Es ist ein Haufen von Gitterstäben vor dem Haus der Föhrenstraße 13, der den Aufbruch in ein neues Zeitalter symbolisiert. Die Wende in einem Stadtteil, der bisher nur hinter Zäunen zu erleben war.

Die sogenannte Pines-Siedlung an der Zollnerstraße steckt an diesem Donnerstagfrüh bereits voller Leben. Trupps von Handwerkern sind damit beschäftigt, die Kanalrohre freizufräsen; andere entfernen die alten Parkettböden. Wieder andere bauen die Trennwände für zusätzliche Zimmer ein. Mit einer Grundfläche von bis zu 130 Quadratmetern geben das die Wohnungen locker her.

Konversion, der lateinische Name für Umwandlung, wird greifbar. Als erstes haben die Männer die Gitterstäbe entfernt, die vor jedem Fenster angebracht waren, um einer amerikanischen Vorschrift genügend den Absturz von Kindern zu verhindern. Ohne Gitter sehen die Häuser viel freundlicher aus, die Kasernenhofatmosphäre beginnt sich zu verlieren.

Darüber freut sich am meisten Veit Bergmann. Der 45-jährigeGeschäftsführer der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft hat die Riesenaufgabe übernommen, den acht gelben Wohnblocks binnen eines Jahres neues Leben einzuhauchen und damit das Tor zur Bamberger Gesamtkonversion aufzustoßen.

Die Voraussetzungen sind günstig. Bamberg platzt vor Leben aus allen Nähten, die Einwohnerzahlen steigen wegen der Flüchtlingskrise rasant; auch deshalb werden günstige Wohnungen in Bamberg auf absehbare Zeit Mangelware bleiben. Zudem: Oberbürgermeister Andreas Starke und sein Konversionsteam haben die 105 Wohnungen zum "Schnäppchenpreis" von 2,9 Millionen beim Bund erworben.

Die Zahl ließ nicht nur Immoblienfachleute aufhorchen. Ein Kaufpreis von 30 000 Euro pro Wohnung? Veit Bergmann warnt davor, Rückschlüsse darüber zu ziehen, dass die Stadtbau mit den Wohnungen sogar ein Geschäft machen könnte. Im Gegenteil: Er spricht von einer Investitionssumme in zweistelliger Millionenhöhe. Sie sei nötig, um einen Ausbaustandard zu schaffen, der das neue Wohnviertel gut in die Umgebung einbindet und die Häuser langfristig attraktiv macht - für Bewohner wie Eigentümer.

Das Schlagwort von der "Pinselsanierung" hört Bergmann deshalb nicht besonders gerne. Selbst bei den ersten drei Häusern an der Hauptsmoorstraße, in die im Februar die ersten Mieter einziehen sollen, steht eine Vielzahl von Arbeiten an, die weit über einen Anstrich hinausgingen: Der Plan umfasst unter anderem die Erneuerung der Böden mit Trittschalldämmung, zusätzlichen Wärmeschutz auf der Fassade, neue hochwertigere Fenster, Wärmeschutz an Keller- und Dachbodendecken und Brandschutz an den Steigleitungen. "Es sind eine Menge Dinge, die nicht jedem auffallen würden, die aber aus unserer Sicht zu einer ehrlichen Sanierung dazugehören", sagt Bergmann.


Mieterschützer: 4,50 bis 5,50 wäre sozial angemessen

Thema Kosten: Der Stadtbau-Chef geht davon aus, "deutlich unter der Marke von sechs Euro" pro Quadratmeter zu bleiben. Zum Vergleich: Der im Bamberger Mietspiegel 2014 für Gebäude der 50er Jahre genannte Mittelwert liegt für vergleichbar große Wohnungen bei 5,28 Euro und bei Neubauten bei 7,55 Euro pro Quadratmeter. "Von einem Geschenk zu reden, verbietet sich angesichts dieser Zahlen", meint Mietervereinsvorsitzender Thomas Kliemann. "Sozial angemessen" wäre seiner Ansicht nach ein Mietpreis zwischen 4 ,50 und 5,50 Euro.

Doch es ist der schiere Mangel, der die Preise in Bamberg hoch hält. Auch bei der Stadtbau mit ihrem Bestand von 4 000 Wohnungen kann von großem Überhang derzeit keine Rede sein. Im Gegenteil. Der Markt ist leergefegt, was den Erfolg der Konversion im Osten aber eher beflügeln als aufhalten wird. Nicht umsonst plant die Stadtbau im Abstand von zwei Monaten je ein weiteres Haus anzubieten - abhängig von der Nachfrage für Mieter, aber auch für Käufer. Besonders letztere will man mit gehobenem Standard in den Osten lockten, der sich dann freilich auch in den Preisen von über 2000 Euro pro Quadratmeter niederschlägt. Ziel sei es, eine bunte Mischung von Menschen aus allen Schichten anzuziehen.


Neuer Name gesucht

Wie wird die "Pinessiedlung" einmal heißen? Naheliegend wäre eine Erinnerung an die US- Kaserne oder ein Begriff, der ihre natürliche Ausstattung hervorhebt, also die vielen alten Bäume: Eichen, Linden - und eben Kiefern. Sie sind so zahlreich, meint Bergmann, dass man in Bamberg von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen könne Wer etwa zum Offiziersclub hinübersieht, wähnt sich fast in einem Park.