"Schläger verletzen Mann schwer" meldete der FT am 3. April 2013 über einen Vorfall, der sich in der Nacht zum 1. April, dem Ostermontag, an der Promenade ereignet hatte: Drei junge Männer hatten einen anderen zusammengeschlagen und noch brutal getreten, als das Opfer schon am Boden lag.

Am Dienstag sollte vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts als Schwurgericht der Prozess gegen die drei beginnen: Ein 23-jähriger Student und ein 22-jähriger Fachoberschüler sind wegen versuchten Totschlags angeklagt. Der Dritte (22) wird der versuchten gefährlichen Körperverletzung beschuldigt.

Doch die Hauptverhandlung war zu Ende, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Weil ein Gutachter krank geworden ist und seine schnelle Genesung unwahrscheinlich erscheint, setzte die Kammer unter Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt das Verfahren ganz aus.

Ohne diesen Sachverständigen wollten auch die Verteidiger des Studenten nicht verhandeln. Für den 23-Jährigen hängt womöglich viel vom Gutachten ab, das der erkrankte Psychiater über ihn und seine Persönlichkeitsstruktur abgeben soll.

Es könnte auch ein Stück weit Aufschluss darüber geben, was in der Nacht des 1. April in drei bislang nicht vorbestrafte junge Männer gefahren ist, dass sie einem Gleichaltrigen so übel mitgespielt haben.

Der Anklageschrift zufolge war kurz nach 5 Uhr in der Promenadenstraße eine Auseinandersetzung eskaliert, die eine halbe Stunde vorher in einem Disco-Bus auf der Fahrt aus dem Landkreis nach Bamberg begonnen hatte.

Zwei der drei Freunde sollen mehrfach und ohne jede Veranlassung die Freundin des späteren Opfers an den Haaren gezogen haben. Ihr Begleiter mischte sich ein, es kam zu einem Wortgefecht und schließlich zu einem Handgemenge. Nachdem der Busbegleiter dazwischen gegangen war und sich die Beteiligten auseinander gesetzt hatten, beruhigte sich die Lage.

Am Zentralen Omnibus-Bahnhof stiegen alle aus. Die Angeklagten folgten dem Pärchen. Auf Höhe Promenadenstraße 18 sollen zwei von ihnen dann den Mann angegriffen und zu Boden geschlagen haben.

Als ihr Opfer schon wehrlos und mit dem Gesicht auf dem Pflaster lag, traten sie es den Ermittlungen zufolge noch etliche Male kurz und heftig gegen Kopf und Körper.

Dem dritten Angeklagten, der in dieser Phase hinzu gekommen sein soll, werden ebenfalls Tritte angelastet. Erst als ein Passant dazwischen ging, hörte das Trio auf und flüchtete.

Das 22-jährige Opfer erlitt einen Nasenbeinbruch, eine Platzwunde, Blutergüsse und Abschürfungen an Kopf, Armen und Beinen. Die junge Frau hatte ebenfalls Fußtritte abbekommen, als sie sich schützend über ihren Freund gelegt hatte.

Bis das Strafverfahren beginnt - voraussichtlich nicht vor Januar - müssen die Hauptangeklagten in Untersuchungshaft bleiben. Insoweit folgte das Gericht Oberstaatsanwalt Bernd Lieb. Er hält wegen dringenden Tatverdachts und der drohenden Strafen Fluchtgefahr für gegeben: "Wir reden von Freiheitsstrafen, die sich in einer Größenordnung von fünf Jahren aufwärts bewegen."

Die Verteidiger des Studenten und des FOSlers hatten dagegen beantragt, die Haftbefehle außer Kraft zu setzen, gegebenenfalls gegen Auflagen. Zur Begründung meinte Rechtsanwalt Seifert, der den 23-Jährigen vertritt: "Wir haben es nicht mit irgendeinem reisenden Kriminellen zu tun, sondern mit einem jungen Mann, der in ein schlimmes Geschehen geraten ist."