• Fitnessstudios in Bayern: Corona-Verschärfung bringt harte Einschnitte für Ungeimpfte
  • Bayerns Krankenhaus-Ampel steuert auf Warnstufe Rot zu - Fitnessstudios droht 2G
  • Zutrittsverbot für ungeimpfte Mitglieder naht: Mrs.Sporty und clever fit reagieren
  • INJOY-Sprecher kritisiert Einschränkungen für Ungeimpfte: "Finde ich nicht richtig"

Verschärfte Corona-Regeln für Fitnessstudios in Bayern: Wegen der drastisch gestiegenen Infektionszahlen treten in Bayern am Samstag (6. November 2021) strengere Corona-Maßnahmen in Kraft. Auch die Fitnessstudios im Freistaat sind davon unmittelbar betroffen: Ungeimpften Mitgliedern wird der Zutritt ins Studio fortan erheblich erschwert oder sogar ganz verboten. Hintergrund ist die Neudefinition der bayerischen Krankenhaus-Ampel. Die großen Fitnessketten Mrs.Sporty, INJOY und clever fit reagieren teils mit Kritik auf die neue Regelung.

Mrs.Sporty "bedauert" Söder-Ankündigung: "Hätten uns bessere Differenzierung gewünscht"

Die Frauen-Fitnessstudio-Kette Mrs.Sporty zeigt sich in Hinblick auf die beschlossene Regel-Verschärfung enttäuscht. "Wir bedauern, dass durch die neuen Einschränkungen vorübergehend nicht mehr alle Mitglieder bei uns in den Clubs trainieren dürfen. Insbesondere, da wir kontaktlos mit Smart Trainern arbeiten und Hygienemaßnahmen, wie Abstandsregeln implementiert haben, die sich in den kleinen Boutique-Clubs von Mrs.Sporty hervorragend umsetzen lassen", erklärt Kerstin Kolata, Fitnessexpertin und Head of Product Development bei Mrs.Sporty, inFranken.de. "Daher hätten wir uns eine bessere Differenzierung bei der Risikobewertung gewünscht."

Nach der neuen Corona-Regelung dürfen Ungeimpfte bei einer roten Krankenhaus-Ampel nicht mehr im Fitnessstudio trainieren. Ein Umstand, der bei der Fitnessexpertin durchaus auf Skepsis stößt. Der Grund: "Das Mrs.Sporty-Konzept lebt von dem persönlichen Kontakt und der Betreuung der Frauen durch unsere Trainer*innen", betont Kolata. "Dass wir nicht mehr allen Mitgliedern das Training vor Ort ermöglichen können, ist natürlich ein Einschnitt." Die neue Situation werde gleichwohl durch die Erfahrungen und Lösungen aus den ersten beiden Lockdowns ein Stück weit erleichtert. 

"Wir haben schon im ersten Lockdown eine Online-Trainingsplattform eingeführt, über die unsere Mitglieder seitdem jederzeit mit Trainingsvideos und Live-Trainingssessions auch von zu Hause aus trainieren können", erläutert die Mrs.Sporty-Sprecherin. "So müssten auch unsere ungeimpften Mitglieder nicht auf ihr Training verzichten, bis das Training im Club wieder für alle möglich ist." Wie viele der Mrs.Sporty-Kundinnen ungeimpft sind, werde nicht erfasst. "Daher können wir hierzu keine Auskunft geben", konstatiert Kolata. "Die behördlichen Vorgaben werden wir aber selbstverständlich in den Clubs in Bayern entsprechend umsetzen und den Mitgliedern, die davon betroffen sind, Trainings-Alternativen zu Hause bieten."

Fitnessstudios in Bayern: Diese neuen Corona-Regeln gelten ab Sonntag

Ausgangspunkt für die strengeren Corona-Regeln in den bayerischen Fitnessstudios ist die Neudefinition der bayerischen Krankenhaus-Ampel. Die Staatsregierung um Ministerpräsident Markus Söder reagiert damit auf die drastisch gestiegenen Corona-Infektionszahlen. In Bayern springt die Krankenhaus-Ampel künftig auf die Stufe Gelb, wenn landesweit 450 Intensivbetten belegt sind. Stufe Rot zeigt die Ampel, wenn es 600 Intensivpatienten gibt. Aktuell sind im Freistaat 541 Intensivbetten durch bestätigte Covid-19-Fälle belegt (Stand: 05.11.2021; Quelle: LGL). Die neue Regelung bringt zugleich für Einrichtungen, die bisher nach 3G-Regeln zugänglich sind, explizite Neuerungen mit sich. Darunter fallen auch die Fitnessstudios.

