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Gutscheine nähren auch in Bamberg die Hoffnung

Seit Wochen leiden die Geschäfte unter pandemiebedingten Schließungen - für manche ist kein Ende abzusehen. Initiativen wie "Bamberg helfen" oder die "Gutscheinbrücke" sollen den Inhabern zumindest etwas Geld in die Kassen spülen.
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Auch wenn zumindest Läden bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche nächste Woche wieder öffnen dürfen, bleiben es schwere Wochen für Einzelhändler und Gastronomen. Viele setzen in Zeiten der Corona-Krise auf Lieferdienste, eigene Onlineshops - und auf Gutscheine. Das fördern auch die beiden Horando-Gründer Stefan Sebök und Christopher Fischer. "Wir sind zwei Bamberger und kommen als Online-Händler ganz gut zurecht. Aber wir kennen viele Geschäftsleute, denen es gerade nicht so gut geht", sagt Sebök. Als einer der führenden Online-Uhrenhändler könne sein Unternehmen mit der Plattform "Bamberg Helfen" eine kleine Hilfestellung geben, um dennoch Umsätze während der Corona-Krise zu generieren.

Die kostenlose Plattform wurde relativ "schnell, aber ordentlich" aufgesetzt, inzwischen haben sich bereits 92 Händler angemeldet. Über "Bamberg helfen" können sich Kunden ihren Wunschgutschein auswählen und mit Kreditkarte oder Paypal bezahlen. Das Geld fließt dann über Horando an die Betreiber. Automatisch wird ein Gutscheincode generiert, den nur Kunde und Händler kennen. Die Gutscheine gibt es nur als Online Voucher - völlig digital. Kunden bekommen zusätzlich einen digitalen "Bamberg helfen"- Gutschein an die Hand, den Sie theoretisch auch ausdrucken und ausfüllen können.

Mittlerweile sind bereits Gutscheine für mehr als 7500 Euro geordert worden. "Es ist zumindest eine weitere Einnahmequelle", sagt Sebök. Und er weiß auch, dass manche der Gutscheine relativ schnell eingelöst werden - etwa in Gastro-Betrieben mit Lieferservice oder Essensabholungen. "Wir lassen die Plattform auf jeden Fall noch so lange laufen, bis auch die Gastronomie wieder vollständig öffnen kann. Anschließend werden wir dann entscheiden, wie es weitergeht."

Karlheinz Brehm von Foto-Thomas in der Unteren Königstraße hat sich gleich mit angemeldet. "Ich weiß nicht, ob wir dadurch viele Gutscheine verkaufen, aber jeder einzelne ist besser als nichts." In der aktuellen Situation habe es der Einzelhandel noch einmal schwerer gegen die Dominanz der preisgünstigeren Online-Portale. "Ich fürchte, dass momentan noch mehr Leute auf den Geschmack kommen und sich jetzt immer alles am Computer bestellen." Sein Betrieb lebe aber schon jetzt vor allem von Dienstleistungen wie Videos und Fotobüchern. "Ich finde es richtig, dass auf diesem Weg der heimische Handel unterstützt werden soll", sagt er über die neue Gutschein-Plattform. "Die kostet uns nichts und wir probieren das aus."

Brehm wird sich auch beim Projekt "Gemeinsam Bamberg" der Bamberger Firma Lion5 anmelden, wo ebenfalls Geschäfte mit potenziellen Gutscheinkäufern zusammengebracht werden. Ein anderer Geschäftsmann, der nicht namentlich genannt werden möchte, fürchtet, "dass nicht viel für uns dabei herumkommt". In seiner Branche seien Gutscheine nicht sehr verbreitet. Aber angemeldet habe er sich trotzdem einmal.

Schutzgemeinschaft sorgt sich

"Das mit den Gutscheinen ist eine gute Sache", findet Anne Baum, die Chefin von Lollibel, einem Kindermoden-Laden in den Theatergassen. Sie hat sich auch bei "Bamberg helfen" registriert. "Ein bisschen was kann man damit zumindest einnehmen und den Kunden bleiben die Namen der Geschäfte im Kopf."

Ansonsten setzt auch sie auf Verkäufe über ihren Online-Shop ("Viele bestellen jetzt extra bei uns statt bei Amazon"), musste aber auch Soforthilfe beantragen. "Ich hoffe, dass wir da bald was bekommen." Die Zwangsschließung habe vielen Geschäften große Probleme bereitet, aber "die Gesundheit ist tatsächlich das Wichtigste".

Auch die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg sorgt sich um die einzigartigen inhabergeführten Läden und Lokale der Stadt: "Gerade sie leiden unter der jetzigen Zwangsschließung besonders und vielen droht der Bankrott. Deshalb haben wir die ,Aktion Gutscheinbrücke' ins Leben gerufen. Damit kann jeder von uns dazu beitragen, dass wir nicht bald nur noch Filialen großer Ketten in unserer Stadt haben."

Auf ihrer Homepage gibt die Schutzgemeinschaft Tipps zum Gutscheinkauf und listet eine ganze Reihe von Geschäften mit Kontaktdaten auf. Sie rät, die Gutscheine "nicht sofort einzulösen, sondern einige Wochen zu warten, damit die Geschäfte eine Chance haben, nach der Krise erst mal wieder etwas Umsatz zu machen".

Was man über Gutscheine wissen sollte

Gültigkeit

Wenn auf einem Gutschein kein Verfallsdatum vermerkt wurde, so gelten die gesetzlichen Regelungen mit einer Verjährungsfrist von drei Jahren.

Gerechnet wird ab Ende des Jahres, in dem er gekauft wurde. Gutscheine aus dem Jahr 2020 gelten also bis Ende 2023.

Übertragbarkeit

Ein Gutschein gilt rein rechtlich als "kleines Inhaberpapier". Ein solches kann prinzipiell jeder einlösen, selbst wenn der Gutschein auf eine bestimmte Person ausgestellt ist.

Pleite

Wird beim Aussteller des Gutscheins ein Insolvenzverfahren eröffnet, kann der Käufer diesen nicht mehr einlösen. Der Besitzer müsste seine Forderung dann höchstens über ein Insolvenzverfahren anmelden.