Für einige hat es schon immer da gestanden. Historische Nachweis hingegen beweisen, dass das Ehrenmal neben der St. Kilian Kirche mermals ergänzt wurde und eine bewegte Geschichte hat; in der mit dieser Wochen ein weiteres Kapitel geschrieben wird. Fakt ist: Im Zuge der Marktplatzneugestaltung wird das Ehrenmal in abgebaut und im Anschluss fachgerecht restauriert. Danach wird es wieder aufgestellt, jedoch nicht am Marktplatz, sondern im Friedhof.

Das hat der Stadtrat in einer hochemotionalen Debatte mit sehr unterschiedlichen Positionen beschlossen, wie Bürgermeister Thomas Söder (CSU) dazu feststellt. Auch im Fränkischen Tag hatten Bürger in Leserbriefen engagiert Stellung bezogen. Für Stadtbürger wie Passanten stellt das wuchtige Ehrenmal einfach einen signifikanten Ort in der Mitte Hallstadts dar.

Doch was sagt der Blick in die Stadtgeschichte? Eine ausgewiesene Expertin ist hier Claudia Büttner, studierte Volkskundlerin und seit vielen Jahren gefragte Stadtführerin.

Sie verweist zunächst einmal auf die Tatsache, dass das Umfeld der katholischen Stadtpfarrkirche bis 1828 als Friedhof genutzt worden war. Danach wurde der Gottesacker aufgelassen. Erst im Jahr 1887 wurde dann neben der Kirche eine Kreuzigungsgruppe aufgestellt. 1930 fand sie eine Erweiterung um ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. "Ein Heldenmal", wie es in Aufzeichnungen genannt wurde.

Für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs wurde ebenfalls ein Ehrenmal errichtet, "allerdings im Friedhof", gibt Claudia Büttner aus ihren Recherchen in der Stadtgeschichte wieder. Wie es danach weiterging, ist schwer zu sagen. Fest steht aber auch, dass auf dem Stadtgebiet ein weiteres Ehrenmal errichtet worden ist: Auf dem Kreuzberg über Dörfleins steht noch heute weithin sichtbar ein nach Osten ausgerichtetes Kreuz. Laut Claudia Büttner erinnert es an all die im Zweiten Weltkrieg im Osten Gefallenen beziehungsweise Vermissten aus Hallstadt.

In einer Auflistung der Stadtarchivarin Elisabeth Schreiber aus den 90er ist dann von einer Hinzufügung und Neugestaltung des Kriegerdenkmals auf dem Marktplatz vom November 1960 die Rede und für 1979 von neuen Relieftafeln für das Gefallenenehrenmal. Claudia Büttner vermutet dazu, dass in jenem Jahr auch der Marktplatz umgestaltet worden war.

Während sich keine Hinweise finden, was aus dem Gefallenendenkmal für die im Zweiten Weltkrieg getöteten Hallstadter Soldaten geschah, stehen seit vielen Jahren die Namen aller in den beiden Weltkriegen getöteten Hallstadter Soldaten und Bombenopfer in der Sankt Kilian Kirche auf Holztafeln direkt unter der Orgelempore, wenn man die Kirche betritt, auf der linken Seite. Somit wird die Erinnerung an sie an einem wohl durchaus würdigen Ort aufrecht erhalten.

Wie beurteilt die Volkskundlerin nun die Verlegung von Kreuzigungsgruppe und Ehrenmal? "Das Mahnmal verdient einen würdigeren Platz", den sieht sie im Friedhof, zumal hier schon einmal eines gestanden hatte. Wenn man nun schon den Marktplatz für viele Jahren und Jahrzehnte neu gestalte, dürfe man auch etwas verändern, findet sie. Dazu gehöre dann auch die Versetzung des Ehrenmals.

Für diese Sichtweise erntet Claudia Büttner, die auch für den Bürgerblock im Stadtrat engagiert, Kritik; meist von etwas älteren Bürgern. Die argumentierten meist damit, bei dem Mal handle es sich um etwas Historisches. Dagegen kontert sie: "Fragen Sie mal die Jüngeren, die wenigsten bringen das in Zusammenhang mit den Gefallenen."

Ein vehementer Verfechter für den bisherigen Standort ist der Hallstadter Gregor Hofmann, der wie er meint, für viele Hallstadter spricht. Bei vielen Anlässen habe man sich bei der Kirche versammelt, immer mit dem Ehrenmal im Hintergrund. "Es ist nicht vorstellbar, dass es wegkommt," findet er. Hofmann geht noch weiter und meint, bei dem Platz im Friedhof werde es ins Abseits gerückt. Für Hofmann steht fest, "dass es mehr Hallstadter gibt, die meinen, es muss am alten Platz bleiben." Er gibt auch zu bedenken, beide Bürgermeister hätten sich für den bisherigen Standort ausgesprochen.

12:8-Beschluss

Den Stadtratsbeschluss vom Dezember 2017 - 12:8 für die Verlegung - kommentiert der 78-Jährige so: "Einen Stadtratsbeschluss könnte man doch auch wieder ändern."

Selbst Nicht-Hallstadter bewegt die Versetzung, etwa Gertrud Karrer aus dem Zapfendorfer Gemeindeteil Lauf. Sie sei nahezu täglich an dem Ehrenmal vorbei gefahren. Sie sieht in dem Mal mit der Kreuzigungsgruppe ein christliches Symbol, das weggeräumt wird. Wenn ein Kreuz an dieser (zentralen) Stelle störe, sei das "ganz schwach für Hallstadt.

Bäume sollen kommen

Wenn die Stadt bei der Neugestaltung nun an die Pflanzung von Bäumen in dem Bereich denkt, erntet Bürgermeister Söder auch dafür von einigen Kritik. Dabei hat er von Bürgern eine historische Aufnahme bekommen, die ein von Bäumen umrahmtes Ehrenmal zeigt.

Die Hallstadter hatten übrigens schon einmal länger Gelegenheit, sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das Mahnmal im Friedhof wirkt: Im Originalmaßstab wurde eine Abbildung aufgestellt. Nach aktueller Beschlusslage wird das Ensemble künftig hier stehen.

KOMMENTAR:

Warum nicht was Modernes?

Erinnern und Mahnen. Dafür steht das Ehrenmal, das nun nicht mehr am Hallstadter Marktplatz stehen wird. Mit Respekt begegnen alle Beteiligten dem Ehrenmal. Nur entzweit die Standortfrage.

Ein Mal, das an Verstorbene erinnert, passt von der Art her immer in einen Friedhof. Zumal der Würdigung der Gefallenen hier wohl ein größerer Rahmen zuteil wird, als bei den üblichen Akten treuer Veteranengrüppchen am Vorabend des Volkstrauertags. Die Würdigung am Friedhof lebt hier vermutlich länger fort.

Die Namen aller in den zwei Weltkriegen umgekommenen Hallstadter sind für die Nachwelt in der Pfarrkirche erhalten.

Wenn nun der zeitgemäßen Neugestaltung des Marktplatzes das alte, und immer wieder erweiterte steinerne Mal verschwindet, könnte man hier aber auch den Schritt in die Zukunft schaffen. Mit einem zeitgemäßen, neuen und durchaus weniger voluminösen Mahnmal für den Frieden, das dann vielleicht auch wieder die Jüngeren zum Nachdenken bewegt - Ältere jenseits des Vertrauten neu inspiriert. Damit könnte sich der Effekt mit zwei Mahnmalen vielleicht sogar noch potenzieren. Davon profitieren doch dann alle. a.schreiber@infranken.de