Eisenbahn, Autobahn, Überschwemmungsgebiet, Naturschutzgebiet und dann auch noch eine Stromtrasse: Hallstadt hat keine Möglichkeit, ein neues Baugebiet auszuweisen. Dabei wächst die Stadt derzeit jährlich um rund 100 Neubürger. Einziger Ausweg - Nachverdichtung, also die Baulücken nutzen.

1960 zählte Hallstadt 5000 Einwohner. Mit der Michelin-Ansiedlung 1970 wuchs die Stadt auf 6000 an und mit der Ansiedlung weiterer Unternehmen in den 80ern wurde die 7000er Marke geknackt. Der Spitzenwert ist 2010 mit 8930 Einwohnern (Erst- und Zweitwohnsitz) dokumentiert. Ab da und bis 2015 verlor die Stadt dann jährlich rund 100 Einwohner. Und jetzt wieder ein jährlicher Zugewinn in gleicher Höhe. Den sieht Erster Bürgermeister Thomas Söder (CSU) den jüngsten Firmenerweiterungen geschuldet.

Das momentan 8939 Einwohner zählende Hallstadt wächst also weiter. Nur: Wohnraum wird dadurch noch knapper. Und jeden Tag trudeln bei der Stadt Anfragen von Bauwilligen ein. Was tun?

Die Stadt hat bereits ein Baulückenkataster und auch die Leerstände (leer stehende Häuser) ermittelt. Derer gibt es 30. Mit knapp 300 Baulücken beziehungsweise freien Flächen mit insgesamt über 18 000 Quadratmetern hätte man eigentlich genug Land, um alle Nachfragen zu befriedigen, resümiert Thomas Söder. Hätte. Denn kaum jemand verkauft. Söder hat dafür nicht nur eine Erklärung, sondern in gewisser Weise auch Verständnis. Angesichts der momentanen Zinslage "kann man nichts mit dem Geld anfangen." Es ist auch so, dass Grundstücke immer noch für Kinder und inzwischen auch schon für die Enkel aufgehoben werden. In der Hoffnung, dass sie hierher bauen.

Doch die Realität sieht heute so aus, dass die jungen Leute nicht mehr am Ort bleiben, sondern in die ganze Welt gehen. Söder, einer von sechs Geschwistern, erlebt das auch in der eigenen Familie hautnah mit. Er ist der Einzige, der noch in Hallstadt geblieben ist.

Aus Sicht der Stadt gilt es, innovativ zu sein, an kleinen Stellschräubchen zu drehen: Da ist derzeit das Innerstädtische Quartier. Der Bauträger, die Joseph Stiftung, wird zwischen Seniorenheim und dem neuen Stadtpark, für den die Bauarbeiten in Kürze beginnen, 19 Wohnungen und sechs Doppelhäuser errichten.

Mit einer weiteren Stiftung, der Katholischen Kirchenstiftung, hat die Stadt ein anderes Bauvorhaben ermöglicht, führt der Bürgermeister weiter aus: Um den Feuerwehr-Neubau ausführe zu können, wurde im Norden der Stadt ein zusätzliches Grundstück benötigt. Dieses befand sich in Besitz der Kirchenstiftung. Dafür tauschte die Stadt eine Fläche an der Dörfleinser Schule ein, die vor langem einer Schulerweiterung zugedacht war. Noch im Herbst soll ein vereinfachter Bebauungsplan aufgestellt werden, so dass die Kirchenstiftung in Dörfleins etwa zehn bis zwölf Baurechte ausweisen kann.

Weil es sich um Innenverdichtung handelt, so erklärt Söder, ist so ein Verfahren wesentlich kürzer als ein reguläres. Häuslebauer können vermutlich schon im nächsten Jahr loslegen. Zielgruppe sind dabei junge Familien, die entsprechende Vergünstigungen erhalten sollen. Denn die Baulandpreise in Hallstadt und Dörfleins liegen bei 200, 300 Euro für den Quadratmeter. "'In Dörfleins am Berg immer mal zwei".


Aus eigenen Flächen

Die Stadt Hallstadt generiert Bauland auch aus eigenen Flächen: 900 Qudratmeter, einstmals in "Hallstadt-West" für einen Kinderspielplatz vorgesehen, werden demnach Bauland. Ebenso wie 400 Quadratemterdie in Dörfleins Spielplatz werdebn sollte. Wie sich gezeigt habe, so Söder genügen die derzeitigen Spielplätze vollkommen, so dass auf diese Reserven verzichtet werden kann. Freilich hat allein die Ankündigung dieser Pläne "die Telefone nicht mehr stillstehen lassen".

Die Stadt geht das Thema Leerstand auch selbst an, so der Bürgermeister. Er erinnert an den einstigen Georgenhof, dessen Sanierung läuft, an die Fischergasse 6, die Artothek wird. Außerdem versucht die Stadt, Sanierungswillige parallel zur Städtebauförderung zu unterstützen.

Um auf begrenztem Raum doch mehr Wohnraum zu schaffen, wählt Hallstadt den Weg in die Höhe, also mehr Geschosse als bisher. Hochhäusern erteilt der Bürgermeister - außer den drei bestehenden - gleichwohl eine Absage.