Der Schreck war kürzlich groß bei einer Frau aus Bamberg. Am Türrahmen saß ein sechs bis sieben Zentimeter langer Skorpion. Nach dem ersten Schock sie griff zum Insektenspray. Verständlich, weiß man bei uns doch zu wenig über solche Tierchen. Gefährliche giftige Tiere kommen bei uns ja nicht vor. Im Internet haben viele das rigorose Vorgehen der Frau mit Entsetzen kommentiert. Doch wer kann in solch einer Situation noch kühlen Kopf bewahren? Wir haben nachgefragt bei Matthias Mäuser, Leiter des Naturkundemuseums, und Experte für lebende wie tote Tiere, was er in solchen Fällen rät. Passend: Im Naturkundemuseum findet derzeit eine Schau mit lebenden Spinnen statt. Darunter sind auch Skorpione. Sie gehören schließlich zu den Spinnentieren.

Kürzlich ist ein Skorpion ausgebüxt, fehlt ihnen einer?
Matthias Mäuser: Nein. (lacht) Uns ist er nicht entlaufen. Bei uns fehlt keiner.

Was glauben Sie, wo könnte der herkommen?
Man kann sicher sagen, dass der Skorpion zu 99,9 Prozent aus einer privaten Sammlung ausgebüxt ist.

Wie gefährlich ist denn so ein Exemplar?
Das kommt darauf an. Bei einem Stich sollte man schon mal zum Arzt gehen.

Kommen solche Tiere in Europa überhaupt vor?
Skorpione, die es in Europa gibt, zum Beispiel in Kroatien, sind zwar giftig, aber für den Menschen nicht lebensbedrohlich.

Was bedeutet das?
Es können sich Hautreizungen, Übelkeit, lokale Schmerzen und Wahrnehmungsstörungen einstellen, die Stiche sind aber nicht tödlich.

Beruhigend. Wie ist es mit Spinnen, hier sind ja einige ausgestellt?
Alle Spinnen, die bei uns in Europa vorkommen sind grundsätzlich giftig - das weiß man oft nicht.

Wirklich, auch die Kleinen?
Alle. Allerdings kommen die nicht bis unter die Haut. Ausnahme bildet die Gartenkreuzspinne. Ein großes Exemplar kann bei einem Biss zarte Kinderhaut durchdringen. Die Folgen sind einem Bienenstich vergleichbar.

Muss man eigentlich Angst haben, dass Skorpione einem entgegenspringen?
Manche Spinnen können das. Skorpione aber nicht. Sie sind im Übrigen auch viel langsamer als die meisten Spinnen.

Die betroffene Frau hat den Skorpion mit Insektenspray erledigt. Was würden Sie an ihrer Stelle machen?
Dass die Frau so gehandelt hat, ist nachvollziehbar. Ich persönlich würde allerdings einen Plastiktopf nehmen, um ihn zu fangen. Was man auf keinen Fall tun sollte, ist, ihn dann irgendwo frei zu lassen.

Wenn ich das Exemplar gefangen habe, was mach' ich dann?
Das können Sie zu uns bringen. Bei uns gibt es eine Schadinsektenberatung im Haus. Gegen eine geringe Gebühr können wir dann die Art bestimmen. Sie erfahren von uns, wie Sie damit umgehen können.

Hatten Sie so einen Fall schon einmal?
Flöhe, Motten, Kakerlaken und andere sogenannte Schadinsekten werden öfter mal vorbeigebracht.

Was noch?
Messingkäfer zum Beispiel. Die sind klein wie ein Stecknadelkopf. Und harmlos. Mit geeigneten Maßnahmen kann man sie schnell dezimieren.

Welche Tiere faszinieren Sie persönlich denn am meisten?
Mich faszinieren die versteinerten Tiere, das sind mir die liebsten. Schließlich bin ich Paläontologe.

Dennoch sind Ihnen auch die lebendigen Tiere wichtig. Was denken Sie denn, wenn Menschen manchmal Spinnen einsaugen? Ist das okay?
Die Welt geht nicht unter, wenn man aus - unbegründeter - Angst heraus mal eine Spinne einsaugt. Aber am besten ist hier: Einfangen mit einem Glas und dann ins Freie setzen. Die Spinne sucht sich, wenn es kälter wird, dann schon wieder einen Weg ins Warme.

Sind Spinnen nun im Haus etwas Gutes oder eher Schlechtes?
Wenn Sie in einem alten Haus unter dem Dach Spinnen finden, dann seien Sie froh. Das bedeutet, dass keine giftigen Materialien verbaut wurden.

Und die Geschichte, dass ein solcher Skorpion oder ein anderes Tier aus der Toilette klettern könnte?
Das ist ein Märchen. Das gibt es nicht. Vielleicht in Nordamerika, wo eine "Schwarze Witwe" sich ganz gerne mal unter einer Klobrille an einer Highway-Tankstelle versteckt. Sie ist auf Insekten-Jagd. Auf der Toilette gibt es nun mal sehr viele davon. Das kann gefährlich sein.

Gibt es aber nicht bei uns...
Nein, bei uns nicht!


Skorpione und Spinnen

Skorpion Bei dem Exemplar, dass die Bambergerin gefunden hatte, handelt es sich vermutlich um "Euscorpius italicus". Diese Skorpion-Art "gilt als ausgesprochener Kulturfolger und wird aufgrund seines häufigen Aufenthaltes in Häusern regelmäßig in andere Regionen verschleppt", sagt Biologe Jürgen Gerdes vom Umweltamt der Stadt. Seine Stiche dieser Art seien weitestgehend harmlos.

Ausstellung Knapp 12 000 Besucher haben seit 16. Juli die Lebendschau "Faszination Spinnen" im Naturkundemuseum besucht. Ein Erfolg, sagt Leiter Matthias Mäuser. Die Ausstellung wurde bis zum 26. Oktober verlängert. Besucher können die riesigen Spinnen und giftigen Skorpione in den über 40 naturnah eingerichteten Terrarien betrachten. Ab Oktober hat das Museum in der Fleischstraße zu den Winterzeiten von 10 bis 16 Uhr geöffnet, täglich außer Montag.