Eine weiter steigende Bedeutung von Wald und Holz sieht die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken. Das komme derzeit vor allem in höheren Waldpreisen zum Ausdruck, betonen der Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO), Heinrich Rudrof MdL, und Geschäftsführer Wilhelm Böhmer. Seien früher etwa ein Euro pro Quadratmeter Wald gezahlt worden, stieg dieser Wert auf zuletzt etwa 1,50 bis zwei Euro. In Altbayern würden sogar schon je nach Lage bis zu fünf Euro gezahlt. "Holz wird knapp bleiben", unterstrich Wilhelm Böhmer.

Die Nachfrage nach Fichten- und Kiefernrundholz ist laut Johannes Hölzel, seines Zeichens Holzvermarkter bei der FVO, so groß wie lange nicht mehr. Diese beiden Baumarten dominieren den Holzmarkt im Bezirk. Die zügige Abfuhr und ein hohes Preisniveau sollten daher eigentlich jeden Waldbesitzer zum Einschlag hiebreifer Bestände motivieren.
Doch nicht alle nutzen die Situation: Während in den Staatsforstbetrieben - natürlich unter dem Prinzip der Nachhaltigkeit - derzeit die Axt an relativ viele Stämme gelegt werde, gebe es in privaten Wäldern eine deutliche Zurückhaltung. Doch mehr als die Hälfte der 287 000 Hektar Wald in Oberfranken ist in Privatbesitz.

"Die Nachhaltigkeit wird nicht strapaziert", drückt es Wilhelm Böhmer diplomatisch aus und wirft die Frage auf, ob Wald "sicherer ist als Bargeld?". Vielleicht legen die privaten Waldbesitzer aber auch nur eine Pause ein, nachdem die "Saison" 2010/2011 durch den starken Schneebruch dem Markt rund 275 000 Festmeter Holz beschert habe. Im Winter darauf kamen deutlich weniger auf den Markt - "nur" 220 000 Festmeter.

Leidtragende dieses Rückganges könnten vor allem die Sägewerke sein. "Einige haben in den vergangenen Jahren ihre Kapazitäten spürbar erweitert und sich angesichts eines größeren Holzmarktes auf größere Mengen eingestellt." Die aber könne man derzeit nur auf dem internationalen Markt haben, wenn es nicht gelinge, die Ressourcen der privaten Wälder anzupacken.

Um hier Anreize zuschaffen, wurden von der FVO zukunftsweisende Schritte unternommen. Zur Absicherung des Holzverkaufs beispielsweise dienen umfangreiche Bürgschaften und die Absicherung der Waldbesitzer durch neue, schriftlich fixierte "Verkaufs- und Zahlungsbedingungen". Selbst der Verkauf von Hackschnitzeln sei im Detail geregelt, erläutert Heinrich Rudrof. Schon von diesem Kleinholz komme ein "Preisdruck".

"Glanzstück" der Neuerungen ist aber die neue Software eines "Wald-Infoplanes", der ein GPS-gestützes Arbeiten im Wald ermöglicht. Dafür habe die FVO unter anderem den "Geo-Business-Award" erhalten. Das erspare nicht nur die Suche nach den oft schwer zu findenden Grundstücks-Grenzen, sondern erleichtere auch die Arbeit mit modernem Gerät.

Außerdem griffen die Waldbesitzer-Vereinigungen privaten Besitzern, die nicht die Zeit und die Kenntnisse hätten, sich um ihr Waldstück zu kümmern, mit "Waldpflegeverträgen" unter die Arme. Für eine Gebühr zwischen 30 und 120 Euro je Hektar nach Dienstleistung erstelle man Wirtschaftspläne und übernehme den Holzverkauf. Bei Erträgen von 120 Euro pro Hektar und Jahr richte sich das Angebot vor allem an "urbane Waldbesitzer", so Rudrof. Insbesondere an die privaten Waldbesitzer war deshalb der Appell gerichtet, die Sägewerke als Partner zu sehen und sie "nicht unversorgt zu lassen".

Günstig entwickelt hat sich laut Stellvertretendem Vorsitzenden Georg Neupert aus Wunsiedel das Spannungsfeld zwischen Wald und Wild. "Das Laubholz kann jetzt ungehindert wachsen", zeigt sich der FVO-Repräsentant optimistisch. Man brauche dazu weiterhin "fleißige Jäger", die auch die Wildschwein-Bestände im Rahmen halten könnten. Hier zeigten rückläufige Abschusszahlen, dass die Bejagung schwieriger werde. Größere Probleme gebe es vor allem bei zusammen hängenden Waldflächen wie Haupts moor- oder Steigerwald.