden und dann erst langfristig geplant werden sollte. Vor allem durch Zwischennutzungen leerstehender Immobilien, vor allem derer im Besitz der Stadt. So sei auch Scheitern kein großes Problem. "Und wenn es gut läuft, kann man weitermachen." Die Stadtverwaltung setze stattdessen auf langwierige Machbarkeitsstudien, "damit sie einen Zettel haben, auf dem steht, dass das funktionieren könnte. Dann wird teuer saniert. Scheitern kann es aber trotzdem".

Forsbach vermutet: "Der Kämmerer will das nicht. Denn wenn sich Kultur an einem Ort etabliert, ist sie schwer wieder wegzubekommen. Er will die Objekte lieber anderweitig teuer verkloppen." So gab es Pläne, dort ein Parkhaus zu errichten - die aber inzwischen "zum Glück" vom Tisch sind. Bei einem Gespräch im Kesselhaus vor etwa eineinhalb Jahren habe Felix zu Forsbach gesagt: "Wenn wir ablehnen, hat es nichts damit zu tun, ob es möglich ist. Es heißt: Wir wollen das nicht."

Das sagt der Kämmerer

Finanzreferent Betram Felix habe "0,0 Verständnis" für den Angriff auf seine Person. "Es wird komplett verkannt, dass die kulturelle Nutzung des Kesselhauses nur meiner Person zu verdanken ist." Zuvor habe sich die Verwaltung jahrelang gewehrt. Auch habe er "das Fundament für die Entfaltung der Kultur stets mitgetragen". Entsprechend fände er Dankbarkeit angebrachter als Kritik.

Er kenne Forsbach nur von einem einzigen Treffen, jenem vor eineinhalb Jahren im Kesselhaus. Dabei habe der Kafka-Vorsitzende den Keller des Kesselhauses nutzen wollen. "Das ist völlig utopisch, schon brandschutzrechtlich. Und es gibt auch keine funktionierenden Toiletten, keine Fluchtwege."

Um ein Gebäude zu ertüchtigen, brauche es eben Geld. Ein Finanzierungskonzept für das Kesselhaus liege ihm nicht vor. Ein solches würde er sich wünschen, "dann hätte ich endlich mal etwas Belastbares und muss mich nicht nur mit Wunschträumen auseinandersetzen". Denn das Motto "einfach mal ausprobieren" habe mit der Realität wenig zu tun. Es gebe Bestimmungen im Baurecht.

So argumentiert Felix auch beim städtischen Gebäude in der Jäckstraße, das "in einem völlig desolaten Zustand" sei. Die von Forsbach genannte Schlachthof-Halle werde für bezahlbaren Wohnraum saniert. "Wir haben schlicht keine Immobilie, die ohne hohen finanziellen Aufwand sofort nutzbar wäre."

Eine Liste aller städtischen Immobilien läge den Stadträten vor. Veröffentlichen will Felix diese nicht, um im Immobiliengeschäft keinen Nachteil zu haben. Auch wenn Franz Kafka aufhört, werde das Kesselhaus indes nicht brachliegen: Der Nutzungsvertrag mit dem Verein "Kunstraum Jetzt", der dort seit mehreren Jahren ausstellt, werde in den kommenden Tagen verlängert, beteuern Siebenhaar und Felix.

"Kunstraum Jetzt" versteht Kritik

Das dürfte den Vorsitzenden Ulrich Kahle freuen, der seit einiger Zeit darauf warte und hoffe. Mit dem Verein Franz Kafka habe es teils inhaltliche Differenzen um die Ausrichtung des Kesselhauses gegeben. "Aber die Grundaussage trifft voll und ganz zu: Bamberg ist wahrscheinlich die kulturfeindlichste Stadt Deutschlands", sagt Kahle auf Nachfrage. Auch er habe mehrfach erlebt, dass die Kämmerei "als mächtigste Organisation in der Stadt grundsätzlich erstmal ,nein' sagt". Und in der Argumentation "versteckt sich der Finanzreferent hinter irgendwelchen Vorschriften, die sowieso keiner versteht". Es gebe viele Ideen für das Kesselhaus, die mit geringem Aufwand durchführbar seien. "Aber von der Stadt kommt nichts."

Doch trotz aller Widrigkeiten habe Bamberg enormes kulturelles Potenzial. "Und wir halten mit Zähnen und Klauen am Kesselhaus fest."