Bamberg 1000 Euro plus x. Das ist eine Zahl, die nicht nur Grundstücksbesitzer in Bamberg hellhörig werden ließ. So viel will Ulrich Liebe, Geschäftsführer des Nürnberger Bauträgers Bauhaus, dem Vorbesitzer pro Quadratmeter bezahlt haben. Für eine Fläche, auf der das Unternehmen mehrere der so genannten Wasserhäuser errichtet. Schon bei 5 000 Quadratmetern kämen mehr als fünf Millionen Euro zusammen.

Doch stimmt diese Aussage? Sie wurde zitiert, als diese Zeitung über die negativen Erfahrungen berichtete, die etliche Käufer derzeit mit Baumängeln in einem vermeintlichen Luxuswohngebiet machen müssen. Nun aber bestreitet Ronny Meyer, Geschäftsführer der Erba Projektentwicklungsgesellschaft und Verkäufer der Liegenschaften, dass der Baugrund tatsächlich so teuer war wie genannt. "Der gezahlte Preis lag deutlich unter 1000 Euro pro Quadratmeter."

Warum diese Zahl überhaupt wichtig ist: Sie kann möglicherweise erklären, warum auf den wenigen Baulücken Bambergs die Preise in immer luftigere Höhen steigen. Beispiel Erba: Dort sind Kosten von über 600 000 Euro für eine Wohnung längst keine Seltenheit mehr; ein 174-Quadratmeter-Appartement schlägt derzeit mit rund 900 000 Euro zu Buche - ohne Nebenkosten! Ein Trend, der mit der Kaufkraftentwicklung in Bamberg nicht annähernd in Einklang zu bringen ist.


Eine Erfolgsgeschichte

Ronny Meyer, Geschäftsführer einer Gesellschaft, die teils in irischem Besitz die Erba-Insel maßgeblich mitentwickelte, spricht von einer Erfolgsgeschichte. Einerseits. Der Gartenschau-Park, die Ansiedlung der Universität, das Nebeneinander von Jung und Alt mache die Erba-Insel einmalig im weiten Umkreis. Andererseits verhehlt der Entwickler nicht, dass es extrem viel Geld kostete, die Insel für die öffentlichen und privaten Investoren vorzubereiten. Manches sei aus Idealismus geschehen und habe den Erlös geschmälert: "Für die aufwändige Sanierung der Altlastenflächen, die Kosten für die Infrastruktur und den Abwasseranschluss in einem Düker unter dem Main-Donau-Kanal haben wir acht bis neun Millionen Euro bezahlt - vier mehr als ursprünglich kalkuliert."

Meyer will mit diesen Zahlen dem öffentlichen Eindruck entgegenwirken, seine Gesellschaft habe sich mit der Erba-Insel eine goldene Nase verdient. Sie hatte das Grundstück vom Insolvenzverwalter des 1993 in eine Krise geratenen Textilunternehmens erworben und allein für den Abbruch der Industriegebäude eine zweistellige Millionensumme aufgewandt - Gelder, von denen heute kaum einer mehr spricht.

So habe man das Grundstück für den symbolischen Preis von einen Euro an die Uni abgetreten - und damit die heutige Entwicklung erst ermöglicht. Auch die Brücke zur Mayerschen Gärtnerei sei hälftig von der Erba GmbH finanziert worden.

Wie viel von diesen Kosten in die Grundstückspreise floss und von denjenigen bezahlt wird, die sich auf der Insel einkaufen, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. In der Stadtverwaltung widerspricht man jedenfalls Mutmaßungen, es seien die hohen öffentlichen Auflagen gewesen, die die Preise nach oben trieben. Im Gegenteil: Die Erba GmbH, die etwa den vertraglich versprochenen Uferweg immer noch nicht umgesetzt habe, habe durch den mit öffentlichen Geldern finanzierten Park selbst stark profitiert, sagt Harald Lang, damaliger Gartenschau-Manager.



Es muss mehr gebaut werden

Für Lang ist es auch nicht überraschend, dass auf der "Erba" Spitzenpreise bezahlt würden, sondern eine logische Folge von Marktgegebenheiten, die auch andernorts die Preise treiben. Der Stadtplaner spricht von einer in Bamberg kaum noch zu findenden vergleichbaren Lagequalität und einem stark begrenzten Angebot. Sein Rat an die Politik ist deshalb weniger der Blick auf die Verkaufspreise. Statt dessen müsse die Zahl der Anbieter erhöht werden. "Es muss einfach wieder mehr gebaut werden. "