Die Verschärfungen treten bereits am Samstag (6. November 2021) in Kraft. Konkrete Auswirkungen haben sie indes erst ab Sonntag (7. November 2021). Für die Fitnessstudios in Bayern gelten dann folgende Corona-Regeln:

  • Bei einer gelben Ampel gilt in den Studios fortan 3G-plus (genesen, geimpft, negativer PCR-Test)
  • Bei einer roten Ampel gilt in den Studios fortan 2G (genesen, geimpft)

Neue Maßnahmen in Bayerns Fitnessstudios: Auch Clever fit und INJOY beziehen Stellung

Nach der neuen Corona-Regelung dürfen Ungeimpfte bei einer roten Ampel überhaupt nicht mehr ins Fitnessstudio. Genesene oder geimpfte Kundinnen und Kunden dürfen dagegen weiterhin trainieren. inFranken.de hat kurz nach Söders Ankündigung neben Mrs.Sporty auch die beiden Fitnessstudio-Ketten Clever fit und INJOY, die in Franken mit zahlreichen Studios vertreten sind, nach einem Statement gefragt.

Bei clever fit sieht man die verschärften Corona-Maßnahmen im Freistaat vergleichsweise gelassen. "Wir haben das Problem bereits in anderen Bundesländern", sagt PR- und Pressemanagerin Christiane Enzelberger. "Das sind schlicht und einfach behördliche Vorgaben. Die Frage, ob wir das gut oder schlecht finden, stellt sich für uns nicht", 

Wie viele der clever-fit-Kunden gegen Corona geimpft sind, könne sie nicht sagen. Dies werde aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht dokumentiert. Die Sprecherin geht jedoch - in Anlehnung auf die Gesamtzahl der Geimpften in Deutschland - von rund 70 Prozent aus. Inwieweit ein vorübergehender Wegfall der ungeimpften Kunden Auswirkungen auf die Studiobetreiber habe, bleibe letzten Endes abzuwarten. 

Clever fit: "Wir sind froh, dass wir überhaupt wieder öffnen dürfen" 

Die clever-fit-Studios werden von den Inhabern eigenverantwortlich geführt. "Wir raten unseren Franchisenehmern grundsätzlich, alle Anliegen immer im Gespräch mit den Kunden zu regeln." Sollten ungeimpfte Mitglieder tatsächlich infolge der verschärften Corona-Regeln ihr Fitnessstudio bald nicht mehr betreten dürfen, ruft Enzelberger die Studiobetreiber dazu auf, einvernehmliche Lösungen zu erzielen. So sei beispielsweise ein vorübergehendes Ruhen der Mitgliedschaft ("Time Stop") prinzipiell möglich. 

Inwieweit die strengeren Pandemie-Maßnahmen den Betrieb der clever-fit-Studios beeinflussen, würden die kommenden Wochen zeigen. "Wir starten gerade in unsere wichtigste Phase", hält die Pressemanagerin mit Blick auf die kalte Jahreszeit fest." Ihr derzeitiger Standpunkt - nach der monatelangen Zwangsschließung der Fitnessstudios: "Wir sind tatsächlich froh, dass wir überhaupt wieder öffnen dürfen." 

INJOY-Sprecher kritisiert Einschränkungen für Ungeimpfte: "Finde ich nicht richtig"

Vonseiten der INJOY-Fitnessstudios hagelt es indessen Kritik an den erneuten Corona-Maßnahmen. "Grundsätzlich steht die Gesundheit der Menschen im Mittelpunkt. Und wir denken, dass ein regelmäßiges Muskeltraining enorm dazu beiträgt, sich gesund zu erhalten", teilt Thorsten Kielmann inFranken.de mit. Als Consulting Manager der ACISO Fitness & Health GmbH ist er für die INJOY-Studios zuständig. "Aus diesem Grund glauben wir, dass es überhaupt nicht sinnvoll war, gesundheitsorientierte Studios zu schließen."

In Hinblick auf die fortan geltenden Einschränkungen für ungeimpfte Studiobesucher in Bayern hält Kielmann fest: "Nicht-Geimpfte von der Nutzung auszuschließen, finde ich nicht richtig, da es nachvollziehbare Gründe gibt für die Nicht-Impfung und eben diese Menschen klar benachteiligt werden", moniert er. Laut Einschätzung des Sprechers falle es für INJOY-Studio durchaus ins Gewicht, wenn Ungeimpften fortan der Zutritt ins Studio verwehrt bleibe.

"Selbstverständlich bedeutet das für unsere INJOY-Partner weniger trainierende Kunden und weniger Neukundengeschäft", betont Kielmann. Dies mache sich insbesondere nach dem langen Lockdown bemerkbar. "Das ist nach der Schließungszeit natürlich ein einschränkender Faktor, der auch wirtschaftlich nicht guttut", so der Consulting Manager weiter. "Der Prozentsatz der Geimpften ist zwar relativ hoch, doch jegliche Einschränkung ist für den geschäftlichen Erfolg schädlich."

Wechselnde Regeln und "nicht nachvollziehbare Entscheidungen" sorgen für "große Unzufriedenheit"

Dennoch sei es immer besser, wieder offen zu haben, als zu schließen, berichtet Kielmann. "Natürlich sind wir froh, dass wir wieder geöffnet haben. Und trotzdem herrscht auch eine große Unzufriedenheit, da wechselnde Regeln, unterschiedliche Regelungen der Bundesländer und nicht nachvollziehbare Entscheidungen getroffen werden", kritisiert der INJOY-Verantwortliche scharf.

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