Thomas Winkler ist sauer. Was sich derzeit in der Wohnungsbaubranche in Bamberg abspielt, bringt selbst den langjährigen Verkaufsleiter der Sparkassen-Immobilien in Rage. Er spricht unverblümt von Abzockern an der Wohnungsfront. Dort erklimmen die Preise mittlerweile Höhen, die selbst in manchen Großstädten an der Oberkante liegen würden. Beispiel Erba-Insel: Für eine Vier-Zimmer-Wohnung mit 121 Quadratmetern müssen Käufer bei einem mittelfränkischen Anbieter schlappe 576 000 Euro auf den Tisch legen, ein Quadratmeterpreis von 5000 Euro. Ein Tiefgaragenstellplatz (28000 Euro) kommt dann noch dazu.

Das Preisniveau in Gaustadt markiert die vorläufige Spitze einer Entwicklung, die wegen des weitgehenden Ausfalls der Konversionsfläche und der anhaltenden Niedrigzinsphase extrem ausfällt. "Das Angebot an Wohnungen mit vernünftigen Preisen ist einfach zu klein", sagt Winkler. Allen Warnungen vor einer Immobilienblase zum Trotz hat er wenig Hoffnung, dass es in Bamberg schnell zu einer Beruhigung kommt.


Konkurrenz um den Wohnraum

Die pessimistische Prognose hat einen Hintergrund: Die Überhitzung beim hiesigen Wohnungsmangel hat sich über Jahre aufgebaut und sie wird sich zuspitzen, wenn die einheimischen Wohnungssuchenden mit Mitarbeitern von Brose, des Balkanzentrums, von der Bundespolizei und mit anerkannten Flüchtlingen konkurrieren müssen.

Was tut die Stadt gegen das Problem, das auch sozialen Sprengstoff birgt? Andreas Burr vom Stadtplanungsamt präsentiert auf Nachfrage eine Liste von 27 Wohnungsbauprojekten, die sich teilweise bereits im Bau befinden oder in der Genehmigungsphase stecken. Alt bekannte Vorhaben sind darunter wie der Föhrenanger (Pines Area) oder das Schaefflergelände. Doch es gibt auch Neues: 150 Wohneinheiten sind auf dem ehemaligen Glaskontorgelände geplant, 60 im Quartier an der Mauer, 150 auf dem Megalith-Gelände in Gaustadt. Außerdem entstehen über 200 Studentenappartements, 40 Wohnungen im Rückfeld der Nürnberger Straße und 73 an der Rotensteinstraße im Bamberger Süden. "Wir grasen alles ab, was möglich ist. Auf Dauer werden wir eine Entspannung bekommen", zeigt sich Burr überzeugt.


Wenn der Markt reagiert

Die Liste der Stadt sollte Interessenten zumindest nachdenklich machen: Sind tatsächlich alle Preisvorstellungen, die derzeit kursieren, gerechtfertigt? Kommen die Wohnungen auf den Markt, kann der Nachfragestau auch schnell wieder abgebaut werden, wie das Beispiel Studentenappartements zeigt. Hier hat der Markt bereits korrigiert.

Für Bambergs OB Andreas Starke (SPD) ist es eine zentrale Herausforderung, für alle Menschen der Stadt Wohnraum zu schaffen. Die Projektliste zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. Starke hofft, vor allem da Einfluss auf die Preise nehmen zu können, wo die Stadt selbst als Bauherrin auftritt wie etwa im Ulanenpark. Dabei geht es um den Verzicht auf aufwändige Investitionen wie eine Tiefgarage und um die Weitergabe der Preisvorteile.

Nötig scheint die Einigkeit in der Politik in jedem Fall: Wie dreist Investoren die Mangelsituation auf Bambergs Wohnungsmarkt ausnutzen, wurde unlängst im Bausenat deutlich. Eine Sozialklausel sollte Mietpreise von bis zu zwölf Euro pro Quadratmeter beim Quartier an der Mauer zulassen - deutlich mehr als der Mietspiegel vorschreibt. Laut Heinz Kuntke (SPD) war man sich schnell einig, dass das nicht geht.

Doch natürlich könnte die Stadt noch mehr tun: In einer Petition fordern die Grünen, die Konversionsfläche für einen Stadtteil für sozialen Wohnungsbau zu öffnen - auch wenn die Stadt gar nicht Eigentümerin ist.
Schneller umzusetzen wäre da schon die Idee von Heinrich Schwimmbeck von der Bamberger Linken Liste. Er schlug vor, den Überschuss bei den Schlüsselzuweisungen, 3,5 Millionen Euro, zu verwenden, um dem seit Jahren hinter dem Bedarf herhinkenden Wohnungsbau in Bamberg auf die Sprünge zu helfen. Bisher ist seine Forderung ungehört verhallt.