E in kleiner Selbstversuch: Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich eine Familien auf Fahrrädern vor, die Ihnen entgegen kommt. Trägt die Familie Fahrradhelme?

Das Bild hat sich - zumindest in Franken - geändert: Bei der nicht repräsentativen Fahrrad-Umfrage unserer Zeitung, an der 1184 Leser im März teilgenommen haben, antworteten 50 Prozent, dass sie einen Fahrradhelm tragen. Vor acht Jahren, als schon einmal eine Radel-Umfrage mit 1000 Lesern stattfand, beantworteten nur 30 Prozent der Leser die Frage mit Ja.

Schaut man sich die bundesweiten Zahlen an, die das Sinus-Institut 2019 herausgegeben hat, tragen immerhin fast 40 Prozent der Radler zumindest meistens den Helm. Aber: 42 Prozent besitzen gar keinen.

Keine Helmpflicht in Deutschland

Fest steht: In Deutschland existiert keine Helmpflicht für Fahrräder. Auch nicht für Pedelecs, also E-Bikes, deren Motor den Radler bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde unterstützt. Und das obwohl klar ist, dass ein Helm den Kopf vor schweren Verletzungen schützen kann.

Die Zahlen der getöteten Fahrradfahrer im Straßenverkehr sind in den vergangenen Jahren laut Statistischem Bundesamt dramatisch gestiegen: Waren es im Jahr 2015 noch insgesamt 383 tödlich verunglückte Fahrradfahrer, stieg deren Zahl 2018 auf 445.

Dennoch: Polizeigewerkschaften, Teile der Politik und Fahrradverbände wie der Allgemeinde Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sprechen sich gegen eine Helmpflicht aus. Ulrich Syberg, Bundesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), sagt beispielsweise: "Radfahren ist keine Risikosportart, sondern gesunde Bewegung im Alltag. Hausputz und Gartenarbeit sind statistisch gesehen deutlich riskantere Tätigkeiten - und hier käme niemand auf die Idee, Schutzmaßnahmen gesetzlich vorzuschreiben."

Eine Übersicht über die Argumente für und gegen eine Helmpflicht:

PRO 1. Sicherheit

Einige haben sicherlich schon das Video angeschaut, in dem eine Wassermelone auf der Straße aufprallt, so dass sich das rote Fruchtfleisch auf dem Asphalt verteilt. Mit Helm aber bleibt die herabstürzende Wassermelone beim Aufprall auf die Straße heil und unverletzt. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie schreibt, dass es bewiesen sei, dass ein Fahrradhelm bei Stürzen auf den Kopf vor schweren Verletzungen schützt - vorausgesetzt er sitzt richtig und ist nicht älter als fünf Jahre.

Und: Eine wissenschaftliche Erhebung aus dem "TraumaRegister DUG" der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zeigt, dass über 70 Prozent der in Lebensgefahr schwebenden Fahrradfahrer schwer am Kopf verletzt sind.

2. Vorbildfunktion

Egal ob Helmpflicht-Befürworter oder Helmpflicht-Gegner: Dass ein Helm bei Kindern sinnvoll ist, darin sind sich alle Experten einig. Klar ist aber auch, dass es für Kinder schwer nachzuvollziehen ist, warum sie einen Helm tragen sollen, wenn es die Eltern, Großeltern, Tanten oder Onkel nicht tun. Daher hat der Helm auch eine Vorbildfunktion.

3. Sichtbarkeit

Bunt, grell, auffällig: Helme können alleine schon deswegen für mehr Sicherheit sorgen, weil Radler mit Helm besser zu sehen sind. Dieses Argument aber führt direkt zu den Gegenargumenten für eine Helmpflicht.

CONTRA

1. Scheinbares Sicherheitsgefühl

Das Tragen eines Helmes kann dem Radler ein falsches Gefühl von Sicherheit geben, sagen manche.Tatsächlich aber gibt es keine eindeutige Studienlage zur Behauptung, dass Radfahrer risikofreudiger fahren, wenn sie einen Helm tragen. Es muss sich also jeder selbst fragen: Bin ich risikofreudiger mit Helm oder ohne? 2. Eitelkeit und Praktikabilität

Zugegeben: Schöner macht ein Helm nicht unbedingt. Und er kann nerven: Wohin mit ihm, wenn man kurz in die Stadt will? Am Lenker kann er geklaut werden oder wird bei Regen nass. In der Tasche stört er. Überhaupt: Im Sommer ist er zu heiß. Und im Winter frieren einem die Ohren, weil die Mütze nicht mit unter den Helm passt.

3. Radverkehr geht zurück? Würde der Helm zur Pflicht werden, würden viele gar nicht mehr Radfahren, so die Befürchtung. Statistiken aus Australien zeigen tatsächlich, dass nach Einführung der Helmpflicht die Radnutzung um 20 bis 40 Prozent sank. Das hätte auch zur Folge, dass Radfahrer ein ungewohntes Bild im Straßenverkehr wären. Das wiederum könnte zur Folge haben, dass Autofahrer unsicherer auf Radler reagieren, weil sie es nicht mehr gewohnt wären.

Fazit? Die Debatte um eine Helmpflicht wird die Politik und die Gesellschaft noch länger beschäftigen. Vielleicht könnte folgendes Statement der Deutschen Polizeigewerkschaft die Lösung des Problem sein: "Ja zum Fahrradhelm, nein zur Helmpflicht!"