Mit einigen Änderungen können die Bamberger Architekten Elmar und Matthias Bornhofen nun ihr Projekt einer Seniorenwohnanlage in Stegaurach realisieren. Gegen das Vorhaben, auf einem bislang unbebauten Grundstück in der Ortsmitte drei Wohnhäuser mit zusammen 42 Wohneinheiten für barrierefreies und betreutes Wohnen für Senioren und Menschen mit Behinderung zu errichten, hatte sich nach Bekanntwerden der Pläne massiver Widerstand vor allem von Bewohnern des angrenzenden Wohngebiets geregt.

Nachdem sich bei einem Arbeitstreffen mit Vertretern des Gemeinderats, den Architekten und einem Vertreter der Anwohnerinitiative "Nicht mit uns!!!" Ende September ein möglicher Konsens abzeichnete, hat der Gemeinderat nun in seiner jüngsten Sitzung die "Vorhabenbezogene Bebauungsplanänderung Kreuzweiher - Seniorenwohnanlage" im "Sondergebiet Betreutes Wohnen - Senioren" beschließen.
Dazu war allerdings ein Sitzungsmarathon nötig, in dem das Gremium zu jedem Punkt einer jeder Eingabe aus der öffentlichen Auslegung und "Beteiligung der Träger öffentlicher Belange" einen eigenen Beschluss fassen musste.

Bedenken hatten die künftigen Nachbarn vor allem hinsichtlich Verkehrsbelastung, der Auswirkungen auf das Ortsbild und des Schattenwurfs der drei geplanten Gebäude sowie der möglichen Überbelastung der bestehenden Kanalisation. Insbesondere hatte sich der Widerstand daran entzündet, dass die Architekten - die das Projekt ohne Investor in Eigenregie bauen und vermarkten wollen - ursprünglich nur neun Stellplätze für die maximal 42 Wohneinheiten vorgesehen hatten. Der gültigen Stellplatzsatzung der Gemeinde hätte dies bei einem Faktor von 0,2 für je 50 Quadratmeter Wohnfläche in Seniorenheimen zwar entsprochen. Doch da in der geplanten Wohnanlage bereits Menschen ab 50 und jüngere mit einem Behinderungsgrad von 30 Prozent Eigentum erwerben und einziehen können, war davon auszugehen, dass sowohl diese selbst, als auch anfahrende Pflegedienste mehr Parkraum im Umfeld benötigen.

Bei dem Arbeitstreffen hatte Elmar Bornhofen dann mehrere Änderungsvorschläge gemacht. Für mehr Parkraum will er nun zwischen den Gebäuden zwei Tiefgaragen bauen und auch oberirdisch weitere Stellplätze schaffen. Insgesamt soll es nun je Wohnung einen Stellplatz geben, also insgesamt bis zu 42 - teils mit einer behindertengerechten Breite von 3,50 Meter, teils 2,75 breit, wie Elmar Bornhofen in der Sitzung auf Nachfrage von Gemeinderätin Ute Trepesch (BNL) zusicherte. Die Zahl der Stellplätze entspricht damit für die Seniorenwohnanlage genau den Vorgaben für ein allgemeines Wohngebiet. Alles weitere regele die Straßenverkehrsordnung. Zudem soll entlang der Renkenstraße ein durchgehender Fußweg entstehen, der die Verbindung zwischen den Häusern auch mit Rollstühlen oder Rol latoren erleichtert.

Etwas kleiner und versetzt

Um den Schattenwurf auf die angrenzenden Wohnhäuser zu minimieren - nach dem Gutachten zur ursprünglichen Planung wären sie Ende Dezember in den Nachmittagsstunden teilweise beschattet worden - werden die drei Gebäude nun leicht nach Westen, das östliche zusätzlich leicht nach Süden versetzt. Zudem werden sie in der äußeren Dimension leicht abgespeckt, die Grundflächen werden von zunächst geplanten 21,50 mal 18,10 Meter auf 20,10 mal 17,10 Meter reduziert. In der Höhe erreichen sie mit drei Vollgeschossen 8,70 Meter plus 3,05 Meter für ein um drei Meter zurückversetztes Penthouse. Laut Bauamtsleiter Andreas Geck sind die Häuser damit rund drei Meter niedriger, als nach dem ursprünglichen Bebauungsplan - der drei Vollgeschosse plus ein Satteldach erlaubt hätte - möglich gewesen wäre.

Damit würden sie auch das Ortsbild nicht stören, hieß es schließlich in den Beschlüssen zu den entsprechenden Einwänden der Gegner, die angeführt hatten, dass der Hochhauscharakter der Anlage nicht in ein Dorf gehöre. Bürgermeister Siegfried Stengel (CSU) betonte auch, dass die Anlage sogar einen Sichtschutz gegenüber der Rückseite des Gebäudekomplexes an der Bamberger Straße biete, der nach den ursprünglichen Bebauungsplanvorgaben errichtet wurde, deutlich größer dimensioniert ist als die nun geplante Anlage und der inzwischen in Stegaurach allgemein als architektonisch wenig glücklich betrachtet wird.

Die Frage der Kanalisation wurde im Vorfeld durch das Fachbüro Balling geprüft. Demnach hätte es bei einer Entwässerung über den von Wildensorg her kommenden Mischwasserkanal, der unter der Straße Am Kreuzweiher verläuft, in Ex tremfällen zu einem Rückstau kommen können. Deshalb soll die Seniorenwohnanlage über eine bereits früher geplante Alternative entwässert werden: einen Privatkanal, der das Wasser direkt in den Hauptkanal unter der Bamberger Straße ableitet. Zu jedem dieser Kritikpunkte aus den drei Einzeleingaben sowie einer Unterschriftensammlung unter Anwohnern des Kreuzweiher-Gebiets musste der Gemeinderat einen entsprechenden Beschluss fassen. Diese fielen teils einstimmig im Sinne des bei einem Ortstermin erzielten Konsens aus. Lediglich Joseph Höpfner (SPD) hielt das Vorhaben weiterhin für überdimensioniert.

Hoffnung auf baldigen Bau

Die Behandlung der Einwendungen der so genannten Träger öffentlicher Belange, also beispielsweise des Landratsamtes oder der Regierung von Oberfranken, oder auch des Stromnetzbetreibers Eon und der Wasserversorgung der Auracher Gruppe, war hingegen eher ein formaler Akt.

Thilo Wagner (FL-ÜWG) wünschte schließlich noch eine Aussage von Seiten der in der Sizung anwesenden Gegner des Projekts. Von dieser Seite kamen keine neuen Gegenargumente. Es war aber herauszuhören, dass die Anwohner nach wie vor nicht begeistert über eine neue Nachbarschaft anstelle einer unbebauten Wiese sind.
Bürgermeister Stengel verlieh schließlich der Hoffnung Ausdruck, dass nach all den Mühen, die man sich gegeben habe, und der vielen Bebauungspläne für das Kreuzweiher-Gebiet, die man bereits aufgestellt habe, das Projekt nun auch tatsächlich realisiert werde.