"Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt" heißt ein Buch des Anarchisten Fürst Kropotkin. Nicht erschrecken: Das Werk aus dem Jahr 1902 ist ein Plädoyer für Nächstenliebe. Kernthese: Altruismus und nicht Kampf ums Dasein habe die Menschheit vorangebracht.

Manches von solchen Gedanken steckt auch in der Initiative "Helping Hands Bamberg", die im November vergangenen Jahres von Florian Beck gegründet worden ist. Der 25-jährige Physiotherapeut ließ sich von Berichten über Regionalwährungen und Tauschringen anregen - und siehe, der Facebook-Gruppe gehören (Stand 23. Januar) bereits 320 Mitglieder an.

Das ist noch ausbaufähig, denn die Gruppe "Share And Care" Bambergmit ähnlichen Zielen zählt 14 836 Mitglieder.
Doch während es bei letzterer um das Teilen von Dienstleistungen und Gütern, insbesondere ums Verschenken geht, haben sich die "Helfenden Hände" eben auf gegenseitige Hilfe festgelegt. Das geschieht über die Facebook-Plattform, auf der man Leistungen anbieten oder in Anspruch nehmen kann, wie Beck definiert.
Das passiert in drei Kategorien: Entweder man sucht eine Dienstleistung ohne Gegenleistung, oder man bietet eine an (wieder ohne Gegenleistung) oder, drittens, man möchte eine Leistung tauschen. Das sieht dann so aus, dass z. B. "Flo Mo" anbietet, löchrige Socken zu stopfen, und jemand anderes Teile eines Kefirs sucht. Geld ist ausgeschlossen!

Das Spiel von Angebot und Nachfrage ist noch überschaubar, räumt Beck ein, doch die Gruppe sei ja noch jung. Er, "realistisch links mit stark grünem Touch", sieht durchaus eine politische Perspektive für die diversen Sharing-Gruppen. Viele kleine private Initiativen könnten sich vernetzen und die herrschende Konsum- und Verschwendungskultur unterlaufen. Missionieren möchte er jedoch niemanden: "Lieber ein lebendes Beispiel sein!"

Mehr los ist da schon auf der (Facebook-)Seite von "Share And Care Bamberg" ("Tauschfreie Zone - Geld stinkt!"). Unmissverständlich heißt es in den Regeln: "Kaufen und Verkaufen sowie Tauschen sind tabu und führen zum sofortigen Ausschluss aus der Gruppe!" Denn Grundsatz ist ebenso wie bei den "Helping Hands: "Das Teilen basiert auf reiner Nächstenliebe!"