Trotz einer Rekordzahl von Kirchenaustritten in diesem Jahr: Zu Weihnachten waren die Gotteshäuser sehr gut besucht, auch in Bamberg. Das berichten hiesige Vertreter der katholischen wie auch der evangelischen Kirche.
Auch wenn stets beklagt werde, dass nur noch an Kommerz und Urlaubstage gedacht werde und man bestenfalls einen "Gefühlskick" unter dem Weihnachtsbaum und beim Geschenke auspacken erwarte, so ziehe die "Wahre Weihnacht" doch immer wieder viele Menschen in ihren Bann, stellte Erzbischof Ludwig Schick in seiner Weihnachtspredigt fest.

Sehnsucht nach heiler Welt

Er erkannte hinter aller Geschäftigkeit auch 2013 die Sehnsucht der Menschen nach mehr: "Die Krippen werden bestaunt und fotografiert, die Kirchen sind an Weihnachten immer noch übervoll.
Bei aller Weltlichkeit, allem Trubel ist die Sehnsucht nach einer heilen Welt, wie Maria, Josef und das Kind, die Hirten und Könige, der Stern und die Engel sie zeigen, vorhanden." Weihnachten werde von vielen zwar als Idylle abgetan, zugleich sei aber die Sehnsucht nach einer heilen Welt vorhanden. Schick glaubt: "Weihnachten bietet das, wonach sich viele Menschen bei uns, auf der ganzen Welt und seit jeher immer sehnen: ein anderes, besseres, menschlicheres, zukunftsträchtiges Leben."

Zu einem gerechteren Leben für alle könne jeder beitragen, der an Gott glaubt, sagte der evangelische Dekan Otfried Sperl in seiner Weihnachtsansprache. So wie Gott in dem göttlichen Kind "leibhaftig Wohnung genommen habe", so könne er auch in jedem Menschen wohnen: "Wie würde unser Zusammenleben wohl aussehen in der Nachbarschaft, an Arbeitsplätzen, im Straßenverkehr, in Krankenhäusern wenn es mehr Menschen gäbe, die sich erinnern, dass Gott in ihnen wohnt?" Dankbar erwähnte er in diesem Zusammenhang die Menschen, die auch in Bamberg "ihren meist kleinen Reichtum an Geld und Zeit und Kraft" mit anderen teilen würden, die beispielsweise aus ihrer Heimat fliehen mussten und Asyl suchen.

Sonnenbad an Heiligabend

Die Friedensbotschaft des Weihnachtsfestes schienen sich in diesem Jahr die allermeisten Menschen in Bamberg verinnerlicht zu haben. Von kleineren Einsätzen abgesehen verliefen Heiligabend und die Feiertage auch für Feuerwehr und Polizei recht entspannt. Der Winterdienst hatte sich angesichts der Wettervorhersagen erst gar nicht präparieren müssen. Vor allem der 24. Dezember bescherte der Region fast frühlingshafte Temperaturen: Man sah Spaziergänger in der Sonne rasten und auffallend viele Motorradfahrern nutzten die Gelegenheit zur vielleicht letzten Ausfahrt des Jahres.

Kaum kühler, aber grau und feucht waren die Weihnachtsfeiertage. Farbtupfer, Lichtblicke und Foto-Motive boten die Krippenausstellungen aber auch der "Baum der Hoffnung" in der Fußgängerzone. Er scheint in diesem Jahr besonders üppig behängt zu sein - was ein Beleg mehr dafür sein mag, dass die Bitten um finanzielle Hilfe für wohltätige Einrichtungen in Bamberg immer wieder Gehör findet. Der Erlös aus dem Verkauf des Baumschmucks kommt bekanntlich der "Tafel" des Vinzenzvereins zu Gute.