Das Erzbistum Bamberg hat Ehrenamtliche für die Leitung von Trauerfeiern ausgebildet. Das soll den Mangel an Seelsorgern ausgleichen und Gemeinden unterstützen.
Das Erzbistum Bamberg hat in einem Pilotprojekt erstmals Ehrenamtliche zu Begräbnisleitungen ausgebildet, um Pastoralteams bei der Durchführung von Trauerfeiern zu unterstützen und zu entlasten. Acht Teilnehmende absolvierten in den letzten Monaten ein Schulungsprogramm mit Präsenztagen, Online‑Modulen und Hospitationen. Bei einer Beauftragungsfeier in St. Bonifaz Nürnberg bekamen sie am Donnerstag von Erzbischof Herwig Gössl ihre Urkunden überreicht und können ab sofort Trauerfeiern leiten. Begleitet wurde die Ausbildung von erfahrenen Seelsorgern, die den Ehrenamtlichen auch künftig als Supervisoren zur Seite stehen. Die Inhalte des Kurses reichten von liturgischen und organisatorischen Grundlagen über die Gestaltung von Ansprachen bis hin zur Trauerbegleitung.
Vor dem Hintergrund sinkender Zahlen hauptamtlicher Seelsorger und gleichzeitig steigender Bestattungszahlen verfolge das Erzbistum einen praxisorientierten Ansatz, um die pastoralen Kapazitäten in den Gemeinden zu sichern, erklärt Andreas Lurz, Leiter des Ausbildungskurses und Nürnberger Stadtdekan. "Da Begräbnisleitungen keine Sakramente spenden, darf dieser Dienst von ehrenamtlichen Kräften übernommen werden", so Lurz. Die Menschen in den Gemeinden könnten und wollten Verantwortung übernehmen. Die durchlaufene Qualifizierung solle sicherstellen, dass dies fachlich fundiert und einfühlsam geschieht, sagt der Ausbildungsleiter.
Neben Einheiten zu liturgischen Grundlagen und rechtlichen Rahmenbedingungen setzte der Kurs bewusst auf praktische Lernformen: Die Teilnehmenden arbeiteten an fiktiven Trauerfällen, verfassten Ansprachen, wählten Liedgut aus und probten den Ablauf von Feiern - sowohl in der Aussegnungshalle als auch am Grab. Ergänzt wurden die Übungen durch seelsorgerliche Anleitung, Gespräche zur Trauerpsychologie und Reflexion persönlicher Motivationen.
Die Nürnbergerin Sylvia Suppmann kam durch ihre eigene Lebensgeschichte auf die Idee, Begräbnisleiterin zu werden: "Mein erster Todesfall war meine Mutter - da war ich 20", erzählt sie im Gespräch. Später starb ihr Mann und hinterließ drei gemeinsame Kinder. Bewältigt hat Suppmann diese schwere Zeit durch ihren Glauben. Diese Erfahrungen möchte sie nun in die Arbeit mit anderen Trauernden einbringen, zu der sie sich mittlerweile immer stärker berufen fühlt: "Ich möchte erspüren, was die Angehörigen gerade brauchen - und ihnen Hoffnung mitgeben."
Für Ausbildungsleiter Lurz steht fest, dass die Absolventinnen und Absolventen des Pilotkurses hochmotiviert sind, ihren Dienst "aus einer tiefen inneren Überzeugung heraus" antreten und eine Bereicherung für die Seelsorge vor Ort darstellen. Das Erzbistum plant eine Evaluation des Projekts hinsichtlich der Übertragbarkeit auf andere Regionen, des Schulungsbedarfs und der Betreuungsstrukturen für Ehrenamtliche. Bei positiven Erfahrungen wird es aller Voraussicht nach schon bald weitere Ausbildungskurse für ehrenamtliche Begräbnisleitungen geben.
Bei der Beauftragungsfeier bezeichnete Erzbischof Herwig Gössl den Dienst am Grab als einen besonders sensiblen Moment kirchlichen Handelns. Wer sich dafür ausbilden lasse, schenke den Trauernden Zeit, Nähe und Hoffnung - und leiste damit "einen unschätzbaren Beitrag für unsere Seelsorge", so Gössl. Der Erzbischof dankte den ehrenamtlichen Begräbnisleitungen für ihr Engagement, welches zeige, wie sehr Verantwortung und wichtige Aufgaben der Seelsorge in den Gemeinden von den Gläubigen mitgetragen werden. Ohne die Mithilfe von Ehrenamtlichen sei pastorale Arbeit "nicht mehr denkbar und auch nicht wünschenswert", sagte der Erzbischof.
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