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Es ist nur eine Handvoll Erde, die Michael Niedermaier dem FT-Fotografen präsentiert. Schwarzer, feinbröseliger Boden, wie er überall im Bamberger Norden vorkommt. Und doch hängt davon mehr ab, als man vermuten würde. Für die Gärtner - und alle Bürger dieser Stadt. "Wenn dieses Stück Flur wegfällt, dann ist es um die Gärtner geschehen. Und möglicherweise auch um den Titel Weltkulturerbe", sagt der Mann mit der blauen Latzhose. Er ist auch der Vorsitzende des Oberen Gärtnervereins.

Ortstermin unweit der Brücke, mit der die Kronacher Straße die Bahngleise überspannt: Kommt der Ausbau der ICE-Strecke im Bestand, und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dann wird sich das Feld, auf dem uns Michael Niedermaier und Kollege Pankraz Deuber von der schwierigen Lage der Gärtner erzählen, in weniger als 15 Jahren in eine betonierte Gleistrasse verwandelt haben. Lollo Rosso und Eichblatt, Wirsing und Kohlrabi, die dem Bamberger Norden heute liebenswerten Charme verleihen, müssen den Güterzügen weichen, die Richtung Würzburg fahren.

Riesige Grundwasserwanne
Eine einschneidende Planung: Bei der Brücke fädelt das Verbindungsgleis aus und unterquert in einer 300 Meter langen Grundwasserwanne die Nord-Süd-Strecke. Dann schließt es an das bestehende Gleis nach Westen an. Was die Techniker nüchtern als "höhenfreie Güterzugverbindung" bezeichnen, hat es in mehrfachem Sinne in sich. "Der Flächenverbrauch ist enorm. Wir wissen nicht, was mit dem Leitungsnetz der Beregnungsanlage passiert. Vor allem fürchten wir, dass der Grundwasserspiegel steigt", sagt Deuber.

Noch mehr Nass wäre in der Tat fatal. Man muss wissen: In der Nordflur steht das Grundwasser nur einen halben Meter tief. Dies erklärt die Fruchtbarkeit des Bodens, birgt aber auch Risiken. Steigt das Grundwasser an, verwandelt sich wertvolles Ackerland in sauere Wiesen. Die Gärtner könnten einpacken.

Sind die Probleme zu bewältigen?
Die Sorge um ihre Existenz hat Deuber, Niedermaier und Christina Keidel vom BV Nord, zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst. Mit Unterstützung des Welterbezentrums der Stadt intervenieren sie bei der Unesco in Paris und Bayerns Landesdenkmalrat. Sie glauben, dass nicht nur die Existenz der Gärtner auf dem Spiel steht - auch der Status Welterbe, den Bamberg bekanntlich auch den Gärtnern zu verdanken hat.

Für Claus Reinhardt von der Stadt sind die Probleme im Norden nichts Neues. Kaum einer weiß um die Risiken und Nebenwirkungen der Trassenvarianten besser Bescheid. Reinhardt gibt den bei den Planungen im Bestand unvermeidlichen Verlust der Gärtnerflächen mit 2,5 Hektar an. Er weiß auch: Die Probleme des Grundwasserstroms sind enorm, aber zu bewältigen. Große Dükerbauwerke sollen den befürchteten Grundwasserstau verhindern.

Was nicht heißt, dass die Stadtverwaltung die Trassierung des Gärtnerlandes befürwortet. Im Gegenteil: Alternativen gibt es. So könnte beispielsweise ein Tunnel durch Bamberg den Gleisabzweig südlich der Kronacher Straße darstellen und damit ohne Verluste an unwiederbringlichem Boden. Auch die getunnelte Ostumfahrung würde den Kelch an Bamberg vorübergehen lassen. Letzterer wird wie der Tunnel von der Bahn abgelehnt. Deuber und Co. möchten bewirken, dass ein Umdenken einsetzt und sich der Stadtrat von den Bahnverantwortlichen nicht ins Bockshorn jagen lässt: "Wir wollen unsere Probleme nicht dem Osten aufbürden. Aber wir wollen, dass endlich alle Varianten unabhängig geprüft werden."