Traditionsgemäß findet um den Georgstag (23. April) die Pferdewallfahrt von Gunzendorf zum Senftenberg statt. Auch in diesem Jahr machte man sich, trotz Schneeschauern und nasskaltem Wetter, am Ostermontag singend und betend und mit Musik und mit Fahnenbegleitung auf den steilen Weg zur St. Georgskapelle auf dem Senftenberg.

Für viele Pferdefreude ist der Tag ganz wichtig und "eine schöne Tradition, die unbedingt erhalten werden muss", wie man immer wieder auf Nachfrage zu hören bekam. Entsprechend herausgeputzt hatten sie dafür ihre Pferde, die in vielen verschiedenen Rassen, Größen und Farben zu sehen waren.

Der Georgiritt kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Die Kapelle auf dem Senftenberg, die in ihrer heutigen Form 1668/1669 nach Plänen des Graubündener Baumeisters Valentin Juliot erbaut worden ist, war bereits im 16. Jahrhundert Ziel einer Wallfahrt der Bauern und Hufschmiede aus der näheren Umgebung. Sie baten dort den Hl. Georg, den Schutzpatron von Ross und Reitern, um seinen Segen und brachten ihm ihre Anliegen vor. Sogar ein Wunder soll sich dort auf die Fürsprache des Heiligen ereignet haben.

In seiner heutigen Form wurde der Georgiritt 1951 durch Kuratus Barnickel und den Frankendorfer Bürgermeister Georg Brütting wiederbelebt. Das offizielle Senftenberger Reiterverzeichnis weist seit den 50er Jahren bei den Georgiritten zwischen 28 und 89 Reiter aus. Längst wurden dabei die nicht mehr gebrauchten Zug- und Arbeitspferde der Bauern durch die Freizeitpferde der Hobbyreiter ersetzt.

Der Georgiritt ist sicherlich auch für den jeweiligen Pfarrer der Kuratie Gunzendorf eine Herausforderung. Bereits zum zweiten Mal war Pfarrer Christian Kaiser hoch zu Ross mit dabei. Er zelebrierte die Messe in der Georgskapelle. In seiner Predigt erinnerte an das Wirken des hl. Georgs. Er sprach davon, dass die Gläubigen, gleichsam wie der Heilige, mit ihrer Prozession auf den Senftenberg "Akzente gegen das Böse in der Welt setzen". Im Anschluss an die Messe erhielten Ross und Reiter dann den besonderen Segen. Geduldig und trotz Schnee und Kälte haben sie darauf vor der Kapelle gewartet. In diesem Jahr waren nur 25 Reiter zum Georgiritt gekommen, der jedes Jahr vom Pfarrgemeinderat Gunzendorf zusammen mit Michael Meusel, dem Wirt vom Senftenbergkeller, organisiert wird.

Für Bernd König aus Gunzendorf ist die Wallfahrt "eine wichtige und eine schöne Tradition". An Schnee an diesem Tag kann er sich nicht erinnern, obwohl er "schon als kleiner Bub" immer mit dabei war. In diesem Jahr ist Tochter Lena mit ihrem Pony "Sunny" mitgeritten. Sie hat ihr Pony dem Anlass entsprechend herausgeputzt und wird zusammen mit den anderen Reitern ins offizielle Reiterverzeichnis eingeschrieben. Dann wird noch ein Foto gemacht. Das bekommt sie an Weihnachten zugeschickt, verbunden mit der Einladung zum nächsten Georgiritt.

Auch die Frauen und Männer der Feuerwehren in Gunzendorf, Stackendorf und Frankendorf haben bei den widrigen Witterungsverhältnissen wieder ihren Dienst getan. Sie sorgten für die notwendige Ordnung und damit für die Sicherheit aller Prozessionsteilnehmer.