Die Unternehmen im Landkreis Bamberg sind mit dem Standort überwiegend zufrieden. Es gibt aber auch noch Verbesserungswünsche seitens der hier ansässigen Betriebe. Vor allem bei den Themen Fachkräfte und Gewerbeflächen drückt der Schuh. Das geht aus der aktuellen Unternehmensbefragung im Auftrag der Wirtschaftsförderung im Landratsamt hervor.



Ein Rekord

Zum vierten Mal - nach 2002, 2007 und 2012 - führte die Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung (Gefak) die Untersuchung durch. Und es gibt mindestens einen Rekord zu vermelden: 386 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück.



Hohe Quote

Das sind mehr als 30 Prozent der angefragten rund 1250 Betriebe. Eine Quote, die Josef Rother von der Gefak als ausgesprochen hoch und Zeichen einer guten Kommunikation zwischen Wirtschaft und Wirtschaftsförderung wertet. Zudem stehen die 386 Unternehmen mit zusammen mehr als 16 000 Beschäftigten für rund ein Drittel aller Arbeitsplätze im Landkreis.

Doch ihre Bewertungen, Wünsche und Erwartungen brachten nicht nur die großen Firmen zum Ausdruck. Neben 24 Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten gaben auch mehr als 257 Betriebe mit mindestens drei, aber weniger als 20 Mitarbeitern namentlich Auskunft. Am stärksten vertreten ist mit 168 teilnehmenden Betrieben das Handwerk.


Ausreißer nach oben und unten

Mit einem Wert von 2,20 (1 = sehr gut, 5 = schlecht) bei der Gesamtzufriedenheit am Standort kann der Landkreis sicher gut leben. Aber wie Landrat Johann Kalb (CSU) betont, geht es ja nicht um eine reine Bestandsaufnahme, sondern vor allem darum eine konkrete Handlungsanleitung zu erhalten.

Den Gesamtwert bezeichnet Rother als "erfreulich". Er weist aber auch darauf hin, dass es bei Betrachtung der Details auch Ausreißer nach oben und nach unten gibt. So erhält die Verkehrsanbindung per Schiene (3,52), Flugplatz (3,72) und - überraschender weise - Wasserstraße (3,60) nur mäßige Noten, während die überregionalen Straßen mit 2,05 und die örtlichen sogar mit 2,03 bewertet werden. Verbesserungsbedarf sehen die Unternehmen im Landkreis auch beim Öffentlichen Nahverkehr (3,12) und der Nähe zu Forschungseinrichtungen (3,59).



Thema Nr. 1

Das klar dominierende Thema ist der Gefak-Untersuchung zufolge aber die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften (3,42). Wobei Rother darauf hinweist, dass nicht allein die Bewertung entscheidend ist, sondern auch die Frage, wie wichtig ein Thema für die Unternehmen ist. "Die Fachkräfte heben sich als Thema Nr. 1 deutlich ab", stellt Rother fest. Damit einher geht die Einschätzung der Verfügbarkeit von Wohnraum (3,05).
Viele Unternehmen beklagten, dass es schwierig sei, hoch qualifizierte Fachkräfte und Akademiker zum Umzug in den Raum Bamberg zu bewegen. Von rund 150 Unternehmen, die dazu Angaben machten, nannte fast die Hälfte als Ursache für Stellenbesetzungsprobleme bei Fachkräften, dass diese "keine Bereitschaft zu einem Ortswechsel in die Region" zeigten.


Überraschend negatives Image

Das offenbar immer noch negative Image der Region Oberfranken steht in diametralem Gegensatz zur Einschätzung der Lebensqualität durch die hiesigen Unternehmen. Die Lebensqualität erhält von ihnen nämlich den Spitzenwert von 1,90. Aufgabe der Wirtschaftsförderung des Landkreises wird es nun also sein herauszufinden, warum hier die Schere so weit auseinanderklafft.

Das zweite große Thema, das viele Unternehmen im Landkreis bewegt, ist das Angebot an Gewerbeflächen. Dieses kann offenbar den derzeitigen Bedarf kaum decken. Von den Unternehmen, die an der Befragung teilnahmen meldeten 64 einen Flächenbedarf an.