Für sexuelle Übergriffe auf seine damals erst elfjährige Tochter muss Thomas R. (Name von der Redaktion geändert) vier Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe verbüßen. Nach zwei Verhandlungstagen, an denen die Öffentlichkeit häufig ausgeschlossen war, verurteilte die Jugendschutzkammer des Landgerichts den Mann am Dienstagabend. Er ist des fünffachen, teils schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen schuldig, sowie einer weiteren Versuchstat.

Weil der Angeklagte nicht erst in der Hauptverhandlung, sondern schon im Lauf des Ermittlungsverfahrens geständig war, blieb seiner Tochter der Gang ins Gericht erspart. Sein Geständnis "wiegt enorm viel", sagte der vorsitzende Richter Martin Barnickel in der Urteilsbegründung an die Adresse des 37-Jährigen. Die Richter nahmen dem Mann aus dem Landkreis Bamberg die Reue ab, die er zu erkennen gab und die ihm an beiden Prozesstagen auch körperlich anzusehen war. In seinem Schlusswort hatte er noch einmal seine Tochter und Frau um Entschuldigung gebeten für das, was er seiner Familie angetan hat.

R. hat sich am Ende der Sommerferien 2014 fünf Mal an seiner älteren Tochter vergangen. Ein weiterer Übergriff im Frühsommer 2016 scheiterte an der Gegenwehr des Mädchens; es blieb bei einer Versuchstat.
Die drei Fälle, in denen er den Analverkehr vollzog, wertete das Gericht als schwere Fälle des sexuellen Missbrauchs eines Kindes beziehungsweise von Schutzbefohlenen.

Besonders verwerflich war es aus Sicht der Jugendschutzkammer, dass R. nach der ersten Tat, die vielleicht noch ein "Ausrutscher" gewesen sei, regelmäßig agiert habe. Der Angeklagte musste sich von Barnickel zudem sagen lassen, dass der Missbrauch durch den Vater als Vertrauensperson besonders schwer wiegt: "Man nimmt dem Kind die ganze Familie!"

Der vorsitzende Richter erinnerte in der Urteilsverkündung an die Worte des Mädchens in der Videovernehmung, die während der Beweisaufnahme eingespielt worden war: Das Opfer hatte wiederholt gesagt, es habe sich aus Angst, die Mutter würde dann die Familie verlassen und der Vater eingesperrt werden, lange niemandem anvertraut. Erst nach dem Vorfall 2016 hatte sie eine Freundin ins Vertrauen gezogen. Diese war zur Polizei gegangen und hatte die Ermittlungen ins Laufen gebracht. Seit November sitzt R. in Untersuchungshaft.

Staatsanwalt Daniel Heppt wollte eine sechsjährige Freiheitsstrafe für den Angeklagten. Dessen Verteidiger Maximilian Glabasnia und Andreas Wölfel hatten auf eine Strafe plädiert, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, also maximal zwei Jahre. Sie begründeten ihren Antrag mit dem Geständnis und dem Bemühen ihres Mandanten um einen Täter-Opfer-Ausgleich: R. hat seiner Tochter 4000 Euro überwiesen.


Mit Geld kaum gut zu machen

Die Kammer anerkannte zwar das Bemühen des Angeklagten, zumal das Geld in der Familie immer knapp war. Barnickel gab aber zu bedenken, dass ein Täter-Opfer-Ausgleich "gerade bei diesen schwersten Sexualstraftaten" problematisch sei: Die Folgen für ein Opfer seien nicht absehbar.

Der bislang unbescholtene Angestellte hat nach Überzeugung der Richter in erster Linie zur eigenen sexuellen Befriedigung gehandelt. Beim Gutachter hatte R. angegeben, er habe seiner Tochter im Hinblick auf künftige Freundschaften mit Jungs "etwas beibringen" wollen. Das erschien den Richtern als nicht völlig ausgeschlossen bei der ersten Tat, ansonsten aber als eher abwegig.


Nichtöffentlich heißt nicht geheim

Rechtslage Strafverfahren finden nach dem deutschen Recht grundsätzlich öffentlich statt. Ausnahmen regelt das Gerichtsverfassungsgesetz. So kann nach Paragraf 171 b die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden, wenn die schutzwürdigen Interessen des Angeklagten oder des Opfers größer sind als das öffentliche Interesse. Im konkreten Fall vertrat die Jugendschutzkammer des Landgerichts diesen Standpunkt, weshalb die Zuhörer im Lauf des Verfahrens immer wieder den Sitzungssaal verlassen mussten.

Ausnahmen Dass die Zeitung trotzdem über den Prozess gegen einen Mann berichtet hat, der seine zur Tatzeit erst elfjährige Tochter mehrfach sexuell missbraucht hat, ist kein Widerspruch. Denn nichtöffentlich ist nicht gleichbedeutend mit geheim. Pressevertretern kann, wie hier geschehen, die Anwesenheit auch in nichtöffentlichen Phasen erlaubt werden.
Verbunden damit war eine Auflage, die für verantwortungsvolle Journalisten ohnehin selbstverständlich sein sollte: die Persönlichkeitsrechte des Opfers zu wahren. Soweit aus dem Verfahren dennoch hässliche Details über das zu lesen sind, was dem Mädchen widerfahren ist, entstammen sie der Anklageschrift, die öffentlich vorgetragen wurde - und sie müssen berichtet werden, damit Leser die Taten einordnen können.