Nach einem abermaligen Seitenwechsel der Wählergemeinschaft Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand hat sich das politische Gewicht im Marktgemeinderat wieder zugunsten der CSU verschoben. Erstes Zeichen: Elke Eberl aus der CSU-Fraktion wurde zur Zweiten Bürgermeisterin gewählt. Mit 13:11 ging sie gegen Gerd Porzky (Freie Wähler) als Siegerin aus der geheimen Wahl hervor.

Deutlich wurde das neue "Regierungs-Bündnis" auch bei der Wahl des Dritten Bürgermeisters: Hans Wichert (Wählergemeinschaft Sassanfahrt-Köttmansdorf-Rothensand) erhielt ebenfalls 13 Stimmen, Roland König von der Ökologischen Liste Hirschaid unterlag dabei mit 12 Stimmen.

Der Block von 13 Stimmen ergibt sich - wohl nicht zufällig - aus der Addition von sieben CSU-Gemeinderäten plus Erstem Bürgermeister, zwei von der Freien Wählergemeinschaft Röbersdorf (die bisher schon mit der CSU verbandelt war) und drei von der Wählergemeinschaft Sassanfahrt-Köttmansdorf-Rothensand. Diese Gruppierung war in der letzten Amtsperiode Teil der Freien-Wähler-(Mehrheits-)Fraktion, früher allerdings bereits mit der CSU verbunden.

Der bisherige Dritte Bürgermeister Erwin Krämer, der in eine Untersuchung fragwürdiger finanzieller Eigenmächtigkeiten verwickelt ist, schlug den Schreinermeister Hans Wichert aus Sassanfahrt als seinen Nachfolger vor. Wichert habe stets in finanziellen Frage die Stimme erhoben und werde allgemein für seine Loyalität geschätzt, sagte Krämer. Wichert versicherte, ab nächstem Jahr mehr Zeit für dieses Ehrenamt erübrigen zu können, weil sein Sohn in die Leitung des Familienbetriebs einsteige.

Der von Albert Deml benannte Roland König empfahl sich unter anderem mit dem Hinweis auf seine Kompetenzen im Schutz von Natur und Umwelt.

Vor den Wahlen der stellvertretenden Bürgermeister war König dadurch aufgefallen, dass er dafür warb, im Marktgemeinderat ein Team aus "25 Freunden" zu bilden. Vergebens, gewählt wurde im Kampfmodus. Und der wurde dann auch noch dadurch angestachelt, dass Georg Kestler nach der Benennung der Kandidaten für die Wahl zum Zweiten Bürgermeister den Vorschlag unterbreitete, beide möchten sich doch persönlich präsentieren. Die von der Volte Kestlers offensichtlich überraschte CSU-Kandidatin erklärte, aufgrund ihrer beruflichen Einbindung in einen Familienbetrieb als Stellvertreterin des Bürgermeisters problemlos zur Verfügung stehen zu können und für alle Bürger da zu sein.

Der offenbar weniger überraschte Gerd Porzky verwies auf seinen Bekanntheitsgrad. Als freiberuflicher Optikermeister und Nachbar des Rathauses könne auch er jederzeit einspringen. Außerdem verwies Porzky auf seine dem Ersten Bürgermeister vergleichbare Statur, verlangte Zusammenhalt und sparsames Haushalten. Das war, wie sich zeigte, nicht überzeugend genug, um den Plan des anderen Blocks zu durchkreuzen.

Nach der Bekanntgabe des vom zahlreichen Publikum bejubelten Ergebnisses erklärte Elke Eberl freudestrahlend, dass wie die Wahl gerne annehme. Nachdem sie und später auch Hans Wichert das Protokoll unterschrieben hatten, legten beide den Amtseid ab und nahmen an der Seite von Bürgermeister Klaus Homann unter dem Gemeindewappen Platz.

Appell um Sachlichkeit

Homann war zu Beginn der ersten Sitzung in der neuen Amtsperiode vom ältesten Mitglied des Marktgemeinderates vereidigt worden: Mathilde Bergmann von der "Liste der Frauen" nutzte die formelle Amtshandlung zu einem Appell an die Räte um Sachlichkeit über alle Parteigrenzen hinweg zum Wohle der Marktgemeinde Hirschaid.

Klaus Homann ließ sich dann mit der Amtskette dekorieren, um sich der Zierde sogleich wieder zu entledigen und die konstituierende Sitzung zu leiten. Auch er mahnte, nach dem emotionalen Wahlkampf zur sachlichen Gemeinderatsarbeit zurückzukehren. Es gelte, sich unter anderem der großen Aufgaben wie dem Ausbau der ICE-Trasse, der Breitbandversorgung und Verkehrsberuhigung sowie der Sanierung von Schule und Kindergärten zu widmen. "Beweisen wir, dass wir kein Debattierclub sein wollen und lassen wir unseren Sachverstand walten!", forderte Homann.

Mathilde Bergmann (Liste der Frauen) und Christoph Busch von der Bürgernahen Liste Hirschaid bilden eine Ausschussgemeinschaft, so dass in den beiden zwölfköpfigen Ausschüssen des Marktgemeinderates (Hauptverwaltung und Finanzen sowie Bau und Verkehr) alle Gemeinderäte mitwirken können, als ordentliches oder stellvertretendes Mitglied.