Greta: Was passiert, wenn man bei einem Psycho-Thriller zu sehr übertreibt, kann man gut bei "Greta" beobachten. Denn eigentlich hat der Film alles, was gute und spannende Kino-Unterhaltung ausmacht. Da ist die junge Kellnerin Frances (Chloe Grace Moretz), die noch nicht allzu lange in New York lebt. Eines Tages sieht sie in der U-Bahn ein Täschchen (eines von Chanel wie der Abspann informiert) samt Personalausweis und bringt es zum Entsetzen ihrer Mitbewohnerin Erica (Maika Monroe) zur Besitzerin Greta (Isabelle Huppert) zurück. Die Witwe lädt Frances zum Dank nicht nur zu einer Tasse Kaffee ein. Es entwickelt sich auch eine Freundschaft, die Frances erst dann beendet, als sie durch Zufall etliche Täschchen mit Namen und Telefonnummern anderer Frauen in einem Schrank findet.

Subtil furchteinflößend

Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass "Greta" auf einer subtilen Ebene furchteinflößend ist und teilweise atemlose Spannung verbreitet. Das liegt nicht unbedingt an überragenden Fähigkeiten der Schauspieler, sondern daran, dass ganz alltägliche Situationen plötzlich in ihrer Banalität unheimlich wirken. Weil aber immer neue Wendungen dieses Unheimliche immer noch einen Tick weiter steigern wollen, bleibt leider die Glaubwürdigkeit der Handlung auf der Strecke. Für gute und spannende Unterhaltung reicht es zwar, wer aber einen wirklich gut gemachten Thriller sehen möchte, sollte sich "A quiet place" ausleihen. Länge 98 Minuten, FSK: 16.

Rocketman: Noch eine Musikerbiografie denkt man als häufige Kinogängerin unwillkürlich, schließlich ist "Rocketman" nach "Bohemian Rhapsody" der nächste Film innerhalb recht kurzer Zeit, der das Leben bekannter Musiker auf die große Leinwand bringt. Sowohl die noch lebenden Mitglieder von Queen als auch Elton John waren jeweils bei der Produktion der Filme beteiligt, weshalb man als Zuschauer davon ausgehen kann, dass nichts zu sehen ist, was nicht deren Segen gefunden hätte.

Wie in "Bohemian Rhapsody" so erzählt auch "Rocketman" die Geschichte eines Mannes, der es gegen Widerstände - in Elton Johns Fall ein konservatives, ja langweiliges Elternhaus - schafft, eine Karriere als Musiker einzuschlagen. Die Texte, die ihm Bernie Taupin (Jamie Bell) aufs Klavier legt, vertont Elton (Taron Egerton) gleichsam während er sie liest. Aus dieser jahrelangen gemeinsamen Arbeit entstehen Lieder, die aus der modernen Popkultur nicht wegzudenken sind und die vor allem Elton Johns Weltruhm begründen.

Während der sich auf der Bühne und bei öffentlichen Auftritten in immer exzentrischeren Kostümen und Brillen zeigt, macht der Film auch deutlich, dass Elton seit seiner Kindheit nur eines sucht: Liebe. Die kindliche Bitte um eine Umarmung ist ebenso berührend wie leitbildhaft für den gesamten Film, der sich nicht um Eltons Homosexualität inklusive offenherziger, aber niemals voyeuristischen Sexszenen herumdrückt und sie als das zeigt, was sie ist: Ausdruck seines Menschseins. Mag man zu Beginn von "Rocketman" noch Schwierigkeiten damit haben, die Musical-Szenen nicht als Fremdkörper zu empfinden, so merkt man im weiteren Verlauf des zweistündigen Films, dass sie deshalb wunderbar passend sind, weil sie Elton Johns Leben von und mit seiner Musik kongenial ausdrücken.

"Rocketman" ist ein sehenswerter Film, der nicht besser oder schlechter ist als "Bohemian Rhapsody", sondern schon wegen der unterschiedlichen Persönlichkeiten - hier Elton John, dort Freddie Mercury - schlicht anders ist.

Länge 121 Minuten, FSK: 12