Was die vergangenen Jahrhunderte an Kunst und Krempel hervorgebracht haben - im Auktionshaus in der Unteren Königstraße steht es dicht gedrängt, in kreativem Durcheinander: Der blaue Porzellannachttopf, das Gemälde einer Schönheit aus den 20er Jahren und der wuchtige Biedermeierschrank. Nicht gerade das Milieu für staatsgefährdende Umtriebe oder Nazi-Propaganda.

Und doch bekam der öffentlich bestellte und vereidigte Auktionator Johann Sebök Ende Oktober 2015 ungebetenen Besuch. Zwei Herren in Zivil, die sich als Mitarbeiter des Verfassungschutzes zu erkennen gaben, ermittelten im Auftrag der Bamberger Staatsanwaltschaft.

Durchsuchung, Beschlagnahmung von mehreren Objekten und schließlich ein Strafbefehl mit 20 Tagessätzen. Sebök, aus Rumänien stammender Deutscher, der sich seit über 25 Jahren in Bamberg als Kunsthändler einen Namen gemacht hat, ist einigermaßen schockiert über die Vorwürfe, denen er sich seither ausgesetzt sieht - Paragraf 86a des Strafgesetzbuches sieht Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren für das Verbreiten von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor.


Eine anonyme Anzeige

Was Sebök getan hat, wäre der Staatsanwaltschaft wohl kaum aufgefallen, hätte ihn nicht eine bis heute unbekannte Person angezeigt. Sebök hat, wie bei allen Auktionen üblich, sämtliche 800 Objekte aus mehreren Jahrhunderten auf Fotos in einen nur im Internet zu findenden Katalog eingestellt, darunter zwei Zigaretten-Bilderalben aus der NS-Zeit "Olympia 1936" und "Adolf Hitler" , ein Reichsgesetzblatt 1943, beide mit Hakenkreuz, sowie mehrere Orden aus dem "Dritten Reich".


Für Jedermann zugänglich

Für die Bamberger Staatsanwaltschaft erfüllt diese Zurschaustellung den Tatbestand des verbotenen Verbreitens nationalsozialistischer Symbole. Es mache einen Unterschied, ob man die Katalogbilder nur einem kleinen Kreis von Menschen in einem Katalog zugänglich mache oder eben im Internet für alle ersichtlich, heißt es auf Nachfrage beim Amtsgericht Bamberg, wo der Fall verhandelt werden soll.

Johann Sebök hat Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Er sieht sich zu Unrecht verfolgt und in seiner Freiheit als Verkäufer beeinträchtigt: "Ich handele unter anderem auch mit diesen Dingen, ich mache sie mir weder zu Eigen, noch betreibe ich Propaganda. Es geht immer um Zeitgeschichte. Aus diesem Grund würde ich auch niemals nachgemachte Objekte aus der NS-Zeit verkaufen", sagt Sebök. Man muss wissen: Um Käufer auf die Rechtslage hinzuweisen, ist in jedem Katalog auch ein Warnhinweis enthalten. Der Verkauf solcher Objekte, heißt es stereotyp, dürfe nur zu wissenschaftlichen und kunstgeschichtlichen Zwecken erfolgen.


Münzverkauf auf Ebay

Jochen Kaller vertritt Sebök als Rechtsanwalt. Er hat wenig Verständnis für das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Der unbescholtene Kunsthändler könne in keiner Weise rechten Gedankenguts verdächtigt werden. Ihn wegen der Verbreitung nationalsozialischer Symbole zu belangen, weil sein Internetkatalog auch kunst- und zeitgeschichtliche Objekte aus der Nazizeit gezeigt habe, sei übertrieben und werde auch durch die Rechtsprechung nicht gedeckt. Kaller weist auf das Urteil des Landgerichts Koblenz hin, in dem dieses 2008 festgelegt hat, dass beispielsweise die bloße Abbildung von Reichsmark-Münzen mit Hakenkreuz auf " Ebay" nicht ausreiche, um den Verkäufer der Nazi-Propaganda zu bezichtigen. Weiter habe auch der Bundesgerichtshof festgestellt, dass die objektive Sichtbarmachung von NS-Symbolen nicht den Tatbestand der Verbreitung erfülle.
Der Rechtsanwalt hat deshalb Beschwerde gegen die Hausdurchsuchung von Sebök eingelegt. Er geht fest davon aus, dass der Auktionator freigesprochen wird.

In seiner letzten Versteigerung im Februar hatte Johann Sebök wieder Hunderte von Objekten im Angebot, die über das Internet im weiten Umkreis verkauft wurden. Viele Gemälde sind darunter gewesen, Möbel, Münzen und Schmuck. Unter der Abteilung Historika findet sich Nr. 5711, ein "Ehrenkreuz für die Deutsche Mutter, dritte Stufe". Das Hakenkreuz hat Sebök diesmal abgeklebt.