Es sei auf jeden Fall ein empfindlicher Eingriff in das Gefüge und müsse mit allen abgestimmt sein. Norbert Eger, der Rektor der Kaulbergschule, formuliert seine Meinung zur geplanten Schulsprengeländerung im Berggebiet vorsichtig.

Nachdem ihm Bürgermeister Christian Lange (CSU) weitere "intensive Gespräche" zugesichert hat, setzt er darauf, dass keine Schule benachteiligt werden soll - auch nicht die Kaulbergschule, die er seit elf Jahren leitet.


Informationsstand uneinheitlich?

Dass das Thema kurzfristig von der Tagesordnung des Kultursenats genommen wurde, in dem es die Stadt am Donnerstag eigentlich behandelt haben wollte, begrüßt der Rektor vom Kaulberg ausdrücklich: "Es sollten mal alle an einen Tisch, dass alle denselben Informationsstand haben."

Am Vortag hatte der Fränkische Tag unter der Überschrift "Aus Südwest nach Wildensorg?" über die geplante Änderung der Schulsprengel im Berggebiet berichtet. Schulreferent und Bürgermeister Lange sieht darin die einzige Chance, um den Schulstandort Wildensorg zu erhalten.
Er schlägt vor, dass der Sprengel Domschule/Wildensorg um den Stadtteil Südwest erweitert wird, der bis jetzt zum Schulsprengel Kaulberg/Bug gehört. Würden die Kinder aus dem Babenberger Viertel automatisch in Wildensorg eingeschult, würde das dazu beitragen, die dortige Schule zu erhalten, argumentiert Lange.

Nach zahlreichen Gesprächen und Informationsveranstaltungen seit Mai 2016 sah er die Zeit reif, um die Angelegenheit über einen Beschluss des Kultursenats an die Regierung heranzutragen. Die Reaktionen nach Bekanntwerden seines Vorhabens bewogen Lange noch am Mittwoch, das Thema zu vertagen.

Zumal auch die SPD-Fraktion, die er vorher "im Boot" wusste, noch Beratungsbedarf sieht. So begründete sie ihren Antrag auf zweite Lesung für den Fall, dass das Thema am Donnerstag behandelt worden wäre.

Tatsache ist: Die Pläne aus dem städtischen Bildungsbüro werden insbesondere am Kaulberg aufgeregt diskutiert. Sowohl für den Vorsitzenden des dortigen Bürgervereins, Gerhard Metzner, als auch für Schulleiter Eger sind, wie sie sagen, noch viele Fragen offen. Der Rektor beklagt zudem einen uneinheitlichen Informationsstand: "Dass es da Defizite gibt, habe ich am Mittwoch in meinen Telefonaten gemerkt."


Sondersitzung vor Juli geplant

Lange geht auf die Reaktionen ein und kündigt an, er wolle möglichst bald den Leiter der Staatlichen Schulämter in Stadt und Landkreis und die Rektoren von Dom- und Kaulbergschule zu einem Gespräch einladen. Zudem plane er Treffen mit den Vorständen der Bürgervereine von Bug, Südwest und Kaulberg, um Unklarheiten auszuräumen. Statt bis zum nächsten Kultursenat im Juli zu warten erwägt der Schulreferent jetzt eine Sondersitzung des Kultursenats nach den Osterferien.


Stadt: Hätten nicht informieren müssen

Von Christian Lange wie auch Matthias Pfeuffer, Leiter des städtischen Bildungsbüros, wird betont, dass es nicht der Kultursenat sei, der über eine mögliche Sprengeländerung entscheidet. Die Entscheidung treffe die Regierung von Oberfranken. Um dort ein Verfahren zur Sprengeländerung in Gang zu setzen, bedürfe es des Stadtrats-Beschlusses.
Dass die Stadt im Vorfeld auf die Akteure vor Ort zugegangen ist, sei freiwillig geschehen. Man wolle ja alle mitnehmen.

Zu den Akteuren vor Ort gehört mit Manfred Drescher auch der Vorsitzende des Bürgervereins Bug. Er habe nichts gegen eine Sprengeländerung, sagt er, solange der Bestand der Schule in "seinem” Stadtteil nicht gefährdet sei. Diese Sorge hat er aber, wenn alle Kinder aus Südwest ab 2018 womöglich in Wildensorg eingeschult werden und keine mehr in Bug, wie bisher.


Eger: Sprengeländerung unnötig

Rektor Eger zweifelt ohnehin die Notwendigkeit einer Sprengeländerung an. Die Sprengelgrenzen würden heute schon ganz unbürokratisch überwunden: "Seit Jahren dürfen alle Eltern, die es wollen, nach Wildensorg." Die Anträge seien von den Staatlichen Schulämtern nahezu ausnahmslos genehmigt worden.

Erst an diesem Mittwoch hätten sich bei den Schuleinschreibungen an der Kaulbergschule neun Eltern aus Südwest für Wildensorg entschieden.

Bei den Staatlichen Schulämtern hält man sich zur Frage einer möglichen Sprengeländerung bedeckt. Schulrat Thomas Kohl antwortete der Lokalredaktion, er wolle dem Anhörungsverfahren nicht vorgreifen, das die Regierung von Oberfranken einleiten werde, wenn die Sprengeländerung beantragt ist. Dann könnten alle Beteiligten ihre Sichtweise darstellen und erläutern.